Mit der App wird ein Netz an Nachbarschaftshilfe geknüpft. Das soll im Notfall schnellere Hilfe bei Herz-Kreislauf-Notfällen ermöglichen.
„Katretter“So rettet eine neue App Herzinfarktpatienten im Rhein-Erft-Kreis das Leben

Die App hilft auch bei der Handhabung von Defibrillatoren, erklären Simon Philippi, Abteilungsleiter des Rettungsdienstes, und Dr. Jesko Priewe vom Verein Lebensretter Rhein-Erft bei einem Treffen mit Landrat Frank Rock (v. l.).
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Schneller als jeder Rettungswagen ist die neue App „Katretter“, die seit kurzem im Rhein-Erft-Kreis genutzt wird, um Menschen bei Herz-Kreislauf-Notfällen und Herzinfarkten schnelle Hilfe zu gewähren. Das Besondere: Die App ermöglicht ein dichtes Netz an Nachbarschaftshilfe, denn wer sich die Anwendung herunterlädt und sich registriert, bekommt im Falle eines Notrufs, der bei der Leitstelle eingeht, eine Alarmmeldung auf sein Handy gespielt. Diese zeigt mit lautem Warnsignal an, dass eine Person in unmittelbarer Nähe vermutlich eine Reanimation benötigt.
Bis zu drei Menschen pro Vorfall erhalten die Notfallmeldung. Eine wird zum nächstplatzierten Defibrillator gelotst, die anderen werden zur hilfesuchenden Person geschickt. Die mit dem eigenen Handy verbundene Navigationsapp ist automatisch auch mit „Katretter“ verbunden. In einem Radius von bis zu vier Minuten zu Fuß erhalten die Notfallretter ihren Einsatz.
Rhein-Erft: Zuerst nutzt Fachpersonal die neue App
Der Einsatz der App folgt einem Stufenmodell, erklärt Landrat Frank Rock (CDU): „Im ersten Schritt werden Menschen aus dem sogenannten Blaulicht-Milieu, also Polizei, Feuerwehr und Sanitäter, die App nutzen können.“ Auch Ärzte und Krankenhauspersonal können sich registrieren. Hintergrund sei die möglicherweise belastenden Situationen, mit denen die Ersthelfenden konfrontiert werden könnten.
„Das heißt nicht, dass wir Menschen ausschließen wollen. Grundsätzlich können alle mitmachen, die interessiert sind. Ob die Person passt, wird im Anmeldeverfahren überprüft“, erläutert Martin Gawrisch, Ordnungsdezernent und Kämmerer des Rhein-Erft-Kreises. Gawrisch verweist auf die Hilfsfrist von acht Minuten, die das Land für städtische Gebiete empfiehlt und die die Marke für Rhein-Erft sei.
Beim Herz-Kreislauf-Notfall kommt es auf jede Minute an
Bei einem Herz-Kreislauf-Notfall kommt es auf jede Minute an. „Wir brauchen nicht nur flächendeckend Defibrillatoren, sondern auch fachkundige Personen, die im Notfall schnell erste Hilfe leisten können“, betont er und freut sich über die bisherigen Erfolgserlebnisse, die sie mit der App und den registrierten Ersthelfenden verbuchen konnten. „Jeder Mensch, den wir retten konnten, zeigt uns, dass es funktioniert.“
Ein Beweis für den erfolgreichen Einsatz der App sei gerade erst geliefert worden, als ein Mann mit drei sogenannten „Schocks“ mit dem Defibrillator noch vor Ankunft des Rettungswagens von App-Nutzenden erstbehandelt werden konnte.
Rhein-Erft: App wurde bereits erfolgreich eingesetzt
Simon Philippi ist Abteilungsleiter des Rettungsdienstes im Amt 38 des Rhein-Erft-Kreises und berichtet, dass der Mann nun stabil sei und inzwischen aus dem künstlichen Koma aufgeweckt werden könne. „Er kann vermutlich, ohne Schäden davonzutragen, wieder gesund werden“, freut sich Philippi.
Für die optimale Platzierung der Defibrillatoren ist der Verein Lebensretter Rhein-Erft zuständig. Dr. Jako Priewe erläutert, dass bis Ende des Jahres der Rhein-Kreis ein flächendeckendes Netz aus Defibrillatoren zur Verfügung haben wird. Dabei werden die Geräte vom Verein regelmäßig gewartet. Der Verein unter Michael Gissinger und Dr. Priewe finanziert sich über Spenden und wurde vor knapp vier Jahren gegründet, mit dem Wunsch, nicht nur die lebensrettenden Geräte zur Verfügung zu stellen, sondern auch Bevölkerungsschulungen und regelmäßige Wartungen durchzuführen. Weitere Informationen zur App gibt online beim Kreis und auf der Internetseite des Anbieters.
