Warum der Kinder- und Jugendsport die Basis für die langfristige Zukunftsfähigkeit der Vereine bildet.
Interview mit Michael Groll„Der Kreissportbund Rhein-Erft muss Vereine stärker entlasten“

Michael Groll, Vorsitzender des Kreissportbundes (KSB) im Rhein-Erft-Kreis.
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Michael Groll ist kürzlich zum neuen Vorsitzenden des Kreissportbunds (KSB) im Rhein-Erft-Kreis gewählt worden. Der 62-Jährige wohnt in Brühl, ist Professor für Sportmanagement und seit Jahren beim Stadtsportbund in der Schlossstadt aktiv. Seine Hobbys sind Tennis und Kochen. Im Interview mit Udo Beißel spricht er über die anstehenden Veränderungen beim Kreissportbund, über dringend und kurzfristig gesuchte Räume für den KSB und wie die Vereine in Zukunft entlastet werden können.
Sie sind neuer Vorsitzender des Kreissportbundes Rhein-Erft. Welche Aufgaben sehen Sie aktuell als am dringendsten an?
Die aktuell dringendste Aufgabe ist das Finden einer neuen Geschäftsstelle, weil ab März das Haus der Vielfalt in Niederaussem saniert wird. Für eine Übergangszeit von drei Jahren benötigen wir Büro- und Lagerräume. Wer Ideen hat, kann sich gerne bei mir melden. Parallel dazu arbeiten wir daran, uns einen Überblick über den Status Quo des KSB zu verschaffen. Danach müssen wir dann die Satzungsarbeit wieder aufnehmen und solche Strukturen schaffen, mit denen auf demokratische Art und Weise die tatsächlichen Bedarfe der Mitgliedsvereine kanalisiert und priorisiert werden können.
Viele der 420 Sportvereine im Rhein-Erft-Kreis kämpfen mit Nachwuchs- und Ehrenamtsproblemen. Wo wollen Sie konkret ansetzen?
Zum Beispiel beim Wissens- und Erfahrungsaustausch auf breiter Front. In der Vergangenheit fand dieser Austausch nur sehr vereinzelt statt. Gute Lösungen einer Kommune oder einzelner Vereine wurden nicht als Blaupause an andere weitergegeben und Lösungsansätze mussten bisher immer wieder mit viel Kraft neu gefunden werden. Außerdem muss der Kreissportbund die Vereine stärker entlasten und als verlässlicher Servicepartner auftreten, etwa durch Unterstützung bei Förderanträgen, rechtlichen Fragen, Bürokratie und Qualifizierung. Dann haben die Vereine auch wieder mehr Zeit, sich um die inhaltlichen Dinge zu kümmern.
Welche sportpolitischen Erwartungen haben Sie an Kreis und Kommunen, um Vereine langfristig zu stärken?
Die Sportförderung steht in vielen Kommunen, bei denen eine Haushaltssperre oder ein Haushaltssicherungskonzept greift, als freiwillige Leistung auf der Kippe. Wir müssen sicherstellen, dass diese Leistungen kein Verbrauchsgut sind, sondern ebenso wie Neubauten als Investition in die Zukunft betrachtet werden, eine Investition in unsere Kinder und unsere Gesellschaft. Das Ehrenamt leistet enorm viel in unserem Sozialsystem, aber ohne das Fundament der Sportförderung drohen etablierte Strukturen zusammenzubrechen. Außerdem hoffen wir auf eine strukturierte und fruchtbare Zusammenarbeit mit der Kreisverwaltung zum Wohle des Sports.
Welche Bedeutung messen Sie dem Kinder- und Jugendsport in Ihrer Amtszeit bei – auch mit Blick auf Schulen und Kitas?
Das ist ein strategisches Kernthema: Kinder- und Jugendsport bildet die Basis für die langfristige Zukunftsfähigkeit der Vereine, sichert Mitgliedernachwuchs und stärkt die Vereinsstrukturen nachhaltig. Für die Kinder selbst ist frühes Sporttreiben die Grundlage für lebenslanges Sporttreiben. Die Sportvereine müssen aktiv in die Schule gehen sowie die Bewegungsförderung in Kitas organisieren. Möglichkeiten gibt es viele, Initiativen wie die Schwimmassistenz in Brühl und demnächst auch in Wesseling, mit denen der Ausfall von Schwimmunterricht stark reduziert werden kann, sind zur Nachahmung empfohlen.
Woran sollen die Menschen im Rhein-Erft-Kreis am Ende Ihrer Amtszeit erkennen, dass sich im Kreissportbund etwas bewegt hat?
Hauptsächlich daran, dass ein anderer KSB-Spirit sichtbar geworden ist. Der Kreissportbund soll als Dienstleister für die Sportvereine wahrgenommen werden. Wir wollen den Schwerpunkt von Verwaltung zu Gestaltung verschieben, für unsere und mit unseren Mitgliedsvereinen. Letztlich wird es auch daran zu erkennen sein, dass wir für eine größere Transparenz auch und gerade bei finanziellen Dingen stehen.
Sie übernehmen den Vorsitz des Kreissportbundes Rhein-Erft in einer nicht ganz einfachen, nachdem der bisherige Vorstand nicht entlastet wurde. Wie haben Sie die Stimmung bei der Mitgliederversammlung erlebt?
Sagen wir es so: Nach der Nicht-Entlastung der beiden bereits zurückgetretenen Vorstandsmitglieder waren die Anwesenden sehr aufgeschlossen, sich mit einem neuen Vorstandsteam auf neue Wege zu begeben. Dass auf der Versammlung dann auch noch der bisherige Finanzvorstand zurückgetreten ist, um gegen mich zu kandidieren, hat sichtliche Irritationen hervorgerufen. Wir haben die freigewordene Position aber bereits wieder besetzen können und sind sehr zuversichtlich, dass wir mehr als nur einen Ersatz gefunden haben.
Welche Konsequenzen ziehen Sie aus der fehlenden Entlastung des alten Vorstands für Ihre eigene Amtsführung?
Transparenz ist jetzt das Wichtigste, in allen Bereichen! Und das nicht nur einmal auf der Mitgliederversammlung, sondern das ganze Jahr über. Das betrifft unsere Vorstandsbeschlüsse, aber eben auch die Berichte, die auf der Jahresversammlung präsentiert werden. Unsere Mitglieder sollen auch die notwendigen Hintergrundinformationen enthalten, damit sie ihre Entscheidungen wissensbasiert treffen können. Die bloße Präsentation dürrer Zahlenreihen mit blumigen Erläuterungen gehört jedenfalls der Vergangenheit an.

