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Lesung in der JahnhalleAutor Jan Weiler erzählt in Kerpen vom Leben zwischen „Pubertieren“

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Das Bild zeigt den Autor sitzend auf der Bühne, er hat sein Buch aufgeschlagen und liest daraus, vor ihm ein Mikrofon, ein Glas und eine Flasche Wasser.

Jan Weiler sieht seine Aufgabe als Chronist der Pubertät seiner Kinder am Ende angelangt.

Für den Romanschreiber und Zeitungskolumnisten ist auch die Trennung von der Ehefrau kein Tabuthema. Rund 140 Fans waren bei der Lesung.

Jan Weiler schreibt Zeitungskolumnen, Romane und Drehbücher, und man kann ihn einen Erfolgsautor nennen. Vor allem mit den „Pubertier“-Geschichten aus dem Familienleben mit Heranwachsenden hat er sich eine große Fangemeinde erschrieben. Rund 140 Fans wollten den gebürtigen Düsseldorfer und Wahl-Münchener am Freitagabend in der Jahnhalle lesen hören und sehen.

Für Bettina Tabert aus Köln ist der Abend ein Gewinn, bevor er überhaupt begonnen hat. Sie hatte an der Verlosung der Redaktion von zweimal drei Eintrittskarten teilgenommen – und gewonnen. „Ich habe viele Kolumnen von Jan Weiler gelesen und mich sehr gefreut, als die Mail kam, dass ich zu den Gewinnern gehöre.“ Tabert hat mit zwei Freundinnen in der dritten Reihe Platz genommen.

Kerpen: Zwei Stunden Lesung mit Jan Weiler

Ilka Regner und ihr Mann haben es sich weiter hinten im Saal bequem gemacht. „Wir haben die Karten sehr spontan gekauft“, erzählt die Mutter einer Tochter, die in Horrem lebt. Ihr Mann ist ein richtiger Weiler-Kenner. Er hat die Romane „Munk“ und „Der Markisenmann“ gelesen, den Film „Maria, ihm schmeckt‘s nicht“ gesehen, kennt die Pubertier-Stücke, hat Weiler in Talkshows erlebt. „Das ist alles sehr amüsant, und Jan Weiler finde ich sehr sympathisch“, sagt Helmut Regner.

Fast zwei Stunden lässt Weiler das Publikum teilhaben an Abendessengesprächen, Begegnungen mit dem Schulpflegschaftsvorsitzenden Ulrich Dattelmann, einem Konzertbesuch und dem Versuch, dem schulfaulen Sohn ein glaubwürdiges Argument zu entlocken, dass er an diesem Morgen auf keinen Fall zum Unterricht gehen kann.

Mit „Das Beste – mein Leben zwischen Pubertieren“ endet die Aufgabe als Chronist

Selbst die Trennung von der Ehefrau und das weitere Leben in einer Mutter-Tochter- und einer Vater-Sohn-WG hat Weiler zu amüsanten Episoden geformt. Das ist sprachwitzig, lakonisch, selbstironisch und in der Jahnhalle sicher noch unterhaltsamer, als wenn man die Texte leise für sich läse. Denn Weiler ist ein entspannter Gastgeber. Er kumpelt sich nicht an die Zuhörerinnen und Zuhörer heran, sondern setzt auf seine Stimme, gelegentliche halbtheatralische Gesten und auf einfach gute kleine Geschichten.

„Das Beste – mein Leben zwischen Pubertieren“ ist das Ende einer Ära, wie Weiler auf seiner Website erklärt. Die beiden Kinder sind erwachsen und längst ausgezogen. Seine Rolle als Chronist ihrer Pubertät sei nun einmal vorbei. Für das letzte „Pubertier“-Buch hat er ältere Texte ausgewählt und überarbeitet, sieben bisher nicht in Buchform veröffentlichte kamen hinzu. Die wöchentliche Kolumne „Mein Leben als Mensch“ in der Zeitung Welt am Sonntag und im Radio bei Bayern 2 werde es allerdings weiter geben. Am Tag vor dem Auftritt in Kerpen habe er Folge Nummer 988 geschrieben, erzählt der 58-Jährige.

Wer am Freitag nicht dabei sein konnte: Im Film „Die Ältern“, der derzeit im Kino läuft, sind laut Weiler Dialoge und Episoden des Best-Of-Buchs zu hören und zu sehen.