Bei der Spendenaktion kamen so viele Hilfsgüter zusammen, dass ein zweiter Sammeltermin abgesagt werden konnte.
Nach Feuer in UnterkunftHunderte Menschen bringen Spenden für Geflüchtete in Frechen

Bei der Spendenaktion kamen so viele Hilfsgüter zusammen, dass ein zunächst für Donnerstag geplanter zweiter Sammeltermin abgesagt werden konnte.
Copyright: Joachim Röhrig
Die Welle der Hilfsbereitschaft wuchs fast schon zu einem kleinen Tsunami heran: Hunderte Menschen aus dem gesamten Kreisgebiet strömten am Samstagmittag schwer bepackt zur alten Feuerwehrwache in der Schützenstraße, um Sachspenden für die Leidtragenden des verheerenden Feuers in der Flüchtlingsunterkunft Nordstraße abzugeben. Die Flut an gespendeten Hilfsgütern wurde so groß, dass das Organisationsteam mit dem Sortieren und Einlagern am Ende kaum noch nachkam.
„Was hier heute abgeht, ist einfach überwältigend. Wir hatten zwar mit großem Andrang und hohem Spendenaufkommen gerechnet, doch unsere Erwartungen wurden noch einmal deutlich übertroffen. Schon eine Stunde vor dem offiziellen Start der Aktion bildeten sich Schlangen von Menschen, die einfach nur helfen wollen, um die Not der Brandopfer zu lindern“, sagt Jürgen Weidemann.
Frechen: Warme Kleidung und Schuhe für Kinder und vieles mehr
Am frühen Nachmittag steht der Vorsitzende der Frechener Flüchtlingshilfe vor einem immer höher werdenden Berg von Kartons, Taschen und Säcken. Sie sind prall gefüllt mit warmer Kleidung und Schuhen für Kinder, mit Küchenutensilien, Hygieneartikeln, Spielzeug, Kuscheltieren, Bettwäsche und vielem mehr. Auch viele Kinderwagen und Maxi-Cosi werden abgegeben. „Da ist eigentlich viel mehr zusammengekommen, als wir akut für die Brandopfer aus der Nordstraße benötigen. Aber auch für die überzähligen Sachen werden wir sicherlich dankbare Abnehmer finden“, verspricht Weidemann.

Die Helferinnen und Helfer hatten alle Hände voll zu tun, um den riesigen Spendenberg zu sortieren.
Copyright: Joachim Röhrig
Prompt meldet sich Annalen Schumacher zu Wort. „Wir nehmen gern etwas mit, um unser Lager zu füllen. Die Sachen verkaufen wir dann für kleines Geld für soziale Zwecke“, freut sich die Ehrenamtlerin. Sie engagiert sich normalerweise im Frechener Sozialwarenhaus, ist an diesem Tag aber zum etwa fünfzehnköpfigen Hilfsteam gestoßen, das der Flüchtlingshilfe-Verein und die Stadtverwaltung auf die Schnelle zusammengetrommelt haben.
Kellerbrand: 44 Bewohner verloren fast ihr gesamtes Hab und Gut
Während das Aktionsteam alle Mühe hat, Ordnung in den Spendenberg zu bringen, wartet Sandra Schäfer geduldig in der langen Schlange. Sie ist eigens aus Pulheim angereist, um zwei große Kartons mit gut erhaltenen Wintersachen abzugeben: „Als ich vom Brand in der Flüchtlingsunterkunft und der Spendenaktion erfahren habe, musste ich nicht lange überlegen. Toll, dass so viele Menschen mitmachen. Hier sieht man, dass man gemeinsam ganz viel erreichen kann.“
Auch Bürgermeister Uwe Tietz ist nicht mit leeren Händen gekommen und gibt einen Karton mit Kochgeschirr und Spielzeug ab. „Auch ich bin überwältigt von der riesigen Spendenbereitschaft. Damit leisten wir nicht nur praktische Hilfe, sondern setzen auch ein starkes Zeichen für Solidarität und ein gutes Miteinander aller in Frechen lebenden Menschen.“ Neues über die Brandursache hatte der Bürgermeister am Samstag noch nicht zu vermelden; die Kripo stecke noch in den Ermittlungen.
Am 16. Januar war in dem Flüchtlingshaus in der Nordstraße, wo vor allem junge Familien mit Babys und Kleinkindern wohnten, ein schlimmer Kellerbrand ausgebrochen. Verletzt wurde niemand, aber viele der 44 Bewohnerinnen und Bewohner verloren durch das Feuer und den sich schnell im ganzen Haus ausbreitenden Rauch fast ihr gesamtes Hab und Gut. Die Menschen mussten das nicht mehr bewohnbare Haus verlassen und wurden auf andere Unterkünfte verteilt.
Derweil habe die Flüchtlingshilfe angesichts des gewaltigen Spendenaufkommens beschlossen, eine zunächst für Donnerstag geplante zweite Sammelaktion abzusagen, so Jürgen Weidemann: „Die Menschen aus der Nordstraße können nun gut versorgt werden. Noch mehr zu sammeln, würde wegen fehlender Lagerkapazitäten mehr Probleme als Nutzen bringen.“

