Fast Fashion, Müllprobleme, miese Materialien und ein Überangebot an gebrauchten Textilien am Markt.
AltkleiderGute Sache mutiert auch in Rhein-Berg zum Problem

Altkleidercontainer in Bensberg: Heute hui, morgen pfui – Ausgedienter Kleidung ein zweites Leben zu schenken, ist nicht so leicht. Es gibt weniger Sammelcontainer.
Copyright: Christopher Arlinghaus
„Die Belastungen, die die Altkleider-Sammlung seit Langem für unsere gemeinnützige Arbeit mit sich bringt, sind immens und viel größer als ihr Nutzen“, wird Vorstandsvorsitzende Evelyn Timm vom Kreisverband Rhein-Oberberg der Arbeiterwohlfahrt (Awo) zitiert. Der Awo-Kreisverband hat daher das Sammeln der Altkleider mit den bisher 120 im Rheinisch-Bergischen und Oberbergischen Kreis aufgestellten Kleidercontainern beendet, wie der Verband mitteilt.
Davor seien die Container im Auftrag der Awo von einer Firma mit Sitz im Sauerland entleert und die Inhalte zur Weiterverwertung gebracht worden. Seit dem vergangenen Dezember verfügt nur noch das Verwertungsunternehmen über die Container, das sie entweder neu vergibt oder abholt.
Müll neben den Containern muss mit erheblichen Kosten entsorgt werden
Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hatte bereits Anfang des Jahres seine Container in Bergisch Gladbach, ausgenommen Bensberg und Refrath, eingestellt. Grund dafür war die Insolvenz der Verwertungsgesellschaft, mit der das DRK zusammenarbeitete.
Vor allem der aufgrund rasant zunehmender Fast Fashion gesättigte Altkleidermarkt sowie ein vandalismusähnlicher Umgang mit den Containern hätten den Kreisverband zu dieser Maßnahme gezwungen, teilt die Awo mit. Wegen Beschwerden von Städten, Gemeinden oder direkt von Bürgern hätte der neben den Containern gelagerte Abfall wie Matratzen, beschmutzte Windeln, Elektroschrott oder nasse Kleidung immer wieder mit erheblichem Kostenaufwand entsorgt werden müssen. Schon ein bis zwei Tage später biete sich meist am selben Ort dasselbe Bild.
Immer wieder kaputte oder beschmutze Kleidung in den Containern
Zudem sorgte die am 1. Januar 2025 in Kraft getretene Änderung der EU-Abfallrahmenrichtlinie für Missverständnisse, heißt es in der Awo-Pressemitteilung weiter. Diese richte sich an Länder, in denen es bisher gar keine Wiederverwertung gab und daher dazu aufforderte. In Deutschland gelte nach wie vor: Kaputte oder beschmutze Kleidung gehört weiterhin in den Restmüll. Dennoch finde sie sich meist in den Containern wieder.
Die Awo setzt deshalb künftig auf nachhaltige Wiederverwertung in ihren regionalen Secondhand-Läden in Rhein-Berg und Oberberg. So gebe es seit über 40 Jahren den Secondhandladen „Fundgrube“ des Ortsvereins Engelskirchen-Overath. Die 20 Ehrenamtlichen sortierten abgegebene Kleidung und bieten sie im Laden gegen ein geringes Entgelt an. In Leichlingen sind sogar mehr als 50 Ehrenamtliche im Awo-Sozialkaufhaus „Globolus“ aktiv.
Auch Ehrenamtlichen in karitativen Secondhandläden wird Arbeit erschwert
Beide Einrichtungen spenden die Erlöse an Senioren- und Jugendangebote oder an Projekte gemeinnütziger regionaler Vereine, wie Hilfen für Obdachlose, Trikots für Fußballspieler, hospizliche Begleitung oder Requisiten für Theatergruppen.
Die ehrenamtliche Arbeit werde auch hier durch verschmutzte, zerrissene und beschädigte Ware erschwert. „Derzeit sind weit mehr als drei Viertel der abgegebenen Kleidungsstücke nicht zur Weitergabe geeignet“, zitiert der Verband Beate Ruland, Vorsitzende des Awo-Ortsvereins Engelskirchen-Overath. Genau das sei laut dem Ortsvereinsvorsitzenden Michael Altmeyer-Lange ebenfalls in Leichlingen der Fall.
Die Vorgaben der EU haben ein Überangebot erzeugt
Auch der Bergische Abfallwirtschaftsverband (BAV) steht nach eigenen Angaben neuen Herausforderungen durch Fast Fashion mit meist qualitativ minderwertigen Materialien bei gleichzeitig steigenden Kosten für Sammlung und Sortierung gegenüber. Die Vorgaben der EU hätten letztlich zu einem Überangebot an Altkleidern geführt und so insbesondere die „deutsche Spezialität der verbrauchernahen Container-Sammlung über karitative Organisationen“ unwirtschaftlich gemacht, erklärt Christoph Rösgen, Leiter der Abfallwirtschaft. Auch die Recyclingkapazitäten seien ausgelastet und die Nachfrage nach Dämmstoffen oder Putzlappen gesättigt.
Die EU möchte bis 2030 bei Textilien zu einer echten Kreislaufwirtschaft kommen. Dafür brauche es eine erweiterte Herstellerverantwortung. Das Bundesumweltministerium plant bis 2027 ein neues Textilgesetz, und laut EU-Vorgabe muss bis April 2028 ein Rücknahmesystem aufgebaut werden – möglicherweise nach dem Vorbild der Dualen Systeme für die Verpackungsabfälle.
