Kampagne Bedburger treten gegen Hass und Hetze ein

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Zwei Männer stehen an einem Torpfosten.

Die Stadt Bedburg wirbt mit Plakaten und in Social-Media-Kanälen für ein positives Lebensgefühl. Auch die Brüder Albert (links) und Joachim „Jacky“ Nothbaum, Gründer eines Freizeitfußballklubs, machen mit.

Die Stadt Bedburg wirbt auf Plakaten und in den sozialen Medien für Vielfalt, Offenheit und ein positives Lebensgefühl.

Die Gesichter, die auf den Plakaten abgebildet sind, dürften vielen Bedburgern wohlbekannt sein. Da ist etwa Volker Dannenberg zu sehen, Vorsitzender des TV Bedburg, oder auch die Brüder Jacky und Albert Nothbaum, Gründer einer Freizeitfußballmannschaft, bei der Spaß und Zusammenhalt im Vordergrund stehen, ebenso der Künstler Jan Hillen oder Gastronom Tim Splettstösser – sie alle sind Teil einer Kampagne, mit der die Stadt Bedburg für ein positives Lebensgefühl werben will.

Zu der „Bekennerkampagne“ für das Leben in Bedburg gehören insgesamt elf Motive und 19 Personen, die auf Plakaten, in Anzeigen und über die Social-Media-Kanäle gezeigt werden. „Wir wollten der viel zitierten schweigenden Mehrheit die dazu passenden Gesichter geben“, sagt Bürgermeister Sascha Solbach.

Bürgermeister von Bedburg war selbst schon Ziel von Drohungen

Er ist selbst schon Opfer von Hass und Hetze geworden: Nachdem die Stadt angekündigt hatte, die Bürgerhalle Königshoven vorübergehend mit Flüchtlingen belegen zu müssen, erhielt Solbach Drohbriefe.

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„Seit Corona ist es leider alltäglich geworden, ausschließlich seinen Unmut gerne, oft und laut kundzutun, ohne selber aktiv zu werden und ohne die Dinge zu ändern, die einem nicht gefallen“, sagt Solbach. Das sorge im Grunde nur für miese Stimmung. „Wir sind der festen Überzeugung, dass es in Bedburg viele gute Menschen und gute Gründe gibt, die das Leben in unserer Stadt sehr lebenswert machen.“

Mit dieser Kampagne wolle die Stadt „quer durch alle Altersgruppen und Lebenswelten zeigen, dass jede und jeder mitverantwortlich dafür ist, wie es sich anfühlt, in Bedburg zu leben“, sagt Solbach. „Wir reden nicht von Kritiklosigkeit oder Schönreden, wir reden davon, dass die Basis stimmt.“

Umgesetzt wurde die Idee von der Düsseldorfer Kreativagentur „honeymilkpepper“, der Bedburger Fotograf Matthias Sandmann setzte die Motive an zweieinhalb Tagen in Fotoshootings in Szene. Fotografiert wurde in den Umfeldern, in denen die Menschen selber leben und das Leben in Bedburg aktiv mitgestalten, wie zum Beispiel in der Kirche in Lipp oder an Arbeitsplätzen.

Ähnliche Kampagne auch in Hürth

„Yes we're open“ sei ein international gängiger und wohlbekannter Begriff, der jedem zeige: „Hier bist du willkommen, hier triffst du auf andere, die dir helfen, dir geben, was du brauchst, und hier kannst du dazukommen“, sagt Solbach. „Deshalb waren wir sofort von der Botschaft begeistert, die alle Nationalitäten anspricht und die keinen Unterschied macht, ob jemand hier geboren ist oder zugezogen.“

Dass eine Veränderung anstehe, das könne und wolle niemand ändern, sagt Solbach, „insofern ist es unsere innere Haltung, die bestimmt, wie es läuft, im Großen wie im Kleinen, und die ausmacht, wie wir mit den Herausforderungen umgehen“.

In Hürth hatte die Initiative „Wir sind Hürther“ vor der Europawahl im Frühjahr 2019 eine ähnliche Kampagne auf die Beine gestellt. Auf großflächigen Plakaten, die an Bushaltestellen ausgehängt wurden, waren jeweils zwei Menschen aus verschiedenen Religionen, Vereinen, Organisationen und Parteien – mit und ohne Zuwanderungsgeschichte – abgebildet, die für die Vielseitigkeit der Stadtgesellschaft stehen sollten. Mit dabei waren bekannte Gesichter wie der Autor Carsten Henn und der Musiker Sven Welter.

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