NutriasSonniger Ausflug mit dem Nachwuchs

Die Nutrias an der Erft haben wieder Nachwuchs.
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Bergheim – „Wie süß!“, rufen die einen, die sich an den putzigen Nagern erfreuen. „Iiih!“, schreien die anderen, die sich vor den großen, orangefarbenen Zähnen und dem dicken runden Schwanz ekeln. Die Rufe beider Parteien sind jetzt wieder öfter zu hören: Mit der Frühlingssonne wagen sich die Nutrias an der Erft zusammen mit ihrem Nachwuchs zu ersten Ausflügen ins Wasser.
So possierlich viele Menschen die Tiere auch finden: Beim Erftverband sind sie nicht so gern gesehen. „Sie haben außer dem Luchs und dem Wolf, die es bei uns nicht gibt, keinen natürlichen Feind“, sagt Hinrich Doering, Abteilungsleiter Gewässer beim Erftverband. „Sie können sich also ungebremst vermehren.“
Füttern ist ein Problem
An der Erft träfen sie zudem auf optimale Bedingungen. Auf den Rübenäckern rechts und links des Flusses fänden sie reichlich Nahrung, und in den Städten würden viele Menschen sie füttern. „Das ist ein Problem“, sagt Doering. Das Futter würde auch Ratten anlocken, zudem würden Futterreste zu Faulprozessen im Wasser führen.
Die Nutrias, auch Biberratten genannt, könnten zur Plage werden. „Sie durchwühlen den Untergrund und zerstören so Uferböschungen“, sagt Doering. Zum wirtschaftlichen Problem würden die Nutrias dort, wo sie ihre Behausungen zu nah an Straßen, Brücken und Wegen anlegten. „Das ist nicht tolerierbar.“
„Wir appellieren an die Bürger, die Nutrias nicht zu füttern“, sagt Ute Krämer-Rottland vom Bergheimer Ordnungsamt. Es sei zwar nicht verboten, den Tieren Futter zu geben. Allerdings sei es nicht gern gesehen, weil so auch Ratten angelockt würden und die Nutrias – wie andere Nager auch – die Erreger der Infektionskrankheit Leptospirose über ihren Urin ausscheiden. „Wir haben ein Fütterungsverbot ins Auge gefasst.“ Früher habe der Erftverband die Tiere im Auftrag der Landwirtschaftskammer mit Fallen gefangen, sagt Doering. „Unsere Leute wurden jedoch von Spaziergängern aus falsch verstandener Tierliebe angepöbelt.“ Da inzwischen auch der gesetzliche Auftrag fehle, die Tiere zu bejagen, mache das der Erftverband nicht mehr. Töten dürfe die wild lebenden Tiere jeder, der einen Grund dazu habe, „so wie man zu Hause ja auch eine Mausefalle aufstellt“. Innerhalb der Ortschaften sei eine Bejagung schwer, da hier nicht geschossen werden dürfe.
Die Biberratte, deren Zähne aufgrund von Eiseneinlagerung so orange gefärbt sind, stammt ursprünglich aus Südamerika. Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es in Deutschland viele Hunderte Farmen, in denen die Nutrias ihrer Felle wegen gezüchtet wurden. „Vermutlich sind in den Kriegswirren viele Tiere entkommen und konnten sich hier ansiedeln.“ In Belgien und den Niederlanden gelten die Nutrias in manchen Restaurants als Delikatesse. „Das Fleisch ist sicher gesünder als vieles, was man hier kaufen kann, weil die Tiere nicht mit Hormonen und Medikamenten gefüttert werden“, sagt Döring. Im Internet gibt es eine Menge Rezepte, etwa Nutria in Pilzsoße oder Nutria-Rollbraten im Römertopf.
