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Prozess um Schießerei in RösrathWichtiger Zeuge untergetaucht

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In Handfesseln führen die Fahnder eines Spezialeinsatzkommandos den Verdächtigen zu einem Auto.

Rösrath/Köln – Bemerkenswerte Parallelwelten in Köln und Lohmar: Während im Kölner Landgericht mal wieder wenig passierte im Prozess gegen den mutmaßlichen Pistolenschützen vom Rösrather Brückenweg und seinen großen Bruder, umstellte die Polizei in Lohmar das Wohnhaus der Ex-Freundin eines widerspenstigen Zeugen, um den Mann einzukassieren und ihn bei Gericht vorzuführen. Doch waren die Beamten erfolglos – ein weiteres Mal.

Am Ende lehnte das Gericht den Antrag der Verteidigung ab, noch weitere Versuche zu starten, den Mann einzufangen. Die juristische Begründung lautete, in die Alltagssprache übersetzt: Aufwand und Ertrag stünden in keinem vernünftigen Verhältnis mehr.

Prozess zieht sich

Das Gericht möchte endlich zum Ende kommen. Ein kurzer Prozess wird es in keinem Fall mehr werden, denn das Verfahren, an dem gestern neben den beiden inhaftierten Angeklagten drei hauptamtliche Richter, zwei Schöffen, drei Verteidiger, ein Oberstaatsanwalt, drei Rechtsbeistände, zwei Dolmetscher, zwei Justizwachtmeister und eine Protokollführerin beteiligt waren, dauert schon seit dem 14. März an. Wie die Zeit vergeht, das sieht man am Deutlichsten am Töchterchen eines der beiden aus Sizilien stammenden Angeklagten: Zu Beginn des Prozess eine winzige neue Erdenbürgerin, kann die Kleine, die gestern wieder auf dem Arm der Mama im Zuschauerraum dabei war, mittlerweile schon ordentlich brabbeln.

Der Tatzeuge, der am gestrigen Donnerstag mal wieder nicht seiner Bürgerpflicht nachkam, hat schon einmal die Aussage verweigert. Auch 500 Euro Ordnungsgeld verfehlten die Wirkung auf ihn, der Beugehaft entzog er sich durch Untertauchen. Gestern machte die Kammer deutlich, dass sie sehr wohl sehr intensiv versucht habe, den Mann durch die Polizei vorführen zu lassen – womöglich auch um klar zu signalisieren, dass der Mann keinesfalls eine Vorzugsbehandlung genieße, nur weil sein leiblicher Vater mit dem Vorsitzenden Richter bekannt ist.

Wohnung der Freundin observiert

Das Gericht berichtete von den Bemühungen der Polizei in Lohmar. Die habe am Morgen nur die Freundin des Gesuchten angetroffen, die aber angegeben habe, inzwischen nur noch die Ex-Freundin zu sein.

Das Gericht unterbrach die Verhandlung anschließend für 50 Minuten, um danach mitzuteilen, dass die Polizei das Wohnhaus mittlerweile durchsucht habe. Insgesamt zwölfmal, so das Gericht, sei die Polizei in den vergangenen Wochen zur Wohnung der Neu-Ex gefahren, habe die Wohnung auch observiert und durchsucht – alles vergeblich. Der Prozess wird fortgesetzt.