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Nach MissbrauchsvorwürfenGrundschule in Bergheim löst sich von ihrem Namensgeber

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Zu sehen ist das Gebäude der Grundschule, im Vordergrund verschwommen ein grüner Zaun.

Die Hermann-Gmeiner-Grundschule in Glesch wird wohl ab dem 1. März einen neuen Namen bekommen

Hintergrund für den Vorstoß sind Missbrauchsvorwürfe gegen Hermann Gmeiner, die im Oktober 2025 öffentlich geworden sind.

Die Hermann-Gmeiner-Schule Grundschule in Glesch wird voraussichtlich im März in „Städtische Gemeinschaftsgrundschule Bergheim-Glesch“ umbenannt. Ein entsprechender Beschlussvorschlag steht am 27. Januar auf der Tagesordnung des Ausschusses für Bildung, Sport und Kultur.

Hintergrund sind die Missbrauchsvorwürfe gegen Hermann Gmeiner, die im Oktober 2025 öffentlich wurden. Dem 1986 verstorbenen Gründer der Hilfsorganisation SOS-Kinderdorf wird Missbrauch und physische Gewalt gegen acht Kinder angelastet. Laut einer Mitteilung von SOS-Kinderdörfer weltweit sollen die Vorfälle in den 1950er bis 1980er Jahren stattgefunden haben.

Bergheim: Hermann-Gmeiner-Schule ändert ihren Namen

In Reaktion auf die Vorwürfe hatte Bettina Pütz, Schulleiterin der Hermann-Gmeiner Schule in Berghein, am 7. Januar einen Antrag auf Änderung des Schulnamens in „Gemeinschaftsgrundschule Glesch“ an den Bürgermeister adressiert. Darin schreibt sie: „Die jüngst bekannt gewordenen Missbrauchsvorwürfe gegen den Namensgeber unserer Schule haben unsere gesamte Schulgemeinschaft zutiefst getroffen. Wir distanzieren uns ausdrücklich von Hermann Gmeiners Handlungen und übernehmen keine Verteidigung seines Verhaltens.“

Allen Mitarbeitenden der Schule liege der Schutz der Kinder am Herzen. „Unsere Schülerinnen und Schüler lernen bei uns in einem sicheren und vertrauensvollen Umfeld.“ Das zeige sich auch in dem von der Schule erweiterten Leitbild und ihrem Schutzkonzept, das unter anderem vorsieht, dass das Personal alle fünf Jahre ein erweitertes Führungszeugnis vorlegt, die Örtlichkeiten auf Angsträume überprüft werden und ein Leitfaden erarbeitet wurde, der im Falle konkreter Meldungen oder auffälliger Beobachtungen Orientierung bietet.

Namensänderung der Bergheimer Grundschule zum 1. März

Laut der Beschlussvorlage des Bergheimer Bildungsausschusses begrrüßt die Verwaltung die Initiative der Schule und empfiehlt, die Änderung zum 1. März vorzunehmen.

Ob es dann aber bei dem Namen „Gemeinschaftsschule Glesch“ langfristig bleibt, steht noch nicht fest. „Aufgrund der künftigen baulichen Weiterentwicklung und damit einhergehenden Erweiterung der Schule wird sich der Standort und damit das pädagogische Profil der Schule weiterentwickeln“, so die Schulleiterin in ihrem Antrag an den Bürgermeister. „Unter diesem Aspekt wird angestrebt, zu einem späteren Zeitpunkt und mit Beteiligung aller Schulakteure einen spezifischeren Namen zu finden.“

SOS-Kinderdörfer reagierten ebenfalls auf die Vorwürfe

Die Hermann-Gmeiner-Stiftung hatte bereits im Jahr 2023 ihren Namen hin zu „Child Invest Foundation“ geändert, allerdings unabhängig von den Missbrauchsvorwürfen gegen Hermann Gmeiner, wie die Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer weltweit auf auf Anfrage erklärt. „Gleichzeitig möchten wir betonen, dass wir es für absolut richtig und notwendig halten, dass sich Institutionen umbenennen und den Namen Hermann Gmeiners ablegen.“

Ferner erklärt die Organisation: „Auch wir haben nach Bekanntwerden der schwerwiegenden Missbrauchsvorwürfe gegen Hermann Gmeiner im Oktober 2025 als deutscher Förderverein unmittelbar reagiert. Dazu gehört die ausdrückliche Distanzierung von Hermann Gmeiner und die Tilgung seines Namens von der Internetseite.“