Kerpen – Mädchen spielen gern Theater. Dieser Eindruck entsteht beim Blick in die zehnjährige Geschichte der jungen Theater-AG des Kerpener Gymnasiums. Momo, die rote Zora, Timm Thaler, Krabat, Brüder Löwenherz, die Vorstadtkrokodile – rund 200 junge Menschen beteiligten sich an den Aufführungen der vergangenen Jahre. Die meisten davon waren Mädchen.
Auch bei der diesjährigen Aufführung des Stückes „Tintenherz“ nach einem Buch von Cornelia Funke war nur ein Junge dabei, nämlich Gereon Schaefer in der Rolle des Cockerell. Das fiel aber nicht weiter auf. Die jungen Damen in den Herrenrollen machten ihre Sache nämlich sehr gut. Allen voran Lea Fitzen als Mo. Sie spielte den Buchbinder, der etwas kann, das andere nicht können: Er schafft es, Figuren aus Büchern „herauszulesen“. Erst als Staubfinger (Eva Badem) auftaucht und ihn um Hilfe bittet, bekommt Mos Tochter Meggie (Grete Kind) mit, dass irgendetwas nicht stimmt. Plötzlich wird alles anders. Mo wird von Basta (Tamara Schmitz) und Flachnase (Viktoria Heeg) entführt.
Männliche Unterstützung
Gemeinsam mit Tante Elinor (Lilli Joachim) machen sich Meggie und Staubfinger auf die Suche nach dem Vater. Es geht um ein Buch, das der Bösewicht Capricorn haben will. Sie landen im „Dorf des Teufels“ und treffen dort auf den Schriftsteller Fenoglio (Anne Lenz) und den Hirtenjungen Farid (Nafissa El Ali).
Das Publikum in der Aula verfolgte gespannt, ob die Helden es schafften, Capricorn zu besiegen und die Figuren zu befreien. Apropos Capricorn – die Mädchen hatten tatsächlich doch noch weitere männliche Unterstützung. Capricorn wurde nämlich von Hartmut von Boetticher, dem Leiter der Theater-AG, gespielt. Der Lehrer legte sich so richtig ins Zeug. Er musste sich sogar in der Rolle heftig beschimpfen lassen.
Obwohl das alles nur Theater war, reagierte der ein oder andere Schüler im Publikum dennoch etwas irritiert. „Wir hatten während der Proben viel Spaß“, erklärte der Lehrer nach der Veranstaltung. „Die Kinder haben gesagt, dass der Bösewicht eigentlich nur von einem Lehrer gespielt werden kann. Auch für mich war das eine tolle Erfahrung.“
Rollen gab es für alle teilnehmenden Schüler der Klassen sieben und acht. Auch wenn sie nicht so viel zu sagen hatten. Da waren etwa auch Capricorns Männer, die von Nele Engelhard, Esranur Göcmen, Paulina Möller, Seda Demirel, Sarah Kresse, Svea Maier, Gökce Sarigöl und Roxane Rudolph gespielt wurden. Auch die Mägde Erva Cavus und Victoria Senior waren dabei.
Das Stück wirkte auch durch die schummrige Atmosphäre. Niklas Amrein, Niklas Goerke, Annika Borries und Tugce Yilmaz rückten die Szenen ins rechte Licht. Ein gezimmertes Auto, eine üppige Bücherwand und ein Käfig bereicherten das Bühnenbild, das die Mitglieder der Theater-AG mit Georg von Laufenberg und Klaus Holper gestaltet haben.
Wenn das Licht ausging, machten sich Bühnenhelfer emsig ans Werk, um umzubauen. Dazu gehörten Marie Boese, Sevde Nur Cetinkaya, Ilias Essaida, Marie Graes, Sandra Kramer, Max Krüger, Cynthia Rostek, Ruth Weber, Lara Weigand, Celina Wendel und Anna Wulsche.
Anlässlich des Jubiläums spielten die jungen Theaterkünstler im Anschluss an die Vorstellung Szenen aus den zurückliegenden Stücken. Die Bühnenhelfer schlüpften beispielsweise nochmals in ihre alten Rollen, die sie bei der Aufführung der Vorstadtkrokodile innehatten. Rund 200 Zuschauer, darunter viele ehemalige AG-Teilnehmer, applaudierten begeistert.