Aktuell bringt die Stadt 777 Menschen unter. Nach dem Brand in der Unterkunft Norkstraße seien „die Kapazitäten erschöpft“, so die Verwaltung.
„Situation ist angespannt“Neue Pläne für die Unterbringung von Geflüchteten in Frechen

Die Unterkunft an der Norkstraße gilt nach einem Brand als unbewohnbar.
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Das im Juli 2024 vom Rat beschlossene Gesamtkonzept zur Unterbringung und Versorgung von Geflüchteten in Frechen soll modifiziert und weiter entwickelt werden: CDU, SPD und die Fraktion Perspektive für Frechen haben für die heutige Ratssitzung einen Antrag mit Veränderungen und Arbeitsaufträgen an die Verwaltung gestellt. Unter anderem soll damit die dauerhafte Schaffung von kleineren Unterkünften mit möglichst weniger als 100 Plätzen angestrebt werden. Zentral bleibe dabei das Leitbild einer menschenwürdigen Unterbringung, so die drei Fraktionen. Zudem sollten Unterkünfte und öffentlicher Wohnungsbau „perspektivisch verknüpft“ werden.
Nach dem Brand entfallen bis zu 90 Plätze für Geflüchtete
Zurzeit sind 777 Menschen (darunter 48 Wohnungs- und Obdachlose sowie Spätaussiedler) in städtischen Unterkünften untergebracht. Die Situation sei „wieder angespannt“, teilt die Stadt mit – die Kapazitäten seien aktuell „ausgeschöpft“. Grund für den Engpass ist der Brand in der Unterkunft Norkstraße am 16. Januar: Die dort 44 einquartierten Personen mussten kurzfristig auf die Unterkünfte Wohnen am Mühlenbach, Sibylla, Alte Feuerwache und Europaallee verteilt werden. Die Unterkunft Norkstraße, insbesondere der Kellerbereich, in dem der Brand ausbrach, sei weiterhin von der Polizei beschlagnahmt, so die Stadt. Sie werde nicht mehr nutzbar sein, die vorhandenen maximal 90 Plätze würden entfallen.
Frechen: Zuweisungsstopp bis zur 15. Kalenderwoche
Aufgrund vieler baulicher Mängel war sowieso schon der Abbruch der maroden Gebäude geplant, sobald es einen Ersatz gegeben hätte. Durch den Brand konnte jedoch bei der Bezirksregierung ein achtwöchiger Zuweisungsstopp veranlasst werden, erst ab der 15. Kalenderwoche sollen wieder neue Geflüchtete nach Frechen kommen. Bis zur dritten Kalenderwoche bestand bereits ein Zuweisungsstopp aufgrund der Absage der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) in Königsdorf. Im Rahmen ihrer Aufnahmeverpflichtung müsste die Stadt generell noch 319 Personen aufnehmen.
Für dieses Jahr stellt die Verwaltung neue Unterkünfte in Aussicht: An der Hermann-Seger-Straße soll zeitnah eine Immobilie gekauft werden, in der ab dem zweiten Quartal rund 50 Plätze geschaffen werden sollen. Auch auf dem städtischen Grundstück an der Hochstedenstraße soll Ende März mit dem Aufbau von Containern begonnen werden, ab dem dritten Quartal sollen dort dann rund 80 Plätze verfügbar sein.
Willi-Giesen-Halle muss generalsaniert oder neu gebaut werden
Diese neuen Plätze sollten die Willi-Giesen-Halle in Habbelrath frei machen – aufgrund des Brandes müsse der Eröffnungstermin der Halle in den kommenden Monaten nun noch verwaltungsintern abgestimmt werden, teilt die Stadt mit. Die Halle sei zudem in keinem guten baulichen Zustand, eine Generalsanierung oder ein Ersatzneubau wird erwogen. Da jedoch aufgrund anderer Prioritäten hierfür aktuell und absehbar keine Personalressource vorhanden sein dürfte, sei eine Interimsnutzung der Halle als reine Trainingsstätte für die Tanzcorps der Karnevalsgesellschaften eine Option , heißt es in dem Gesamtkonzept.
Für die Weiterentwicklung des Konzepts wollen nun CDU, SPD und Perspektive für Frechen unter anderem die Verwaltung beauftragen, weitere Flächen im Stadtgebiet für die Unterbringung von Geflüchteten zu prüfen. Als Beispiel schlagen sie auch eine kurzfristige Aufstellung von Containern auf den städtischen Grundstücken an der Pfeilstraße und Zum Kuckental vor.
Zudem sollen die natur- und artenschutzrechtlichen Voraussetzungen einer Unterkunft auf dem ehemaligen Zirener-Gelände, Alte Aachener Straße in Königsdorf, geklärt und geprüft werden, wie hoch die maximale Personenzahl dort sein könne. Aktuell plant die Stadt dort eine Unterkunft mit rund 150 Plätzen. Auch soll laut Antrag am Rosmarweg eine Unterkunft mit mindestens 90 Plätzen veranlasst werden, dort plante die Verwaltung bislang rund 60 Plätze.
