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InterviewSo außergewöhnlich ist der Auftritt von Dominique Horwitz in Frechen und Pulheim

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Auf dem Bild ist ein geschminkter Schauspieler zu sehen.

Dominique Horwitz in der Produktion „Herr Teufel Faust – Schauspiel nach Johann Wolfgang von Goethe“.

Mit dem Soloabend „Herr Teufel Faust – Schauspiel nach Johann Wolfgang von Goethe“ gastiert der renommierte Schauspieler an zwei Abenden im Kreis.

Dominique Horwitz gehört zur allerersten Garde deutschsprachiger Schauspieler. Er gastiert mit der Theaterproduktion „Herr Teufel Faust – Schauspiel nach Johann Wolfgang von Goethe“ Anfang März in Pulheim und Frechen.  Bernd Woidtke sprach mit dem Schauspieler über seine Talente, seine Auftritte und seine Karriere.

Herr Horwitz, Ihre Eltern sind vor den Nazis geflohen, als Juden mussten sie emigrieren, um dem Holocaust zu entkommen. Wie war das für Sie als junger Mensch, ins Land der Täter zu kommen?

Dominique Horwitz: Für meine Eltern war das natürlich schlimm. Ich war 14 Jahre alt, und deutlich nach dem Krieg geboren, für mich war es ja kein Zurückkommen. Dennoch habe ich die erste Zeit in Berlin als sehr unangenehm empfunden, geradezu als bleierne Zeit, um den Filmtitel von Margarete von Trotta zu zitieren. Ich empfand die Menschen als unfreundlich und die Atmosphäre grau. Das hat sich aber gottlob mit den Jahren immer verbessert. Deutschland war dann endlich im Umbruch.

Sie haben eine beeindruckende künstlerische Karriere absolviert, angefangen im Tübinger Zimmertheater bis hin zu den ganz großen Bühnen wie dem Berliner Ensemble, dem Thalia Theater Hamburg, dem Düsseldorfer Schauspielehaus. Wie gelingt einem so etwas?

Glück. Beharrlichkeit. Fleiß.

Auf dem Bild ist ein Schauspieler auf der Bühne zu sehen.

Dominique Horwitz in der Produktion „Herr Teufel Faust – Schauspiel nach Johann Wolfgang von Goethe“

Und sicher doch auch Talent!?

Das soll zuweilen ganz hilfreich sein. Es gibt aber sehr viele Schauspielerinnen und Schauspieler mit unglaublichem Talent, die nicht das Glück hatten, zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein. Also heißt es dranzubleiben. Schauspieler sein, heißt nicht nur erfolgreich sein zu wollen. Schauspieler sein, heißt in erster Linie mit Leidenschaft zu spielen und deswegen seinen Beruf zu genießen und zu lieben.

Sie sind ja nicht nur Schauspieler, sondern bewegen sich auf vielen verschiedenen künstlerischen Wegen.

Ich langweile mich schnell. Also wechsele ich so oft es geht die Perspektive. Manchmal schreibe ich, des Öfteren führe ich Regie. Am liebsten stehe ich aber auf der Bühne.

Das reicht ja eigentlich für mehrere Berufskarrieren – was ist Ihr Motiv, sich in diesen verschiedenen Bereichen zu engagieren?

Eitelkeit. Sobald ich den Eindruck habe, ich könnte etwas einigermaßen gut, zieht es mich woanders hin. Mich hat Vielfalt immer fasziniert. Ich wollte nie nur auf einer Hochzeit tanzen.

Wenn Sie Regie führen, juckt es Sie dann manchmal, den Schauspielern zu zeigen, wie es geht? Schließlich sind Sie ja selbst ein herausragender Schauspieler.

Nein, auf keinen Fall! Zum Glück kann ich den eigenen Spieltrieb problemlos zurückstellen. Wenn ich inszeniere, geht es mir darum, den Kolleginnen und Kollegen zur bestmöglichen Leistung zu verhelfen, ich bringe meine Ideen ein, nehme aber das meiste von den Schauspielern selbst. Für den Zuschauer gibt es nichts Schöneres, als Schauspieler, die sich die Inszenierung zu eigen gemacht haben und voll darin aufgehen.

Zur Produktion „Herr Teufel Faust“: Wie ist die Inszenierung angelegt?

Ich spiele mehrere Rollen, den Teufel/Mephisto, Faust, Gretchen, den lieben Gott und eine Hexe. Ein einziger Schauspieler führt durch das ganze Stück. Die Bearbeitung stammt von Torsten Fischer, einem Regisseur, mit dem ich viele Projekte gemacht habe und der schon mit dem Intendanten Günter Krämer in den 90er- und 2000er-Jahren in Köln gearbeitet hat. Es ist die beste Faust-Bearbeitung, die ich kenne, sie ist wirklich sensationell!

Wie nah ist Ihnen die Figur des Faust?

Sie geht einem schon sehr nahe. Dieses Streben nach dem ultimativen Erfolg, nach Allwissenheit, nach Anerkennung steckt doch in jedem von uns. Und je älter man wird, desto brennender die Frage, wieviel Zeit einem noch gegeben wird, um wenigstens etwas davon zu erreichen.

Wie können Sie Zuschauer in die Vorstellung „Herr Teufel Faust“ locken?

Es ist richtig großes Theater! Auch auf einer kleineren Bühne, wie in Frechen und Pulheim! Große Bilder. Große Gefühle. Ich freue mich wirklich sehr dort zu spielen. Im Übrigen nicht zum ersten Mal.

Wie ist das denn, wenn man mit einem Einpersonenstück auf Tour ist – ganz alleine also auf der Bühne?

Ehrlich gesagt, kommt mir das entgegen. Wir Schauspieler sind ja eitle Wesen, da ist es im Ensemble nicht immer einfach. Am liebsten reise ich allein mit meiner Crew durchs Land. Das großartige Team, das mich begleitet (Beleuchter, Maske, Ton und Bühne) und ich sind mittlerweile eine kleine Familie geworden. Es ist so, wie Theater eben sein sollte.


Termine und Tickets

„Herr Teufel Faust - Schauspiel nach Johann Wolfgang von Goethe“

Dienstag, 3. März, 20 Uhr, Kultur- und Medienzentrum Pulheim, Steinstraße 15, 50259 Pulheim, Tickets: Rathaus Pulheim, Online Ticketshop

Mittwoch, 4. März, 20 Uhr, Stadtsaal Frechen, Johann-Schmitz-Platz 1-3, 50226 Frechen, Tickets: ProTicket GmbH & Co. KG, Vorverkaufsstelle Bürobedarf Dohmen GmbH, Vorverkaufsstelle Post + mehr, Vorverkaufsstelle VHS Frechen, Stadt Frechen