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Konzert in Bergheim
„Blötschkopp“ Marc Metzger kann auch singen

Mit hochkarätigen Musikern trat Marc Metzger im Medio Rhein-Erft auf. Er nahm vor etwa 900 Zuhörern auch die weit verbreitete Kölschtümelei aufs Korn.

Mit hochkarätigen Musikern trat Marc Metzger im Medio Rhein-Erft auf. Er nahm vor etwa 900 Zuhörern auch die weit verbreitete Kölschtümelei aufs Korn.

Bergheim – Als „Blötschkopp“ tritt er auf rheinischen Karnevalsbühnen in die Bütt. Doch Marc Metzger kann auch anders. Mit seiner Konzerttour „Erstaunlich!“ war er jetzt im Medio Rhein-Erft in Bergheim zu Gast.

„Es ist ungewohnt, Konzerte zu machen. Aber man kann ja nicht mehr als auf die Fresse zu fallen“, gibt Metzger vor rund 900 Zuhörern zu. So wie seinerzeit Büttenredner Jupp Schmitz, der mit seinem Debüt des „Hirtenknaben aus St. Kathrein“ bei der Prinzenproklamation ausgepfiffen worden sei und zehn Jahre später von den Jecken für das selbe Lied gefeiert wurde. Freilich hatte Schmitz das Lied zwischenzeitlich umgedichtet. Aber den Jupp als einer, der hinfällt und wieder aufsteht – den kürte Metzger am Freitagabend zum Vorbild in eigener Sache und wählt das Liedchen zur Eröffnung seines Konzerts.

Es war ein Konzert mit „Krätzjer“, dem kölschen Liedvehikel für schräge Alltagsgeschichten, mit „sehr vielen Worte auf engstem Raum“, so Metzger. „Ich komm ja vom Sprechen her, schon pränatal“, entschuldigt er sich. Seine Krätzjer kommen zuweilen als Rock ’n’ Roll, Alpenpop, Blues, Reggae-Parodie oder Oper daher. Begleitet wurde Metzger, der in Erftstadt lebt, von den Gitarristen Jörg Weber und Klaus Spangenberg, Schlagzeuger Markus Möller, Keyboarder Bernd Hochheimer und Bassist Jörg Hamers. Konstance Kottmann spielt Geige, Tino Selbach die Blockflöte und Thomas Mosbach das Akkordeon. „Ihm seine Gesellen“ nennt Metzger die hochkarätigen Musiker. „Die tragen mich durch das Konzert, das macht Spaß“, betont der Frontmann im Gespräch. Nach eigenem Bekunden habe er vor der Rednerkarriere als junger Mann im Abiturfach Musik „Gesang und Schlagwerk“ belegt, eine Leidenschaft, die er wieder habe aufleben lassen.

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Eines merkt man schnell: Singen kann Metzger, und das nicht nur auf schräge Art und bisweilen im Falsett, um den Typen, die in den Texten zu Wort kommen, Leben einzuhauchen. Gar an Robbie Williams fühlt sich einer der Zuhörer erinnert: „Aber mehr vom Aussehen her.“

Metzger schildert in „Der Krankesching“ die Geschichte eines Bauarbeiters, der beim Abseilen eines Fasses mit Ziegelsteinen eine haarsträubende und äußerst schmerzhafte Kettenreaktion auslöst. Zudem präsentiert er das Lied von der Hummel, die kleinen Flügeln zum Trotz dennoch fliegt. Er singt den Blues von der Thekenfrau, die alles Nötige hat, was der saufende Mann braucht, nämlich Bier und ein offenes Ohr. Oder ein Liebeslied an die Domstadt, freilich mit Flöns, Kölsch, Sunnesching und dem „doofen Dom“.

Zwischendurch nimmt er eine Frau aus dem Publikum auf die Schippe, die während des Konzerts die ganze Zeit telefoniert und findet als „halber, gebürtiger Bayer“, der nur an der Grenze zu Köln wohnt, die Bergheimer immerhin „nett“. Der Kölschtümelei widmet er den Refrain „Nee, watt sin mer Kölsch, nur us Kölle sin mer nit“. Und wenn er dann Hannes Waders „Heute hier, morgen dort“ anstimmt, mit einer Oper namens „Usjebrannt“ an ein ganz schwieriges Kapitel aus seinem Leben erinnert oder den „Kölsche Jung in Schön“ verjazzt, liegt ihm das Publikum zu Füßen.

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