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Unwetter in BedburgGäste hielten das Zelt fest

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Mit vereinten Kräften gegen den Sturm: Die Besucher des Festzeltes auf dem Schlossparkplatz stabilisierten die Zeltwände. Feuerwehrmänner verhinderten eine Panik.

Bedburg – Es sollte der krönende Abschluss des Pfingstschützenfestes in Bedburg werden: Beim Krönungsball im Festzelt spielten am Montagabend gleich zwei Musikzüge zum Großen Zapfenstreich auf. Doch dann kam der große Sturm. Um 20.30 Uhr hatten das Bundestambourkorps Königshoven und die Kapelle Erftblech arge Mühe, ihr Programm fortzusetzen. „Aber die Musiker haben tapfer weitergespielt, obwohl sich das Zeltdach schon einmal durch den Wind hob und die Lampen hin und her wackelten“, berichtet Tim Barsig, Pressewart der Sebastianus-Schützen.

Als der Strom im Zelt ausfiel und die Lampen erloschen, kam Panik auf im Zelt. „Viele Frauen waren in heller Aufruhr und mussten von ihren männlichen Begleitern beruhigt werden“, sagt Barsig. Immer wieder schüttelte der Orkan das Zelt kräftig durch, immer wieder blähte sich das Zeltdach auf. Und immer noch spielten die Musiker auf der Bühne weiter.

Doch nun übernahmen sechs Schützen das Kommando, allesamt Mitglieder bei der Freiwilligen Feuerwehr in Bedburg, allen voran Carsten Holz (30), der bei der Werksfeuerwehr in Neurath arbeitet, und Swen Schiffer (28) von der hauptamtlichen Feuerwache in Kerpen. „Wir haben Brudermeister Heinzbert Faßbender geraten, den Zapfenstreich abzubrechen“, sagt Holz.

Der Feuerwehrmann stieg dann auf die Bühne und redete beruhigend auf die knapp 400 Gäste ein – zunächst ohne Mikro. Holz bat die Menschen, die Notausgänge freizuhalten, an die Außenwände zu gehen und mit den Händen dagegenzudrücken, um das Zelt zu stabilisieren. „Wenn eine Wand durch den Wind eingedrückt worden wäre, hätten die Böen das Zelt erfassen können“, sagt Pressewart Barsig.

Das Zelt wackelte auch so schon bedrohlich. „Das Dach hob und senkte sich, auch der Boden wurde mal kurz angehoben“, sagt Holz, der von der Bühne aus immer weiter auf die Besucher einredete, während Schiffer mit den anderen Kameraden durch die Menge ging und überall versuchte, eine Panik zu vermeiden. Das gestaltete sich schwierig, zumal Lampen und rund ein Dutzend Vereinswappenschilder bedrohlich an der Decke hin und her schaukelten. Zwei der Schilder fielen herunter. „Aber sie haben niemanden getroffen, weil wir die Leute ja an die Außenwände geschickt hatten“, sagt Holz. Draußen nahmen derweil die alarmierten Feuerwehrleute des Löschzugs Bedburg das Zelt in Augenschein und kontrollierten die Standfestigkeit. Was zu dem Zeitpunkt im Zelt niemand wusste: Fast gleichzeitig zerstörte der Sturm in Neuss ein Festzelt, das kurz zuvor geräumt worden war.

Bevor sie das Kommando im Zelt übernahmen, hatten die sechs Feuerwehrleute bereits einen Notfallplan ausgetüftelt. „Wir wollten das Zelt evakuieren und die Menschen in der Volksbank, in der Kreissparkasse und in der Erftpassage unterbringen“, sagt Holz. Doch für eine Evakuierung sei es zu spät und zu gefährlich gewesen: Das Zelt stand direkt am Schlosspark mit seinem prächtigen alten Baumbestand, immer wieder flogen Äste umher und hätten die Besucher treffen können.

Der Sturm legte sich, ohne dass jemand im Zelt zu Schaden kam. „Das haben wir der Umsicht und dem Einsatz unserer Feuerwehrleute zu verdanken“, sagt Barsig. Der Krönungsball wurde fortgesetzt – nachdem die meisten Besucher kurz nach Hause gegangen waren, um dort nach dem Rechten zu sehen.

Holz und Schiffer wurden am Dienstagmorgen geehrt: Sie erhielten von Brudermeister Faßbender den Goldenen Verdienstorden, die höchste Auszeichnung, die die Bruderschaft zu vergeben hat.

Der Große Zapfenstreiche wurde auch noch zu Ende gespielt: Eine kleinere Abteilung des Bundestambourkorps Königshoven und die Musikkapelle „Blüh auf“ wiederholten den Auftritt am Dienstagmorgen am Schützenheim zu Ehren der Majestäten.