Die 10. Klasse der Waldorfschule brachte „Hair“ auf die Bühne und ihren Lehrer um seine Haarpracht
Waldorfschule ErftstadtNach dem Musical ging es haarig weiter

Mit ihrer Inszenierung des Hippie-Musicals „Hair“ zauberte die 10. Klasse der Erftstädter Waldorfschule ein Plädoyer für die Liebe, die Freiheit und den Frieden auf die Bühne.
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Als popkultureller Protestschrei gegen den Vietnam-Krieg und als glühendes Plädoyer für Liebe, Freiheit und Frieden wurde „Hair“ vor fast 60 Jahren zum ikonischen Welterfolg. Das Stück ist leider immer noch brennend aktuell. Grund genug für die 10. Klasse der Freien Waldorfschule, das Hippie-Musical im Rahmen eines großen Jahrgangsprojektes frisch und neu zu inszenieren und dazu gleich noch eine ziemlich haarige Benefizaktion zu starten. Zwei englischsprachige „Hair“-Aufführungen, gespickt mit Hits wie „Aquarius“ und „Let the Sunshine In“, standen am Wochenende in der rappelvollen Schulaula auf dem Programm, und beide Abende endeten verdientermaßen mit stehenden Ovationen für die insgesamt mehr als 60 Mitwirkenden auf und hinter der Bühne.
Schülerinnen und Schüler mit viel Herzblut dabei
Denn Live-Musik, Bühnenbild, Kostüme, Licht- und Tontechnik stammten komplett aus eigener Herstellung. Vor allem aber haben die Schülerinnen und Schüler im und neben dem Unterricht über Monate hinweg viel Herzblut und Engagement in ihre Inszenierung und in die Verbesserung ihrer schauspielerischen und gesanglichen Talente investiert. „Die ersten Vorbereitungen haben schon im vergangenen Sommer begonnen.

Nur die Bärte blieben dran: Nach der "Hair"-Aufführung trennten sich die Waldorf-Lehrer Max Middelhoff (l.) und Kevin Richards und weitere Freiwillige für einen guten Zweck von ihrer Haarpracht.
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In den letzten drei Wochen vor den Aufführungen haben wir unter Leitung der externen Profi-Regisseurin Susanne Praß jeden Tag mehrere Stunden lang geprobt. Es war toll zu sehen, wie viele Ideen, wie viel Kreativität und wie viel Einsatzbereitschaft die Schülerinnen und Schüler über Monate hinweg eingebracht haben“, lobt Englisch-Lehrer Kevin Richards seine Zehntklässler. Nebenbei sei auch sehr angeregt über aktuelle Themen wie etwa über das Für und Wider der Wehrpflicht diskutiert worden. Der Einsatz hat sich gelohnt: Der Waldorf-Crew gelang es, die Story des eigentlich etwas spießigen Claude Bukowski, der zur Musterung für den Kriegsdienst soll, dann aber in einer New Yorker Hippie-Kommune landet und eine ganz neue Weltsicht entdeckt, quicklebendig und pfiffig auf die Bühne zu zaubern. Und da war dann noch das haarige Extra.
Aus der Idee, in Erinnerung an einen an Leukämie verstorbenen Mitschüler rund um die Aufführungen Geldspenden für die Kinderkrebshilfe zu sammeln, entwickelte sich der Plan, „Hair“ wörtlich zu nehmen. So war, nachdem man im Vorfeld schon mehr als 2000 Euro gesammelt hatte, am Samstag nach der zweiten Vorstellung ein großes Haareschneiden auf offener Bühne angesagt. Die Haarspenden gehen an eine Organisation, die Perücken für unter der Chemotherapie leidende Krebspatientinnen herstellt.
Zahlreiche langhaarige Schüler, Eltern, Großeltern und Lehrkräfte machten mit – allen voran Englischlehrer Kevin Richards. Der erklärte Langhaar-Fan hatte bis zum Samstagabend eine bis zum Rücken reichende Mähne, die er hinten gern zu einem Zopf zusammenband. Der Zopf fiel unter den Beifall des feixenden Publikums als erstes der Schere zum Opfer, dann kam der Kurzhaarrasierer intensiv zum Einsatz. Irgendwann war für Richards dann aber doch Schluss mit lustig: „Mein Vollbart bleibt dran!“

