Labrador-Welpe Barkk aus Elsdorf wird zum Assistenzhund ausgebildet und soll so einem FAS-Kind im Alltag helfen. Für sein Training erhält er sogar eine Sondererlaubnis des Bürgermeisters.
Ausbildung zum AssistenzhundBarkk wird immer den Weg finden

Der Labradorwelpe Barkk wird von Sonja Standhardinger-Toups (l.) und Andrea Weiser zum Assistenzhund ausgebildet.
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Liebe, Geduld und Leckerlis – das sind die Hauptbestandteile seiner Ausbildung. Labrador Barkk soll als Assistenzhund einem FAS-Kind zur Seite stehen und wird darauf von Hundetrainerin Sonja Standhardinger-Toups mit Unterstützung von Halterin Andrea Weiser trainiert.
FAS steht für Fetales Alkoholsyndrom. Barkk ist zwar erst 15 Wochen alt und genauso verspielt, wie Welpen eben sind. Aber er sei „ein ungeschliffener Rohdiamant“, sagt Standhardinger-Toups, die ihn aus mehreren Würfen ausgewählt hat.
Barkk wohnt erst seit kurzem im Hause Weiser
„Er war besonders helle und interessiert.“ Seit einigen Wochen wohnt Barkk im Hause Weiser in Berrendorf, auch mit der Pflegetochter, die nach der Geburt zur Familie kam und – wie sich erst später herausstellte – unter dem Fetalen Alkoholsyndrom leidet, da die leibliche Mutter während der Schwangerschaft Alkohol getrunken hat.
Eine Auswirkung ist, dass das heute zehn Jahre alte Kind sich nicht orientieren kann. „Sie kann nicht zur Schule oder zum Bäcker gehen, weil sie den Weg nicht findet“, gibt Andrea Weiser ein anschauliches Beispiel. Da soll Barkk bald übernehmen. Für die zielsichere Rückkehr nach kleineren Ausflüge beginnt das Training mit lockender Leberwurst, die vor der Haustür ausgelegt wird.
Sondererlaubnis des Bürgermeisters
Auch im Rathaus wird mit Sondererlaubnis des Bürgermeisters trainiert. Hier soll Barkk lernen, sich nicht von vorbeigehenden Menschen, sich öffnenden und schließenden Schiebetüren und von reger Betriebsamkeit ablenken zu lassen. „Barkk zeigt sich willig bei der Ausbildung. Das ist wichtig für den Erfolg“, sagt die Trainerin.
Die Tricks und Tipps, die sie gibt, setzt Weiser im Alltag, etwa bei Spaziergängen und im ersten Zusammenspiel mit der Tochter um. Eine Übung, die noch nicht perfekt funktioniert: Die Trainerin lässt sich fallen. Dann soll Barkk einen Notfallknopf in ihrer Hand mit der Schnauze betätigen.
Der Hund soll im Supermarkt für Platz sorgen, wenn es eng wird
Der Hund, beim Ausgang mit einer Schärpe mit der Aufschrift „Assistenzhund“ gekennzeichnet, soll zudem für Platz sorgen, wenn es etwa im Supermarkt eng wird. Auf Kommando soll er sich dann zwischen das Mädchen und die zu nah angerückten Menschen schieben. „So wird er ganz individuelle Assistenzleistungen erlernen“, sagt die Trainerin.
Zupass kommt ihr dabei, „dass Labradore für ein Leckerli alles tun“. Etwa 18 Monate wird die Ausbildung dauern. „Meine Tochter freut sich schon riesig darauf, eigenständig spazieren gehen zu können“, sagt Weiser, „damit sie anfangen kann, erwachsen zu werden“.
Standhardinger-Toups, die im Hauptberuf als Informatik-Kauffrau tätig ist, hat vor einigen Jahren eine Ausbildung zur Hundetrainerin und später eine als Assistenzhundetrainerin mit staatlicher Prüfung absolviert. „Das ist meine Herzensangelegenheit und nicht zum Reichwerden geeignet“, sagt sie.
Einen Hund im Welpenalter zu trainieren sei am günstigsten
Einen Hund für seine Aufgabe vom Welpenalter an „mit Liebe, Geduld und Leckerlis“ zu trainieren, sei wesentlich preiswerter, als einen ausgebildeten Assistenzhund anzuschaffen, „der dann noch angepasst werden muss“. Standhardinger-Toups lebt mit ihrer Familie und einem Rhodesian Ridgeback-Hund im Wohngebiet am Kapellchen und hat dort die kleine Firma „napf it!“ gegründet. Zurzeit trainiert sie zwei Hunde und arbeitet auch als Hundeernährungsberaterin.
