Die Grünen werfen dem Kreis vor, seinen Ermessensspielraum nicht auszuschöpfen. Auch über eine Ausweitung von Tempo 50 wird weiter diskutiert.
Nach tödlichem UnfallKein Ampelblitzer in Hürth – Grüne und SPD kritisieren den Landrat

Das Mahnmal an der Frechener Straße erinnert an die beiden jungen Opfer des Verkehrsunfalls auf der Frechener Straße.
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Der Kreis lehnt einen Ampelblitzer gegen Rotlichtverstöße ab, die Stadt hält eine Ausweitung von Tempo 50 für nicht umsetzbar: Grüne und SPD kritisieren vor der Sitzung des Verkehrsausschusses am Dienstag (28. April), dass nach dem tödlichen Unfall auf der Frechener Straße keine zusätzlichen Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit geplant sind.
Im Juni 2025 war ein damals 20-jähriger Autofahrer laut Zeugenaussagen bei Rot über die Ampel an der Einmündung Theresienhöhe gefahren. Sein Wagen erfasste mehrere Grundschulkinder und Begleitpersonen. Die zehnjährige Schülerin Avin und der Schulbegleiter Luis (25) starben später im Krankenhaus.
Hürth: Verkehrsausschuss forderte Ausweitung von Tempo 50
Seit Kurzem gilt auf dem Abschnitt zwischen Sudetenstraße und Theresienhöhe Tempo 50. Zudem soll die Ampelschaltung angepasst werden. Beide Maßnahmen gehen auf ein Sicherheitsaudit des Landesbetriebs Straßen NRW zurück, das der Kreis beauftragt hatte.
Im Hürther Verkehrsausschuss wurde darüber hinaus gefordert, das Tempolimit auf den Bereich zwischen der Radwegquerung in Stotzheim und dem Kreisverkehr in Alt-Hürth auszuweiten. Nach Angaben der Stadt ist dies nach geltendem Recht jedoch nur bei nachweisbarer erhöhter Gefahrenlage möglich, die an der Frechener Straße nicht vorliege. Die Kreisverwaltung verweist bei ihrer Ablehnung eines von der Stadt beantragten Rotlichtblitzers darauf, dass weder die Unfallkommission noch das Sicherheitsaudit eine solche Anlage empfehlen.
Hürther Grüne halten Rotlichtblitzer für rechtlich möglich
Die Grünen äußern sich enttäuscht darüber, dass die Behörden ihren Ermessensspielraum nicht ausgeschöpft hätten. Der Rotlichtblitzer sei „rechtlich möglich“, sagt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Julia Feith. Die Installation wäre „ein sichtbares Zeichen gewesen, dass die Behörden des Rhein-Erft-Kreises die Sorgen und Ängste der Menschen vor Ort ernst nehmen“.
Zugleich zeigten die von der Stadt angeführten Gründe gegen eine Ausweitung von Tempo 50 nach Einschätzung der Grünen, „dass das deutsche Verkehrsrecht einseitig den Autoverkehr bevorzugt und selbst der politische Wille vor Ort, die Verkehrssicherheit zu erhöhen, nicht zählt“. Die Grünen fordern die Stadtverwaltung auf, zu prüfen, wie zumindest an der Einmündung in Alt-Hürth für mehr Sicherheit gesorgt werden kann.
Auch die SPD-Fraktion zeigte sich unzufrieden. Es sei „sehr bedauerlich“, dass das Tempolimit nicht auf einen größeren Abschnitt der Frechener Straße ausgeweitet werden soll, erklärte Ratsherr Lennart Hensen. „Tempo 50 wäre eine vorsorgende Maßnahme gewesen. Müssen erst weitere Unfälle passieren?“
Auf „völliges Unverständnis“ stoße zudem die Weigerung des Landrats, einen Ampelblitzer zu installieren, bei der SPD-Fraktion. „Natürlich würde ein Ampelblitzer zu vorsichtigerem Fahren führen“, so Ratsherr Michael Kleofasz. „Das müsste doch auch im Interesse des Landrats sein.“
