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Jugendamt im VerzugElsdorfer Tagesmütter warten seit Monaten auf ihr Geld

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Das Bild zeigt mehrere Kinder in einem Garten.

Die Tagesmütter in Elsdorf warten seit drei Monaten auf Geld vom Jugendamt.

Seit etwa drei Monaten warten mehrere Tagesmütter aus Elsdorf auf ihr Geld vom Jugendamt. Fortlaufende Kosten bringen die Betroffen in Bedrängnis.

Der Arbeitstag von Patricia Susana Ramershoven beginnt vor sieben Uhr morgens. Dann macht sich die Kindertagespflegerin mit ihrem Kleinbus auf den Weg, um die Kinder abzuholen, die sie betreut. Den Tag hat sie durchgeplant: zuerst die Begrüßung der Kinder, dann Frühstück, Spiele, vielleicht ein Ausflug in den Wald, Mittagessen und Mittagsschlaf. Pro Stunde und Kind stehen ihr dafür 5,36 Euro vom Jugendamt zu.

Doch seit drei Monaten hat die Tagesmutter kein Geld bekommen – und damit ist sie nicht allein. „Wegen der aktuellen Inflation können wir sowieso keine Rücklagen bilden“, sagt Ramershoven. „Jetzt fehlt uns auch noch das Geld. Das kann nicht sein.“ Ramershoven spricht von Geld, das nicht in Kranken- und Rentenversicherung eingezahlt wird.

Pro Stunde stehen der Tagesmutter 5,36 Euro zu

Geld, das fehlt, um Rechnungen zu bezahlen. „Das trifft vor allem diejenigen von uns hart, die alleinerziehend sind“, sagt sie. Aber auch die Betreuung der Kinder sieht sie gefährdet: „Es fragt ja keiner, ob die Heizung läuft, wenn die Kinder da sind, und wie das Essen für sie auf den Tisch kommt.“

Wir haben schon viele Konzepte geliefert. Aber die Stadt hört uns nicht zu. Wir haben sogar den Eindruck, als würde gegen uns gekämpft.
tagemutter Saziye Dogan

Im Jugendhilfeausschuss versprach Jugendamtsleiter Ralf Cazin Besserung. „Wir suchen nach einer Lösung für das Geldproblem. Aber in einer kleinen Verwaltung ist das schwierig. Wenn ein Mitarbeiter mit Spezialwissen ausfällt, können wir ihn nicht ersetzen.“ Den Zahlungsverzug führt Cazin auf Krankheitsausfälle zurück.

Doch das Problem kennen die Tagesmütter nicht erst seit 2023. Nach jedem Jahreswechsel zahlt das Jugendamt nicht rechtzeitig. Seit drei oder vier Jahren sei das so, sagt Ramershoven. Dabei ist der Anspruch in einer Richtlinie der Stadt festgehalten. In dieser heißt es: „Die Auszahlung erfolgt als monatlicher Betrag am ersten Werktag des Monats.“

Elsdorfs Bürgermeister Andreas Heller reagiert

Das fehlende Geld ist aber nicht das einzige Problem in der Kindertagespflege. Es fehle auch ein Vertretungskonzept bei Ausfällen. „Wir haben schon viele Konzepte geliefert“, sagt Saziye Dogan, Tagesmutter aus Niederembt.

„Aber die Stadt hört uns nicht zu. Wir haben sogar den Eindruck, als würde gegen uns gekämpft.“ Aktuell arbeiten rund 20 Menschen in der Kindertagespflege in Elsdorf, die meisten zwischen 40 und 45 Stunden pro Woche. Zusammen sind sie für 101 Kinder verantwortlich. Betreut eine Tagesmutter vier Kinder, stehen ihr etwa 4000 Euro brutto im Monat zu.

Davon muss sie allerdings sämtliche Kosten bezahlen, zum Beispiel für die Räume und die Verpflegung der Kinder. Weil Tagesmütter und -väter praktisch als selbstständig gelten, tragen sie den größten Teil ihrer Sozialversicherungskosten selbst. Bürgermeister Andreas Heller hat den Kindertagespflegerinnen ein Gespräch im April zugesagt. Dennoch wollen Ramershoven und Dogan einen Bürgerantrag stellen, um bessere Bedingungen zu verhandeln. Die schwierige Lage der Stadt könne sie verstehen, sagt Dogan. Im Gegenzug müsse die Stadt aber auch sie verstehen. „Wir brauchen mehr Austausch und Zusammenarbeit.“

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