BiografieZweifache Mutter und Unternehmerin bei Software-Firma in Rösrath
Rösrath – Die neuen Wegweiser für das Firmengelände treffen per Boten ein. Neugierig legt Kim Bauer die farbigen Hinweistafeln – frisch gedruckt von der Rösrather Agentur Naus – vor sich auf den Tisch. Staader Strolche, Fitnessraum, Stuttgart, Bienenhaus, swkbank – wie passt das zusammen? „Die Wegweiser zeigen zum einen, was sich hier auf unserem Gelände befindet.
Zum anderen sind es Hinweise auf unsere Tätigkeit als Unternehmen, zum Beispiel die Namen der Firmen, für die wir seit langem arbeiten“, erklärt Kim Bauer. Angesichts der Fülle komme nicht selten die Frage: „Was machen Sie nochmal?“ Es sind individuelle Softwarelösungen, die die Netempire AG für ihre Kunden nach Maß entwickelt. Und daran arbeitet auch Kim Bauer mit. Die 38-Jährige gehört seit Herbst 2013 zum Vorstand des Unternehmens.
Firmensitz in ehemaligem Rittergut
Farblich passt die Hinweistafel Software-Entwicklung natürlich genau zum Anstrich des ehemaligen Rittergutes Haus Staade in Rösrath-Hoffnungsthal, dem Sitz der Firma. Das Büro von Kim Bauer ist in einem der Neubauten. Es ist nicht besonders groß und schlicht eingerichtet. „Ich bin da ganz leidenschaftslos mit der Gestaltung“, sagt die Firmenchefin. Ganz anders ist sie, wenn es um ihre Arbeit geht. Da macht sie kaum Abstriche.
Mit sechs Jahren kommt die gebürtige Inderin mit ihrer Familie aus ihrer Heimatstadt Kochi nach Köln. Nach dem Abitur studiert sie Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Marketing, Controlling und Wirtschaftsgeografie. Schon als Schülerin unterstützt sie ihren Vater in seinem Einzelhandelsgeschäft, lernt dabei Abläufe beim Warenimport, Einkauf im Ausland und bei der Logistik kennen. Bauer: „Das hat sicherlich meine künftigen beruflichen Entscheidungen beeinflusst.“
Software in der Immobiliensparte
2003 bekommt Kim Bauer als Diplom-Kauffrau ihre erste Anstellung bei einem amerikanischen Unternehmen in Düsseldorf. Dann wechselt sie zu einem Marketing-Unternehmen, das sich auf die Software in der Immobiliensparte spezialisiert hat. Dort arbeitet sie acht Jahre und wird in dieser Zeit zweifache Mutter. Andreas Nettesheim, einer der Firmengründer und Vorstand von Netempire, bietet Kim Bauer im Februar 2013 die Leitung des Marketings an. „Teilzeit zu arbeiten, wegen meiner Kinder, war für mich Bedingung“, erklärt die 38-Jährige. Es passt, denn im Unternehmen ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf keine fremde, sondern längst gelebte Welt (siehe „Eigene Kinderbetreuung“).
Flexible Arbeitszeiten und ein freier Tag in der Woche hindern die Marketing-Spezialistin keineswegs daran, erfolgreich zu sein. Denn schon etwa acht Monate später bekommt sie das Angebot, einen Posten im Vorstand zu übernehmen. Sie ist überrascht und freut sich über die Wertschätzung ihrer Arbeit.
„Die Nachhaltigkeit steht vor der Gewinnmaximierung“
Als Vorstand und Chefin von 30 Mitarbeitern konzipiert Kim Bauer ihre Arbeitszeit inzwischen anders. Termine am Abend und auch am Wochenende stehen an. „Das Unternehmen pflegt langjährige Kundenbeziehungen. Die Nachhaltigkeit steht vor der Gewinnmaximierung“, erklärt sie. Bei den Software-Entwicklungen von Netempire geht es beispielsweise um das Online-Banking der Sparkassengruppe, das Online-Kreditvergabesystem der Südwestkredit-Bank oder die elektronische Sendungsverfolgung von Briefen für die Deutsche Post.
„Flexible Arbeitszeit heißt nicht, dass ich im Job weniger stattfinde“, betont die Geschäftsfrau. „Ich weiß, dass ich mehr in meine Arbeit investiere. Aber ich brauche im Kopf die Freiheit, dass alles entspannt geregelt ist.“ Natürlich seien ihr Mann und die Schwiegereltern für Kinder und Haushalt stärker eingebunden. Ganz unkompliziert läuft die gegenseitige Unterstützung mit ihrem Vorstandskollegen Nettesheim: „Unsere Kinder sind im gleichen Alter, sieben und fünf Jahre. Wenn einer längere Termine hat, holt der andere die Kinder mit ab und versorgt sie, bis alles erledigt ist.“
Wie verläuft dieser Arbeitstag noch? „Es steht nicht viel an. Da ich gestern Abend Kundentermine hatte, nehme ich mir heute Zeit für die Kinder und gehe früh“, sagt Kim Bauer. Dann greift sie zum Telefon und bedankt sich bei der Agenturchefin Silke Oepen für die Lieferung der neuen Wegweiser.
