Vor 125 Jahren fehlte den Gründern des Chors zunächst ein Proberaum.
Erste Proben im WohnzimmerBedburger Kirchenchor feiert 125-jähriges Bestehen

13.06.2023 Zum 25-jährigen Bestehen konnte der Chor 1898 mit Pfarrer Laurenz Gossen (vorne, M.) und Dirigent Wilhelm Maintz (vorne, 3.v.l.) die neue Vereinsfahne präsentieren.
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Die Aufzeichnungen beginnen 1873, als Organist und Unterlehrer Peter Josef Vasen einige Männer um sich sammelte und den – zunächst nur männlichen – Kirchenchor St. Cäcilia gründete. Jetzt feiert der Chor sein 125-jähriges Bestehen. Schon viel früher, um 1802, ist für den Kirchort der Organist Hermann Herzogenrath aktenkundig. Nicht auszuschließen, dass auch er schon Sängergruppen formiert hatte. Den Mannen um Vasen fehlte vor 125 Jahren zunächst ein Probenraum.
So übten die Sänger in privaten Wohnzimmern für die regelmäßigen Auftritte während der Gottesdienste. Jährlich 24 Mark – die kaiserliche Währung war erst wenige Jahre zuvor eingeführt worden – bewilligte der Kirchenvorstand 1879 dafür als Miete. Zum 25-jährigen Bestehen ließ der Chor 1898 eine Vereinsfahne anfertigen, die bei einem „Jubelfest mit Fahnenweihe“, wie die Chronik ausweist, präsentiert wurde. Das gute Stück steht heute, nach einer Restaurierung vor 20 Jahren, auf der Orgelempore der Pfarrkirche. 1919 gründeten drei junge Frauen aus dem Ort den Jungfrauenchor, der zunächst die Männer unterstützte.
Verstärkung für Kirchenchor aus Kaster
1938 fanden die Chorgruppen zum gemischten Chor zusammen. 1939 musste Organist und Chorleiter Alfons Schippmann in den Krieg ziehen. Kaplan Otto Breuer übernahm die Leitung, und so konnte der Chor auch in den Kriegsjahren weiter zu Ehren Gottes singen. Seit den 20er-Jahren und bis 1954 inszenierte der Chor zudem jährliche Theateraufführungen, die viel Anklang fanden. Als der Chor 100 Jahre alt wurde – warum das Fest 1974 mit einem Jahr Verspätung gefeiert wurde, ist nicht überliefert – wurde den Sängerinnen und Sängern um Dirigent Ludwig Grandrath die kirchliche Palestrina-Medaille verliehen, 1988 die weltliche Zelter-Plakette.
Seit einigen Jahren leitet Sergio Ruetsch den Chor. Für die Festmesse, die am Sonntag, 18. Juni, 11 Uhr, in St. Martinus beginnt, probt er mit den 33 Sängerinnen und Sängern im Alter von knapp 40 bis 90 Jahren, verstärkt durch den befreundeten, 25 Mitglieder zählenden Kasterer Chor, die letzten Feinheiten der Missa in B des Mozart-Zeitgenossen Maximilian Stadler. Die ausladende Dynamik gelang auch schon vor der Generalprobe am Samstag beeindruckend.
Mitglieder kämpfen ums Überleben des Chors
Acht Musikerinnen und Musiker des Rheinischen Kammerorchesters werden den Chor begleiten. Aus dem 19. Jahrhundert wird ein Ave verum von Edward Elgar und aus dem 20. Jahrhundert ein zeitgenössischer Satz von „Ubi caritas“ von Audrey Sayder erklingen. „Wir wollen unsere Zukunft sichern, indem wir neben alten auch neuere Werke singen“, sagt Vorsitzender Wilhelm Emmerich. Auch das Kirchturmdenken solle überwunden werden. So gibt es eine Kooperation mit Kaster, Sangesfreudige kommen auch aus Bedburg nach Kirchherten.
„Wir können uns auch mit Elsdorf, das seit kurzem zum Sendungsraum gehört, eine Zusammenarbeit vorstellen“, sagt Emmerich. Nur so könne das Überleben gelingen. „Wir wollen zeigen, dass man auch heute noch gerne im Kirchenchor singen kann“, sagt er und verweist auf eine Ragtime-Messe, die der Chor im Repertoire hat.
Der Chor probt dienstags ab 19 Uhr im Jugendheim neben der Kirche. Mehr als die Hälfte des Chorlebens hat eine Sängerin begleitet, die seit 70 Jahren im Chor mitsingt. Sie wird bei einem Festakt im Deutschen Haus nach dem Gottesdienst ebenso geehrt wie drei Sängerinnen für 40 und 50 Jahre Mitgliedschaft.

