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KommentarDer Odenthaler Haushalt ist eine Rechnung mit vielen Unbekannten

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In der Odenthaler Kämmerei wird mit spitzem Bleistift gerechnet. 

Odenthal – Ein leeres Portemonnaie füllt sich nicht dadurch, dass man möglichst früh hineinschaut. Sondern dadurch, dass man seine Ausgaben den finanziellen Möglichkeiten gut anpasst. Dazu muss man sich allerdings zunächst seine Einkünfte und seine Verbindlichkeiten gründlich ansehen.

Wer aber gar nicht weiß, wie viel Geld im nächsten Jahr in die Kasse hinein kommt und auch bei den Ausgaben noch viele Fragezeichen setzen muss, der schaut bei der Erstellung des kommunalen Haushalts in die berühmte Glaskugel.

Kämmerer wollen nicht im Kaffeesatz lesen

Kämmerer stehen nicht gerne in dem Ruf der Kaffeesatzleserei. Sie sind üblicherweise Menschen der Zahlen, Daten und Fakten, auf deren Grundlage sie die allgemeine wirtschaftliche Lage und die Folgen für den kommunalen Haushalt analysieren, um ihre Entwicklungsprognosen für die Gemeindefinanzen abgeben zu können.

Der Ehrgeiz ist dabei, möglichst nahe am später tatsächlich erzielten Ergebnis zu liegen. Denn je exakter die Vorhersage, desto besser können die Ratsmitglieder in den Haushaltsberatungen entscheiden, wie groß die finanziellen Spielräume noch sind und welche Ausgaben getätigt werden können, welche besser verschoben oder ganz gestrichen werden müssen. Dies ist besonders in Zeiten einer notleidenden Kasse wichtig.

Belastbare Zahlen - Fehlanzeige

Zur Punktlandung der Haushaltsprognose des Kämmerers gehören viel Erfahrung, etwas Glück bezüglich der wirtschaftlichen Gesamtentwicklung – und vor allem belastbare Zahlen. Die aber liegen dem Kämmerer in Odenthal wie auch denen anderer Kommunen noch gar nicht vor. Zuweisungen vom Land, die Höhe der Kreisumlage, Tarifabschlüsse, Flüchtlingszahlen, Zinsentwicklung, Energiepreise, Inflation... alles noch Fehlanzeige, obwohl sie die Kasse maßgeblich beeinflussen werden.

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Die anderen Kommunen im Kreis warten daher noch ab. In Odenthal zwang die Politik den Kämmerer, schon jetzt zu liefern, was er eigentlich nicht hat. Ob das nötig und sinnvoll war und man dadurch für die anstehenden Haushaltsberatungen wirklich viel schlauer geworden ist – auch dahinter kann man ein großes Fragezeichen setzen.