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Haushalt im DefizitHiobsbotschaften für die Vereine in Frechen

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Auf dem Bild ist eine Versammlung im Ratssaal Frechen zu sehen.

Zahlreiche Vereinsvertreter kamen zu dem Infoabend der Stadt zur finanziellen Lage Frechens.

Fördrmittel und Zuschüsse dürfen aktuell wegen der schlechten Finanzlage der Stadt nicht ausgezahlt werden.

Mit klaren Worten eröffnete Bürgermeister Uwe Tietz am Mittwochabend (22. April)  die einberufene „Runde der Vereine“ im Ratssaal: „Mir fällt das, was heute gesagt werden muss, besonders schwer. Wir stehen vor einer immensen Herausforderung, einer der größten der letzten Jahre.“ Bisherige Selbstverständlichkeiten müssten auf den Prüfstand gestellt und eingefahrene Wege verlassen werden, um die Zukunft zu sichern, so Tietz.

Die „harte Realität“ für die Vereine sei, dass die Stadt rechtlich verpflichtet sei, die bislang gezahlten freiwilligen Leistungen wie Zuschüsse und Förderungen auf den Prüfstand zu stellen. „Dies ist mehr als unbefriedigend“, beteuerte Tietz. Der Hintergrund der Hiobsbotschaft für die Ehrenamtler ist, dass sich die Stadt aktuell in einer vorläufigen Haushaltführung befindet, noch dieses Jahr soll ein Haushaltssicherungskonzept (HSK) aufgestellt erden.

Frechen: Defizit von rund 22,5 Millionen Euro für 2026 erwartet

Dies bedeutet: Nur das Nötigste darf finanziert werden, bis der Haushalt steht. Die Stadt Frechen rechnet für dieses Jahr mit einem Defizit von rund 22,5 Millionen Euro, die Ausgleichsrücklage wird bis 2028 voraussichtlich aufgebraucht sein.

Auch die Erste Beigeordnete und Kämmerin Gudrun van Cleef erläuterte den rund 90 Vereinsvertretern, dass im Moment keine Förderungen ausgezahlt werden könnten. Aus diesem Grund wurden bereits die Kulturwochen sowie das Fußball- und Brennballturnier der Grundschulen abgesagt. Das Stadtfest zur Feier „75 Jahre Stadtrechte“ im September wird nun vom Aktivkreis, einem Zusammenschluss von Geschäftsleuten, Dienstleistern und Privatleuten, organisiert. Die Stadt hätte das geplante Fest sonst auch ausfallen lassen müssen.

Die Stadt ist in den letzten Jahren auf maximalen Verschleiß gefahren worden. Ich habe mir meinen Start anders vorgestellt
Uwe Tietz, Bürgermeister von Frechen

Den zahlreichen Vereinen droht nun nicht nur die Streichung der dringend benötigten Fördermittel und Zuschüsse, auf die Sportvereine könnte auch die Zahlung von Gebühren für die Nutzung von Sportstätten zukommen. Die Schwimmvereine müssen mit der Last von Eintrittsgeld für das Hallenbad „Fresh open“ rechnen.

Vereine fordern mehr Mut und Kreativität von der Verwaltung

„Die Stadt ist in den letzten Jahren auf maximalen Verschleiß gefahren worden. Ich habe mir meinen Start anders vorgestellt“, resümierte der Bürgermeister. Die Kämmerin warb um Verständnis, dass die finanzielle Notlage kein „frechenspezifisches Problem sei“, sondern viele Kommunen betreffe: „Wir sind die Letzten in der Nahrungskette, wir haben viele Aufgaben, aber nicht das Geld vom Bund. Aktuell müssen wir einen ganz schmalen Grat gehen.“

Ernüchtert, aber mit viel Tatkraft reagierte der Großteil der Vereinsvertreter: Sie forderten mehr Mut und Kreativität von der Verwaltung, um gemeinsam auch ungewöhnliche neue Wege zu gehen. Und ihnen nun mehr Freiraum für eigene Aktivitäten zu gewähren. Als erste Maßnahmen wurde die Organisation von Runden Tischen beschlossen, die den Dialog und Ideen fördern sollen.