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Hohe AnforderungenDarum leidet die Feuerwehr im Rhein-Erft-Kreis unter Fachkräftemangel

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Das Foto zeigt Menschen, die einen Dummy auf einer Liege transportieren.

Beim Bewerbertag der Feuerwehr Kerpen lernten die Teilnehmer die Technik kennen.

Schichtdienst und körperliche Anforderungen machen die Arbeit als Feuerwehrmann oder -frau anstrengend.

Nur zehn Teilnehmer waren Ende des vergangenen Jahres beim Bewerbertag der Kerpener Feuerwehr dabei. Weniger als im Vorjahr, bestätigt Feuerwehrsprecher Daniel Eßer auf Anfrage. „Wie nahezu alle Feuerwehren und Rettungsdienste in Nordrhein-Westfalen spürt auch die Feuerwehr der Kolpingstadt Kerpen die Auswirkungen des allgemeinen Fachkräftemangels, insbesondere im Bereich der feuerwehrtechnischen Berufe sowie im Rettungsdienst“, berichtet er. Doch woran liegt das?

Eßer sagt, die Anforderungen an die Qualifikationen seien im Rettungsdienst und im Brandschutz hoch. Bewerber müssten belastbar und einsatzbereit sein. „Viele Bewerberinnen und Bewerber scheuen die physische und psychische Belastung, Schichtdienste oder Einsätze unter erschwerten Bedingungen“, erklärt er.

Konkurrenz um Fachkräfte mit der Privatwirtschaft

Eine weitere Herausforderung sei der veränderte Arbeitsmarkt: „Zudem konkurrieren öffentliche Arbeitgeber zunehmend mit privatwirtschaftlichen Anbietern um dieselben Fachkräfte“, erläutert Esser. Diese Probleme seien bundesweit zu beobachten. 

Besonders wichtig ist ihm zufolge auch, ausreichend Ausbildungsstellen anzubieten: „Möglichst alle Behörden, Dienststellen und Organisationen sollten Ausbildungsmöglichkeiten eröffnen, um den vorhandenen Bedarf an Fachkräften in der allgemeinen Gefahrenabwehr auch auszubilden.“

Das Foto zeigt einen Feuerwehrmann.

Daniel Eßer ist Feuerwehrmann bei der Kerpener Feuerwehr.

Für die Kerpener Feuerwehr sei derzeit vor allem wichtig, „alle offenen Stellen zeitnah zu besetzen“. Der Personalbedarf sei anhaltend hoch – besonders bei den Notfallsanitätern. Eßer sagt: „Die Zahl der offenen Stellen variiert je nach Fluktuation und laufenden Auswahlverfahren. Ziel der Feuerwehr Kerpen ist es, sämtliche Planstellen dauerhaft mit engagierten und leistungsfähigen Kräften zu besetzen, um die hohe Qualität der Gefahrenabwehr in der Kolpingstadt Kerpen weiterhin sicherzustellen.“

Positiv zu vermerken sei aber vor allem hinsichtlich des jüngsten Bewerbertags der Feuerwehr, dass das inhaltliche Interesse der Teilnehmerinnen und Teilnehmer enorm sei. In diesem Jahr habe die Feuerwehr daher auch den Bewerbertag um eine Stunde verlängert. Die Altersspanne der Interessenten begann bei 16 und endete bei 43 Jahren. Mehrere der Teilnehmenden hätten zudem signalisiert, sich bewerben zu wollen.

Kerpen: Gäste lernten Atemschutzausrüstung kennen

Sie konnten an mehreren Mitmach-Stationen etwa den Umgang mit technischem Gerät ausprobieren und die Atemschutzausrüstung kennenlernen. Besonderes Interesse weckte der Pressestelle zufolge die Teleskopmastbühne. Auch der Rettungswagen zog viele neugierige Blicke auf sich – die Ausstattung und Einsatzmöglichkeiten konnten direkt ausprobiert werden.

Der Bewerbertag ist nicht die einzige Möglichkeit, um die Kerpener Feuerwehr kennenzulernen. So ist die Wehr laut Esser regelmäßig auf regionalen Ausbildungsmessen zu Besuch oder präsentiert die Ausbildungsberufe etwa an Tagen der offenen Tür. Eine wichtige Säule sei zudem die Nachwuchsförderung aus der Jugendfeuerwehr sowie der Einsatz von Bufdis, also Bundesfreiwilligendienstleistender.

Die Ausbildung selbst sei modern, sagt Eßer: „Seit diesem Jahr wird eine eigene feuerwehrtechnische Grundausbildung mit einer anerkannten Bildungseinrichtung angeboten. In diesem Kontext wird versucht, Auszubildenden auch eine kombinierte Möglichkeit der rettungsdienstlichen sowie feuerwehrtechnischen Ausbildung bei entsprechender Eignung zu ermöglichen.“

Wer in Erwägung zieht, bei der Feuerwehr anzufangen, sollte laut Eßer ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein, Teamfähigkeit und Einsatzbereitschaft mitbringen. „Für den feuerwehrtechnischen Dienst werden neben der körperlichen und gesundheitlichen Eignung insbesondere technisches Verständnis, handwerkliches Geschick und die Bereitschaft zum Schichtdienst vorausgesetzt.“

Für den Rettungsdienst hingegen seien „medizinisches Interesse, Einfühlungsvermögen, Stressresistenz und eine hohe soziale Kompetenz von besonderer Bedeutung“. Weiter sagt er: „Unabhängig von der jeweiligen Funktion erwartet die Feuerwehr Kerpen von ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein hohes Maß an Motivation, Engagement und Identifikation mit den Aufgaben der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr.“ Die Feuerwehr Kerpen hat derzeit mehrere Stellen in unterschiedlichen Positionen ausgeschrieben. Weitere Infos sind online zu finden.