Abo

Kommentar

Drei Tote auf der A61
Diese Bilder aus Bergheim lassen die Helfer nicht los

Ein Kommentar von
3 min
Bei dem Unfall auf der 61 kamen drei Menschen ums Leben. Für die Rettungskräfte alles andere als ein alltäglicher Einsatz.

Bei einem Unfall auf der 61 kamen drei Menschen ums Leben. Für die Rettungskräfte alles andere als ein alltäglicher Einsatz.

Drei Menschen starben bei einem tragischen Unfall. Ausnahmezustand für Rettungskräfte. Sie verdienen Anerkennung – was leider nicht selbstverständlich ist.

Allein schon die Fotos ließen mehr als nur erahnen, welches Drama sich am vergangenen Sonntagabend auf der A61 in Bergheim abgespielt haben muss: ein Autowrack, das gerade eben noch als ein alter Mercedes 190 zu erkennen war; ein Kleintransporter, dessen Front komplett eingedrückt war, nachdem der Peugeot sich in den quer auf der Autobahn stehenden Pkw gebohrt hatte; und überall Trümmerteile.

Einige Aufnahmen dieser Tragödie, liebe Leserinnen und Leser, haben wir Ihnen vorenthalten – zuvorderst aus Respekt vor den Todesopfern: einem Mann (60), einer Frau (47) und deren Tochter (12). Nicht zu vergessen die beiden Niederländer (31/24), die in dem Kleintransporter saßen und schwer verletzt wurden.

Wieder endete ein junges Leben viel zu früh

Wie muss diese Szenerie erst auf diejenigen gewirkt haben, die nur wenige Minuten nach ihrer Alarmierung gewahr wurden, dass es bei diesem Einsatz nicht mehr allein darum ging, Menschenleben zu retten. Schnell mussten die   Feuerwehrleute und andere Rettungskräfte aus Bergheim feststellen, dass den Insassen des Mercedes nicht zu helfen sein würde. Die beiden Erwachsenen waren durch den Zusammenstoß so schwer verletzt worden, dass es schlimmerweise nur noch darum ging, sie aus dem schwer beschädigten Fahrzeug zu bergen.

So galt die volle Aufmerksamkeit der routiniert arbeitenden Helfer dem Mädchen, das zum Zeitpunkt des Unfalls ebenfalls in dem Wagen gesessen hatte. Mehr als eine Stunde versuchten sie, die Zwölfjährige zu reanimieren. Traurigerweise ohne Erfolg. Wieder endete ein junges Leben viel zu früh. Wieder mussten Lehrer am nächsten Morgen Kindern erklären, wieso ihre Mitschülerin fehlt und dass sie nicht mehr zurückkommen wird.

So ging es 2025 der zehnjährigen Avin, die bei dem fürchterlichen Unfall auf der Frechener Straße in Hürth ums Leben gekommen ist, als ein junger BMW-Fahrer eine rote Ampel überfuhr und das Mädchen sowie einen Schulbegleiter tötete. So erging es Henry (10), der 2023 in Pulheim sein Leben verlor, weil ein Lkw ihn beim Abbiegen erfasste. Und wir erinnern uns an Tufan (15), der 2021 in Hürth ebenfalls von einem Lastwagen überrollt worden ist und den Unfall nicht überlebte.

Denjenigen, die wie die Bergheimer Rettungskräfte als erste an einem Unfallort eintreffen und das gesamte Ausmaß dieser menschlichen Katastrophen sehen (müssen), gebührt unser aller Dank und Respekt. Sicher, sie haben – falls sie nicht ehrenamtlich tätig sind – diesen beruflichen Weg gewählt, sind intensiv auch auf Einsätze vorbereitet worden, bei denen sie an ihre Grenzen stoßen würden. Doch bei aller Professionalität, die sie in solchen Krisensituationen zeigen, bleiben sie auch nur Menschen mit einem Herzen und mit Empathie.

Was geht da nur in den Köpfen dieser Leute vor?

Sie müssen diese Bilder verarbeiten, und zum Glück erhalten sie dabei professionelle Hilfe von Seelsorgern und Psychologen. So war es auch in Bergheim auf der sonst vielbefahrenen Autobahn, wo für Stunden die Zeit still zu stehen schien.

Daher macht es zornig und fassungslos, wenn diese Frauen und Männer, die mitunter ihr eigenes Leben riskieren, um anderen in Notlagen helfen – und zum Glück die allermeisten von ihnen auch retten können –, bei ihren Einsätzen von Gaffern behindert oder mehr noch von Personen angegriffen und verletzt werden. Was geht da nur in den Köpfen dieser Leute vor?

Gerade mit Blick auf die anstehenden Karnevalstage, die mancherorts eskalieren, kann man den zahlreichen Helfern nur wünschen, dass sie unversehrt bleiben – und vielleicht selber sich ein wenig ins fröhliche Treiben stürzen können.