PaddeltourenErft-Anlieger haben die Nase voll

Die meisten Kajakfahrer gehen behutsam mit Flora und Fauna um. Doch es gibt Ausnahmen, kritisieren Anwohner und Naturschützer.
Copyright: Markus Clemens Lizenz
Bedburg – Die allermeisten der Kajakfahrer, die mit den Booten der „Sport und Spaß Event GmbH“ vom Zievericher Angelpark bis an die Schleuse nach Bedburg-Broich fahren, nehmen Rücksicht auf Flora und Fauna. Doch in jüngster Zeit gibt es Klagen darüber, dass sich nicht alle korrekt verhalten. Erft-Anwohner beschweren sich darüber, dass Leute aussteigen, auf die Grundstücke kommen und dort Unrat hinterlassen. „Wir wurden beschimpft und beleidigt, unsere Kinder wurden angepöbelt“, schreiben Bettina und René Willkomm. Mehr noch als die Anwohner haben Umweltschützer ihre Probleme mit den Kajaks auf der Erft. „Es wird nach Wasservögeln geschlagen, Tiere werden getötet, Vegetation wird abgeknickt“, kritisiert Naturschutzberater Rolf Thiemann. Viele würden die Boote verlassen und durch die Erft schwimmen, es sei laut, die Tiere würden gestört. „Ein Eisvogelpaar hat sein Gelege wegen der permanenten Störungen aufgegeben.“
Störungen
Auch Hans-Jürgen Fittschen von der Nabu-Ortsgruppe Bedburg ist nicht gut auf die Kajakfahrer zu sprechen. „Viele von denen, die mit dem Event-Unternehmen fahren, haben noch nie in einem Boot gesessen.“ Viele würden – oft auch unbewusst, weil sie das Boot nicht beherrschten – durch Bereiche fahren, an denen Tiere brüten. Weil der Betrieb an den Wochenenden den ganzen Tag über laufe, würden die Tiere permanent gestört. Sehr häufig, so Thiemann und Fittschen, sei auch Alkohol im Spiel.Dominik Kopitzke von der „Sport und Spaß Event GmbH“ verteidigt sein Unternehmen. „Die Leute bekommen eine umfassende Einweisung, bevor sie losfahren.“ Zudem verwiesen die Mitarbeiter auf die „acht goldenen Regeln“, die zu beachten seien. Dort werde darauf gepocht, dass Mindestabstände einzuhalten seien, dass Wasser sauber gehalten werden müsse und Tiere möglichst nur aus der Ferne fotografiert werden sollten. „Nicht alle Beschwerden können uns zugerechnet werden“, sagt Kopitzke. „Schließlich fahren auch noch andere auf der Erft.“
„Es kann nicht sein, dass wir die Touren verbieten, nur weil sich einige nicht an die Regeln halten“, sagt Bedburgs Bürgermeister Gunnar Koerdt. Er wolle noch einmal das Gespräch mit dem Kajak-Unternehmer suchen, kündigt er an. Für ein generelles Verbot wolle er sich dabei aber keinesfalls starkmachen. Kopitzke erklärt, dass sich die Schüler, über die sich die Erft-Anwohner beschwert haben, mittlerweile entschuldigt hätten. „Wir streben eine friedliche Koexistenz auf der Erft an.“ Er verweist darauf, dass das Unternehmen auch ein Wirtschaftsfaktor sei. Kunden kämen aus der ganzen Region, viele würden hier essen oder in Hotels übernachten. Dennoch sind die Umweltschützer sauer. Rolf Thiemann erwägt eine Klage wegen Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz.
