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Vom Lehrer gewecktAbiturient schreibt Musikklausur im Schlafanzug

3 min
abischlaefer

Philip Hallmann hätte fast die Abiklausur verpennt.

Rösrath – Eigentlich ist das Abitur eine recht entspannte Phase. Man hat außer seinen Lerneinheiten nicht viel zu tun, außer vielleicht, pünktlich zu den Terminen von drei Klausuren und einer mündlichen Prüfung zu erscheinen. Das, sollte man meinen, muss doch noch für den unzuverlässigsten Kandidaten zu schaffen sein.

So war es bei mir auch. Zumindest bei den ersten beiden Klausuren. Nervös werden muss ich erst wieder am 30. Mai, wenn die Klausurnoten bekanntgegeben werden.

Dachte ich jedenfalls.

Für die letzte Klausur am Dienstag, 19. April,  war ebenfalls alles genau durchdacht: gegen 7.30 Uhr Weckerklingeln, ausgiebiges Frühstück,  um 8.40 Uhr die letzten Last-Minute-Erkenntnisse über das anstehende Fach,  Punkt 9 Uhr: Klausurbeginn. Schön, wenn alles so gut  geplant ist. Da hatte ich am Freitag davor ja wohl genug Zeit, um mich am Morgen noch einmal ganz gemütlich aufs Ohr zu hauen.

Bis zu diesem Anruf. „Philip, wo bist du?“ Der Tonfall meiner Mitschülerin am anderen Ende  ließ mich senkrecht im Bett sitzen.  Sie  reichte das Telefon schließlich  an meinen Musiklehrer weiter, der mir die gleiche Auskunft gab wie meine Mitschülerin: „Du schreibst gleich dein Musikabitur.“

Schulleiter und Lehrer warteten

Spätestens da war mir klar: Dies würde kein vorbereiteter Start in den Tag, geschweige denn in die drei Zeitstunden lange Klausur werden. Es hieß nach dem kurzen Gespräch für mich nur noch, so schnell wie möglich in die Schule zu kommen, ohne den Führerschein zu verlieren. Die Gedanken schossen im Slalom durch mein völlig unvorbereitetes Gehirn. Völlig unvorbereitet auf diesen Schock und auf die Musikklausur selbst,  die  ich nicht nur als einziger der ganzen Schule zu absolvieren hatte, sondern als erster überhaupt in der Historie des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums in Rösrath.

Als ich keuchend vor der Aula ankam, sah ich sofort den Schulleiter und meinen Fachlehrer. Nach kurzer Musterung meines zumindest ungewöhnlichen Outfits, nämlich meines Schlafanzugs, traten beide an mich heran.

Die Fragen schossen mir durch den Kopf. Würde ich tatsächlich durch meine Verspätung nicht mehr zur Teilnahme der Klausur zugelassen werden und somit durch mein Abitur fallen? Wie sollte ich das meiner Mutter erklären? Meiner Freundin? Wie enttäuscht wäre mein von mir sehr geschätzter Musiklehrer von mir? Bis jemand die Stille durchbrach – und zwar mit freundlicher Stimme. Der Schulleiter fragte: „Trinken Sie Ihren Kaffee schwarz oder mit Milch und Zucker?“ Für den Kaffee mit Milch und Zucker und sogar ein Frühstück wurde anschließend gesorgt, während ich meine Klausur schrieb und somit die Chancen auf das Bestehen des Abiturs um ein Vielfaches verbesserte.

Kaffee, Frühstück und so viel Aufmerksamkeit hatte ich bei den beiden anderen Klausuren nicht bekommen, bei denen ich pünktlich war. Dennoch empfiehlt es sich dringend, wiederholt nachzusehen, ob man sich seinen Prüfungstermin wirklich korrekt gemerkt hat.

Und die Moral von der Geschicht': Verpenn dein Abitur bloß nicht!