Wohin mit Altkleidern in meiner Kommune?
Das gilt überall: Zerschlissene und verschmutzte Kleidung gehört nicht in die Altkleidersammlung, sondern muss über den Restmüll entsorgt werden.
Um tragfähigen Textilien und Schuhen ein zweites Leben zu ermöglichen, stellt im Rheinisch-Bergischen und Oberbergischen Kreis der Bergische Abfallwirtschaftsverband (BAV) Sammelcontainer auf öffentlichen Plätzen zur Verfügung. Dem Zweckverband der Kreise haben die Kommunen vor über zehn Jahren die Altkleidersammlung übertragen. Die Container des BAV sind an der Bergischen Fachwerkoptik leicht zu erkennen. Die genauen Standorte sind über die kostenlose BAV „abfall. App“ oder auf der BAV-Website abrufbar. Die Stadt Bergisch Gladbach unterhält eigene Sammelbehälter. Deren Standorte sind auch über die kostenlose „AWB GL App“ abrufbar.
Parallel dazu sammeln auch private Unternehmen ausrangierte Textilien. Teils in eigenen Containern, teils im Auftrag von karitativen Organisationen. Letztere haben sich aber mittlerweile zunehmend aus dieser Form der Altkleidersammlung zurückgezogen (siehe Text oben).
Seit Mitte 2025 sind keine Erlöse mehr zu erzielen.
Wenn Karitative ihre Container abziehen, könne der BAV diese Standorte jedoch nicht in Gänze auffangen, sondern „nur punktuell nachbesetzen“, so Christoph Rösgen, Leiter der Abfallwirtschaft der BAV. Die Zeiten, in denen zwei Drittel der über Container eingesammelten Textilien in einem so guten Zustand waren, dass sie wiederverwendet und verkauft werden konnten, sind nach seinen Angaben vorbei.
Früher gingen zudem 25 Prozent des Materials in hochwertige Recyclingverfahren, bei denen Putzlappen oder Dämmmaterial hergestellt wurden. Dadurch erzielte Erlöse konnte der BAV an die Kommunen weitergeben. „Aber seit Mitte 2025 sind keine Erlöse mehr zu erzielen“, so der BAV-Leiter der Abfallwirtschaft.
Nur gut tragbare Textilien und Schuhe gehören in den Sammelcontainer
Bergisch Gladbach: Rund 100 eigene Altkleider-Container hat der Abfallwirtschaftsbetrieb in der Kreisstadt aufgestellt. Die Abgabe von Altkleidern, Schuhen und Federbetten ist auch an der Wertstoffannahmestelle am Wertstoffhof Kippemühle möglich.
Rösrath: Aktuell stehen sieben Altkleidercontainer des BAV in Rösrath. Drei weitere sollen folgen, da das DRK seine Altkleidercontainer Ende vergangenen Jahres abgezogen hat.
Overath: Hier stehen 13 Container des BAV. Die Aufstellung weiterer Container oder die Einrichtung anderer Abgabestellen seitens der Stadt Overath sind zurzeit nicht geplant. „Sofern zusätzlicher Bedarf bestünde, würde dies mit dem BAV abgestimmt und von dort übernommen werden“, heißt es bei der Pressestelle der Stadt Overath auf Nachfrage. Weiter heißt es: Das DRK, Ortsverband Overath, habe zwischenzeitlich erwogen, die Altkleidersammlung, die durch eine Sondernutzungserlaubnis der Stadt Overath genehmigt ist, komplett einzustellen. Im Stadtgebiet Overath stehen momentan 21 Altkleidercontainer des DRK Overath im öffentlichen Raum. Der Grund für den Abzug sei, dass zunehmend schlechte oder gar nicht mehr zu gebrauchende Textilien in die Container geworfen werden. Weitere Sondernutzungserlaubnisse zur Altkleidersammlung wurden in Overath vergeben an den Malteser Hilfsdienst e. V. (1 Container) und an die Firma Eurocycle (8). Hier liegen der Stadt keine Erkenntnisse zu möglichen Unregelmäßigkeiten vor.
Kürten: In 14 Containern sammelt der BAV in Kürten tragfähige Kleidung.
Odenthal: Hier hat der BAV 10 Container aufgestellt.
Kleidung in Secondhandläden für den guten Zweck spenden
Über Spenden gut erhaltener Kleidung freuen sich zum Beispiel die beiden Kleiderläden vom Kinderschutzbund Rhein-Berg in Bergisch Gladbach und Overath. Das gilt auch für die Einrichtung Gronauer Fenster an der Mülheimer Straße und den Adra-Shop.
Odenthaler können sich an die Caro-Kleiderkammer von Caritas und DRK wie auch an den Kleiderladen beim Kinderschutzbund in Burscheid wenden.
In Rösrath nehmen ebenfalls Ehrenamtliche im Sterntaler-Kleiderladen des Kinderschutzbundes Rösrath gut erhaltene Kleidungsstücke entgegen.
Die Kleiderkammer in Kürten ist ein in gleich mehrfacher Hinsicht ausgezeichneter Ansprechpartner für ausgediente aber noch gut tragbare Kleidung und Schuhe. Das Engagement der Ehrenamtlichen des Vereins ZinK e.V. (Zuhause in Kürten) hat gerade erst im Dezember 2025 den Heimatpreis ausgezeichnet und mit einem Preisgeld von 2500 Euro bedacht. Gespendete Ware wird sortiert und zu kleinen Beträgen an Menschen mit geringem Einkommen, Geflüchtete, Obdachlose und viele weitere Menschen weiterverkauft. (hil)


