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Jubiläum in KerpenHorrem hieß einst „Sumpfheim“

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Die Bahnlinien haben Horrem geprägt und wesentlich zum Aufschwung des mindestens 1150 Jahre alten Ortes beigetragen.

Kerpen-Horrem – Horrem ist heute ein beliebter Wohnort. Dank seiner Nähe zu Köln und seiner exzellenten Bahn- und Straßenanbindung wird der Ort besonders von Berufspendlern geschätzt. Der Braunkohlenbergbau und die Bahnlinien waren die Schlüssel zum Aufschwung. Bald wird gefeiert, denn in wenigen Tagen wird Horrem offiziell 1150 Jahre alt.

In einer Urkunde vom 21. Mai 864 wird der Ort an der Erft im Zuge eines Gütertausches von König Lothar II. von Lothringen mit der Benediktinierabtei Prüm als Siedlung „Horoheim“, das heißt „Sumpfheim“, erstmals erwähnt. Das Erftgebiet war in früheren Zeiten infolge der vielen toten Nebenarme stark versumpft.

Römische Kornkammer

Schon in römischer Zeit war das Land an der Erft besiedelt. Die Region diente den römischen Besatzungstruppen als Kornkammer für ihre Versorgung. 1923 wurden beim Straßenbau römische Gräber mit hochinteressanten Funden zerstört. Wegen der vielen entdeckten Glasscherben vermutete man dort eine römische Glashütte. Einer der Schädel war mit einer wertvollen Glasschale bedeckt, die heute in der Dauerausstellung des Römisch-Germanischen Museums in Köln zu sehen ist.

1938 wurden in Horrem römische Wasserleitungen gefunden, auch ein römisches Grab wurde entdeckt. Zwei Bronzen, darunter eine Plakette mit einer erotischen Darstellung, wurden vor dem Zweiten Weltkrieg am Höhenweg ausgegraben, wie Stadtingenieur Eduard Vaessen 1950 beschrieb.

Horrem war durchzogen von Bächen, unter anderem dem Hemmersbach, der aus einer Quelle an der Kreuzung von Clemens- und Burgstraße entsprang, durch einen offenen Graben an der Südseite der Burgstraße und weiter als Rottelsbach durch ein offenes Bett an der Nordseite der Merodestraße entlang floss, um schließlich in den Mühlengraben an der kleinen Erft zu münden. Mit der Kanalisierung fiel dieser Bach, der dem heutigen, südwestlichen Horremer Bereich seinen Namen gab, trocken. Doch der Name Hemmersbach war prägend für Horrem. Hemmersbach war Stammsitz des gleichnamigen Adelsgeschlechts. Dessen Burg, bereits 1240 erwähnt, lag westlich der Kleinen Erft an der Verlängerung der Merodestraße.

Bis zum Einmarsch der Franzosen 1794 gehörte Horrem zur „Unterherrschaft Hemmersbach“ im Amt Bergheim, das zum Herzogtum Jülich gehörte, wie Susanne Harke-Schmidt vom Kerpener Stadtarchiv mitteilte. Zur Unterherrschaft gehörten neben Horrem und Hemmersbach auch Götzenkirchen, Bottenbroich, Boisdorf, Habbelrath, Grefrath und die Höfe Holzhausen und Röttgen.

Unter französischer Herrschaft gehörte Horrem zur Mairie Sindorf. Nach dem Wiener Kongress 1815 wurde der Kreis Bergheim gebildet. Horrem blieb bei der Bürgermeisterei Sindorf, die sich 1837 in die zwei „Spezialgemeinden“ Hemmersbach und Sindorf trennte. Das durch die Bahnstrecken und seine wirtschaftliche Bedeutung gewachsene Horrem bekam 1905 ein eigenes Rathaus an der Ecke der heutigen Haupt-/Rathausstraße. Elektrischen Strom gibt es in Horrem seit 1912.

Blut zu Kunstdünger verarbeitet

Ein Braunkohlebergwerk, eine Glasfabrik, eine Kalkbrennerei, eine Blutmehlfabrik, wo tierisches Blut zu Kunstdünger verarbeitet wurde, Ziegeleien und das maschinentechnische Geschäft der Firma Witt sowie die Gründung der Horremer Brikettfabrik 1887 markieren wichtige Punkte der Industrialisierung im 19. Jahrhundert.

Wesentlich aber war der Bau der Bahnstrecke Köln-Aachen von 1839 bis 1841. 1896 nahm die Erftbahn von Liblar nach Bedburg den Betrieb auf. Sie habe den „einfachen Haltepunkt Horrem zum wichtigsten Bahnknotenpunkt der linksrheinischen Braunkohle“ gemacht, resümiert Vaessen.

Wegen der guten Erreichbarkeit wurde Horrem auch als Schulstandort immer wichtiger, für die Stadt Kerpen, zu der Horrem seit 1975 gehört, und für die Region. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Trotz Gewerbe, Bahn und Straßen ist Horrem von Wald umgeben. An den früheren Wildbestand kommt das Naturschutzgebiet aber nicht heran. Sogar Wölfe gab es früher. 1799 wurde der letzte Edelhirsch zur Strecke gebracht. Wildkatzen, Baummarder und sogar Fischotter lebten dort.

Horrem ist stetig gewachsen: Lebten 1860 in der „Spezialgemeinde Hemmersbach“ nur 1304 Menschen, so sind es heute über 12 000, plus 934 in Neubottenbroich. Die Folge: Horrem, Götzenkirchen und Neubottenbroich sind längst verschmolzen.