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BenefizaktionMit einer Motorrollertour durch Kambodscha sammeln zwei Rösrather Spenden für bedürftige Menschen

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Marion Externbrink und Schülerinnen der Kandieng Sustainable School in Kambodscha lächeln in die Kamera.

Ein Besuch bei der Kandieng Sustainable School der Kleinen Hilfsaktion stand auf dem Programm der Fundriding-Tour.

14 Tage lang waren Rolf und Marion Externbrink mit 16 Teilnehmenden als „Fundrider“ in Kambodscha abseits der Hauptstraßen unterwegs.

Auf dem Motorroller durch Kambodscha zu fahren, ist schon aus touristischer Perspektive ein besonderes Erlebnis. Enger Kontakt zur Bevölkerung und Austausch mit den Menschen, die dort leben, macht solch eine Reise zur Extraklasse. Unvergesslich und unvergleichlich intensiv werden 14 Tage in Südostasien jedoch, wenn die Reisenden auch noch konkrete Hilfe für Menschen vor Ort im Gepäck haben.

„Wir waren zwei Wochen unterwegs, aber es fühlt sich an, als wären wir ein halbes Jahr dort gewesen“, ist Marion Externbrink aus Rösrath auch vier Wochen nach ihrer Rückkehr tief beeindruckt. Die Begegnungen und Eindrücke dieser Tage „wirken immer noch nach“. Und: „Diese Reise hat uns extrem bereichert.“

Rolf Externbrink übernimmt die Aufgabe des Tourguides

Gemeinsam mit ihrem Mann Rolf hat sie mit 16 weiteren Teilnehmenden aus Rösrath, Köln und anderen Städten in Deutschland eine Fundriding-Tour durch Kambodscha gemacht. Das war schon die zehnte Tour für Rolf Externbrink. Er hat mittlerweile die Aufgaben eines Tourguides übernommen.

Zwei Frauen sitzen auf einem Motorroller beim Bokor Nationalpark.

Mit einem Motorroller besuchten die Teilnehmenden den Bokor Nationalpark.

„Fundriding“ funktioniert ähnlich wie ein Spendenlauf in der Schule. Wer die Aktion für einen guten Zweck unterstützen möchte, gibt pro zurückgelegtem Kilometer eine Spende in selbst gewählter Höhe oder auch einmalig einen bestimmten Betrag.

Knapp 50.000 Euro an Spenden haben die Teilnehmenden gesammelt

Für die insgesamt rund 1500 Kilometer auf den landestypischen Motorrollern haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf diese Weise bei Freunden, Bekannten und Unternehmen insgesamt knapp 50.000 Euro Spendengeld eingesammelt.

Die Mitglieder der Reisegruppe stehen vor dem grünen Gebäude eines Health Care Centers.

Zu gast in einem Health Care Center war die Reisegruppe.

Auf ihrer Fahrt über die teils staubigen Straßen des Landes waren die Fundrider somit nicht nur Reisende, sondern Projektverantwortliche – für genau die Hilfen, die sie im Vorfeld durch ihr Fundraising möglich gemacht haben, erklärt Rolf Externbrink. Über den Kontakt mit der Initiative „Kleine Hilfsaktion e.V.“ in Neuss und eine begleitende Kambodschanische Kontaktpersonen war konkrete Hilfe vor Ort möglich.

Die Reisegruppe hatte vielfältige Unterstützung im Gepäck

Ein neuer Außenbordmotor für ihr kleines Boot zum Beispiel hat einer älteren alleinstehenden Frau, die in den „Floating Villages“ auf dem Tonle Sap See lebt, Mobilität und Selbstständigkeit zurückgegeben. Eine begabte Schülerin, die Schwierigkeiten hatte, eine weiterführende Schule zu erreichen, legt diesen Weg nun mit einem kleinen Motorroller zurück. Und eine alleinerziehende Frau, deren Mann mit seiner Arbeit im Ausland die Familie versorgt, kann dank einer kleinen Enten-Farm mit 100 Küken nun darauf hinarbeiten, auch ein eigenes Einkommen zu erwirtschaften. „Ein einfaches Gehege, Futter und Grundausstattung für rund 300 US-Dollar. Ein kleiner Betrag – mit potenziell großer Wirkung“, freut sich Rolf Externbrink.

Ein Selfie von Rolf Externbrink und Kindern aus Kambodscha.

Rolf Externbrink (l.) besucht seit zehn Jahren die Menschen in Kambodscha.

Die Reisegruppe hatte vielfältige Unterstützung im Gepäck. Was nicht auf dem Motorroller mitgenommen werden konnte, transportierte ein begleitender Lkw: Lebensmittelpakete, Kochmaterialien, Schlafsets und Fahrräder. Übergeben wurde dies alles an von Partnern vor Ort ausgewählte Familien, deren Lebenslagen durch Krankheit, Verlust, fehlendes Einkommen oder Verantwortung für Kinder oder Enkel besonders fragil sind.

Die „Kleine Hilfsaktion“ finanziert Schulen und ein Gesundheitsprojekt für Frauen

Mehr noch: Jeder Fundrider hatte auf seinem Flug aus Deutschland auch einen Rollstuhl oder einen Rollator mitgebracht. Die ersetzten vor Ort rostige, klapprige oder kaum noch funktionsfähige Geräte und wurden an Menschen übergeben, die den Tag bislang nur auf ihrer Pritsche verbringen konnten. Die eingesammelten Spenden fließen außerdem in soziale Projekte, die von „Kleine Hilfsaktion“ betreut werden.

Ein älterer Herr aus Kambodscha sitzt in einem neuen Rollstuhl, daneben steht sein alter, verrosteter Rollstuhl.

Rollstühle übergaben die Teilnehmenden der Tour an die örtliche Bevölkerung.

Aktuell steht ein Gesundheitsprojekt für junge Frauen im Fokus. Außerdem finanziert die Initiative Lehrergehälter und Lehrmittel an einer Schule für Kinder aus einkommensschwachen Familien sowie mittlerweile 200 Health Care Center. Diese bieten der breiten Bevölkerung als eine Art Mini-Krankenhaus auch Wasserstationen und sanitäre Infrastruktur.

Für mich ist inzwischen jede Reise dorthin wie ein Nachhausekommen.
Rolf Externbrink, Tourguide

Seit nunmehr zehn Jahren beschenkt Rolf Externbrink sich und Menschen in Kambodscha mit diesen Reisen. Damals hatte er mit seiner Marketing- und Kommunikationsagentur eigentlich kostenpflichtige Dienstleistungen seiner Firma als Weihnachtsaktion an soziale Initiativen verschenkt.

„Bei den Neussern bin ich irgendwie hängengeblieben“, freut er sich immer noch. „Es hat mich einfach interessiert zu gucken, was dort vor Ort passiert.“ Bei seiner ersten Reise nach Kambodscha hätten die Partner dort als ersten Tagesordnungspunkt „Get Rolf involved“ auf die Agenda gesetzt, sagt er und lacht. „Das ist ganz offensichtlich gelungen. Für mich ist inzwischen jede Reise dorthin wie ein Nachhausekommen.“ Bei den Fundriding-Touren zahlen alle Teilnehmenden ihre Reise- und Tourkosten selbst. Ein detaillierter Reisebericht kann im Internet nachgelesen werden.