Meine RegionMeine Artikel
AboAbonnieren

Neue AnlageSo werden im Chemiepark Hürth aus Altkleidern Rohstoffe für neue Textilfasern

3 min
Das Foto zeigt eine Personengruppe vor einem Transparent.

Vertreter der beteiligten Firmen Matterr und Yncoris stellten die Pläne für die neue Kunststoffrecyclinganlage im Chemiepark Knapsack vor.

Polyester aus Textilien und Verpackungen gilt bislang als schwer recycelbar. Eine neue Anlage im Chemiepark Knapsack soll das ändern.

Der Chemiepark Knapsack meldet eine weitere Ansiedlung im Bereich Recycling und Kreislaufwirtschaft. Das Start-up Matterr errichtet auf einer Freifläche im Werksteil Hürth eine Pionieranlage zur chemischen Wiederverwertung von Polyester. Der Kunststoff wird vor allem in Textilien und Verpackungen eingesetzt, gilt bislang aber als schwer recycelbar. Matterr investiert 63 Millionen Euro, davon 30 Millionen aus dem Landesförderprogramm „Produktives NRW“. Der Baubeginn ist für 2026 geplant, am Standort sollen 30 Arbeitsplätze entstehen.

Die Bedeutung der Anlage verdeutlicht eine Studie, auf die das Unternehmen verweist: Allein im Jahr 2024 seien weltweit 120 Millionen Tonnen Kleidung entsorgt worden seien – genug, um mehr als 200 Olympiastadien zu füllen. Etwa 80 Prozent landeten auf Deponien oder in Verbrennungsanlagen. Nur zwölf Prozent seien wiederverwendet worden, weniger als ein Prozent als neue Textilfasern. Ein erheblicher Teil dieses Abfalls besteht aus Polyester.

Hürth: Ansiedlung soll zeigen, dass Recycling von Polyester möglich ist

In Hürth will Matterr nun im klein-industriellen Maßstab zeigen, dass Recycling möglich ist. Nach einem patentierten neuen Verfahren werden gemischte Kunststoffabfälle wie Mischgewebe und mehrschichtige Verpackungen, die in Form von Flocken angeliefert werden, in der Anlage unter normalem Druck in ihre Grundbausteine Terephthalsäure (TPA) und Ethylenglykol (EG) zerlegt und hochrein aufbereitet.

Das Ergebnis sind Rohstoffe in Neuwarenqualität, die in bestehenden Polyester-Produktionsanlagen zu neuen Fasern, Verpackungen und Folien verarbeitet werden – und damit fossile Rohstoffe vollständig ersetzen. Die geplante Depolymerisationsanlage verfügt über eine Jahreskapazität von 10.000 Tonnen. Nach Einschätzung des Unternehmens ist sie ein wichtiger Zwischenschritt zu einer fossilfreien und kreislauforientierten PET-Industrie.

Chemiepark Knapsack setzt auf Kreislaufwirtschaft

Melanie Hackler, CEO von Matterr, bezeichnet den Chemiepark Knapsack mit seinem Fokus auf Kreislaufwirtschaft als idealen Standort für die Anlage. „Gemeinsam mit Yncoris schaffen wir hier die Basis für eine zukunftsorientierte, kreislaufbasierte PET-Industrie unabhängig von fossilen Rohstoffen“, so Hackler. „Gleichzeitig wollen wir beweisen, dass unser Ansatz ökonomisch tragfähig ist und neue Maßstäbe für nachhaltige Lieferketten in diversen Industrien setzen kann.“

Matterr ist bereits das dritte Unternehmen im Chemiepark, das auf Recycling setzt. LyondellBasell baut im neuen Werksteil Hürth-Süd ein integriertes Recycling- und Weiterverarbeitungszentrum für Kunststoffabfälle. Schon seit April 2021 recycelt Palurec in einer Anlage Getränkekartons.

„Unser Plan war und ist es, im Chemiepark Prozessanlagen anzusiedeln, die mit nachhaltigen Produktionen den Stoffverbund erhalten und die lokale Kreislaufwirtschaft stärken“, erklärt Ralf Müller, Vorsitzender der Geschäftsleitung des Chemieparkbetreibers Yncoris. „Matterr passt ausgezeichnet zum Standort.“ An dem Technologieunternehmen sind unter anderem die Klimaschutzstiftung Cooldown Earth, der Second-Hand-Textilhändler Bingo Germany sowie das Modeunternehmen Bestseller beteiligt, zu dem Marken wie Jack & Jones, Vero Moda, Only und Selected gehören.