Der Nabu Rhein-Erft hätte gerne die Tier- und Pflanzenwelt am Ententeich begutachtet. Das Management des Freizeitparks hält das für unnötig.
Nabu enttäuschtPhantasialand verweigert Naturschützern Zugang zur Erweiterungsfläche

Der Ententeich und der umgebende Wald könnten für eine Erweiterung des Phantasialands geopfert werden.
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Die Experten des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu) werden sich vorerst keinen neuen Eindruck von Flora und Fauna auf dem Areal rund um den sogenannten Ententeich verschaffen können. Das Phantasialand hat ein entsprechendes Ansinnen der Verantwortlichen aus dem Nabu-Kreisverband Rhein-Erft abgelehnt. Das unter Naturschutz stehende Gebiet im Brühler Südwesten gilt seit langer Zeit als potenzielle Erweiterungsfläche für den Freizeitpark, der auf den dortigen 14 Hektar die Errichtung eines Aquaparks und einer Veranstaltungshalle beabsichtigt.
Gegen diesen Ausbau, der ungefähr einer Verdopplung der Parkfläche gleichkäme, kämpfen Umweltgruppen und Teile der lokalen Politik. Sie verweisen auf die Funktion der dortigen Bäume als Kohlenstoffspeicher, auf die Schutzwirkung des Gebietes für tiefer gelegene Stadtteile bei Starkregen sowie die Bedeutung des Waldes und Teichs als Lebensraum vieler Tier- und Pflanzenarten.
Nabu beabsichtigt Bestandsaufnahme der Tier- und Pflanzenarten
Letzteren Aspekt wollte nun der Nabu in den Blick nehmen. „Uns geht es um eine Bestandsaufnahme, um die Erhebung aktueller Daten“, erklärt Dr. Bernhard Arnold aus dem Nabu-Vorstand. Zunächst habe man vorgehabt, sich einen Überblick über den Baumbestand zu verschaffen, später hätte man dann die Vogelwelt in den Blick genommen und sich auch mit den dortigen Amphibien beschäftigt, sagt er.
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Dafür würde man sich im Verlauf von rund einem Monat wöchentlich mit einem Vertreter oder einem weiteren wenige Stunden auf dem Gelände aufhalten. „Wir können das Areal ja nicht einfach betreten, zumal wir auch die Wege verlassen müssen“, sagt Arnold. Daher habe man die Untere Naturschutzbehörde des Rhein-Erft-Kreises angefragt und auch grünes Licht erhalten – nicht aber vom Phantasialand.
Ralf-Richard Kenter, Beauftragter der Geschäftsführung des Phantasialands, bestätigt das Veto: „Wir haben dem Nabu dies auch erläutert. Die Experten des Kölner Büros für Faunistik haben erst im vergangenen Jahr über acht Monate hinweg für den westlichen Teil der im Regionalplan Köln für die Erweiterung des Phantasialands bereits seit dem Jahr 2013 ausgewiesenen Flächen, dem Naturschutzgebiet Ententeich, erneute Bestandsaufnahmen der artenschutzrechtlich relevanten Arten durchgeführt“, sagt er.
Ziel der vom Phantasialand beauftragten Erhebung sei es gewesen, die bereits vorliegenden Erkenntnisse zu Vorkommen geschützter Arten auf einen aktuellen Stand zu bringen und mit den bereits vorhandenen umfangreichen Erkenntnissen aus den zurückliegenden Untersuchungen abzugleichen.
Kenter sagt: „Die aktuellen Erkenntnisse werden in eine detaillierte Prüfung aller natur- und artenschutzrechtlichen Vorgaben einfließen und in einem entsprechenden Fachgutachten dargestellt, um sie in das Bebauungsplanverfahren einzubringen. Als Träger öffentlicher Belange wird der Nabu spätestens im Zuge der Beteiligung alle Informationen erhalten.“
Es geht uns nicht um die Grundlage für eine Klage gegen die Erweiterung
Beim Nabu will man aber nicht so lange warten und gerne eigene Daten erheben. „Auch unter Fachleuten kann es unterschiedliche Standpunkte geben, über die man mit fundierten Daten diskutieren könnte. Für uns geht es darum, in einem Bauleitverfahren eine fundierte Stellungnahme abgeben zu können“, so Arnold.
Ein solches Bauleitverfahren kündigte sich lange Zeit nicht an. Das bis Herbst 2025 rot-grüne Mehrheitsbündnis im Brühler Stadtrat hatte das Vorhaben auf Eis gelegt. Nun aber zeichnet sich ein schwarz-rotes Bündnis und damit auch die Aufnahme des Bauleitverfahrens ab. „Dafür wollen wir mit aktuellen Daten vorbereitet sein. Es geht uns nicht um die Grundlage für eine Klage gegen die Erweiterung, indem wir etwa gefährdete Arten nachweisen. Eine Klage könnte ohnehin nur der Landesverband einreichen“, betont Arnold. Gerne setze man sich auch nochmals mit Kenter zusammen.

Die Hotels des Phantasialands wie das „Matamba“ gelten als sehr erfolgreich. Der Freizeitpark würde künftig gerne mehr Kurzurlauber beherbergen.
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Letzterer zeigt sich dazu bereit: „Unsere Absage haben wir mit einem grundsätzlichen Gesprächsangebot verbunden“, erklärt Kenter. Gleichwohl sagt der Parkdirektor, dass man den „Zutritt zu den in unserem Besitz befindlichen Grundstücken auf das erforderliche Minimum“ beschränken wolle. „Da die vom Nabu vorgesehenen Maßnahmen aus den genannten Gründen nicht erforderlich sind, haben wir keine Betretungs-/Durchführungserlaubnis erteilt.“
Dies steht dem Phantasialand offenbar zu. 2020 hatte die damalige schwarz-gelbe Landesregierung mit dem Phantasialand einen notariellen Waldtauschvertrag geschlossen. Das Unternehmen ist seither Besitzer der Erweiterungsfläche, während der Landesbetrieb Wald und Holz NRW unverändert deren Eigentümer ist und diese bewirtschaftet. Der Eigentumsübergang erfolgt erst mit Rechtskraft eines Bebauungsplans.

