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Inklusion in ElsdorfEulengrundschule kümmert sich gezielt um ihre Schüler

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Elsdorf – Ist die Förderschule ein Auslaufmodell, nachdem die Inklusion verstärkt Einzug in die Grundschulen hält? Andrea Houbé, Leiterin der Berrendorfer Eulenschule, sieht viele Kinder mit Beeinträchtigungen in der Regelschule gut aufgehoben, hält die spezialisierten Schulen jedoch nicht für überflüssig. Houbé (46) ist seit zehn Jahren an der Grundschule, die seit dem Sommer durch eine Rampe auch für Rollstuhlfahrer geeignet ist.

Die Pädagogin, die auch in Kreis, Bezirksregierung und auf Landesebene bei Lehrerfortbildung und -beratung aktiv ist, verfolgt mit ihrem Kollegium engagiert die Methode, durch gezieltes und individuelles Lernen die Fähigkeiten ihrer 250 Schüler so zu fördern, „dass sie handlungsfähig für ihre Zukunft werden“. Dabei sind es nicht in erster Linie die äußeren Umstände, die den Schulbesuch von Kindern mit und ohne Beeinträchtigungen ermöglichen. „Eine barrierefreie Schule wird durch eine Rampe pädagogisch nicht besser. Nicht vor der Tür, sondern in der Schule wird Inklusion möglich“.

Bei einem Elternabend über das Konzept moderner Grundschularbeit unter der Überschrift Gemeinsames Lernen (GL), stellte Houbé die Ansätze vor, die inzwischen in vielen Grundschulen Einzug gehalten haben. Die Eltern erfuhren, dass die Beeinträchtigungen der Schüler in den vergangenen Jahren nicht vielfältiger geworden sind. Schule müsse aber gezielter auf die Persönlichkeiten eingehen. Lese- und Schreibschwierigkeiten, hochbegabte Kinder, soziale Probleme im Elternhaus, leistungsstarke und -schwächere Kinder, Migrationskinder mit mehr oder weniger guten Sprachkenntnissen, häusliche Gewalt und körperliche Behinderungen seien da nur einige Aspekte. „Eigentlich sind keine zwei Kinder auf dem gleichen Stand, und das war immer schon so“, sagt Houbé. Doch der Unterricht nach dem Motto „alle Kinder zur gleichen Zeit in die gleiche Richtung zum gleichen Thema“, wie ihn die Eltern aus ihrer Schulzeit kennten, führe nicht zum Ziel. Plenumsunterricht, Gruppenunterricht, Einzelarbeit, Partnerarbeit, Projekte, Methodentraining: Jeder soll so arbeiten, wie es ihm liegt. Notfalls auch mit Ohrenklappen, wenn das für konzentriertes Arbeiten nötig ist. „Die Kinder müssen sich nicht uns anpassen, sondern wir uns den Kindern“, sagte Houbé. Jedes Kind könne auch von den Qualitäten eines anderen lernen, „wenn man das Kind mit seinen Fähigkeiten annimmt, wie es ist“.

Das kannst du nicht gut genug, bekämen die Kinder nicht zu hören, sondern: Bis dahin kannst du es, was ist jetzt dein nächster Schritt?. Und alle Handicaps bekämen eine Selbstverständlichkeit, wie Houbé berichtet. „Der Rolli wird nicht mehr thematisiert. Auf dem Schulhof spielen alle unverkrampft zusammen.“ Je ein Rollstuhlschüler besucht das zweite und dritte Schuljahr. Der Klassenraum der Drittklässler befindet sich im ersten Stockwerk. Da es keinen Aufzug gibt, hilft eine Schulbegleiterin dem Schüler mittels eines elektrischen Treppensteigegeräts.

Dass es bei der Inklusion auch Grenzen gibt, verhehlt Houbé nicht. „Wenn ein Kind absolut nicht mehr weiterkommt, müssen wir mit den Eltern schnell nach Lösungen suchen, zu denen auch die Förderschule gehört“. Der größere Aufwand des Unterrichts erfordere übrigens kein größeres Lehrerkollegium. „Man kann immer mehr Lehrer fordern. Aber Jammern ist vertane Energie“. Und für bestimmte Probleme gebe es neben drei Schulbegleitern auch fachliche Hilfe von außen, wenn der Förderbedarf anerkannt sei.

Eltern haben die Wahl

Mit der benachbarten Michael-Ende-Schule, einer Förderschule, gebe es viel Austausch, sagt Houbé. Förderschüler kommen nachmittags zur OGS in die Eulenschule, und einige Eulenschulkinder erhalten zudem speziellen Unterricht in der Förderschule.

Die Eltern haben die freie Wahl – zumindest für die ersten beiden Schuljahre, denn danach ist eine Förderbedarfsprüfung vorgeschrieben – ihren Nachwuchs an der Förder- oder an der Regelschule anzumelden. Seitdem sind die Schülerzahlen an mehreren Förderschulen rückläufig und Schließungen angekündigt. Auch der Rhein-Erft-Kreis als Träger will seine Einrichtungen auf drei Standorte konzentrieren. Ein Auslaufmodell ist die Förderschule also nicht.