Zwei Schülerinnen entwickeln eine Aufklärungsmappe für die Rassismusprävention.
PräventionsprojektKerpener Schülerinnen sagen Rassismus den Kampf an

Grâce Nzinga Kukanina-Kiamba (links), Jolina Silvia Baptista (Mitte) und Lehrerin Katharina Bischoff (rechts) präsentieren die zwölfseitige Mappe zur Rassismusprävention mit dem Titel „Toleranz und Vielfalt“.
Copyright: Merle von Mach
Am 21. März ist der Internationale Tag gegen Rassismus. Doch dieser Tag ist nicht der einzige Grund, warum Grâce Nzinga Kukanina-Kiamba (16) und Jolina Silvia Baptista (15) sich am Europagymnasium alle zwei Wochen mit ihrer Lehrerin Katharina Bischoff treffen.
Ihnen geht es um mehr, denn sie wollen mit ihren Anliegen nicht nur einmal im Jahr gegen Rassismus kämpfen – vielmehr streben sie nach langfristigen Lösungen und Diskursen. Und das am besten dort, wo man im eigenen Wirkungskreis die Problematik angehen kann: ihre Schule. Grâce und Jolina sind selbst Betroffene, als schwarze Schülerinnen sehen sie sich im Alltag, aber auch an ihrer Schule immer wieder mit verletzenden Kommentaren konfrontiert.
Kerpen: Mitschülerin legte rassistische Äußerungen an den Tag
Als es im Jahr 2021 erneut zu einem Vorfall kam, bei der eine Mitschülerin rassistische Äußerungen an den Tag legte, taten Grâce und Jolina sich mit einer weiteren Schülerin zusammen. Sie meldeten den Vorfall zunächst beim Schulleiter und vertrauten sich einander an. Ein nicht nur leidiges, sondern tief emotionales Thema. Am Ende war es der Zusammenhalt, der den Mut beider beförderte, das Problem in der Schule nicht nur offen anzusprechen, sondern bei der Wurzel zu packen und sich mit einer Lehrkraft zusammenzutun, der sie vertrauten.
So schlossen sich Grâce und Jolina mit ihrer Lehrerin Katharina Bischoff zusammen, die nicht nur Workshops für Rassismusprävention anbietet, sondern auch im Arbeitskreis Freiheit und Vielfalt mitarbeitet und sich Gedanken macht, wie man gegen systemischen Rassismus vorgehen kann. Immer mehr drängten sich bei allen dreien die Fragen auf: „Wie begegnen wir Rassismus an unserer Schule? Und was können wir wirklich machen?“ So entstand im Jahr 2025 eine zwölfseitige Mappe, die die beiden Schülerinnen mit Katharina Bischoff gemeinsam erarbeitet haben.
Die Mappe klärt nicht nur auf, was die Ursprünge und Hintergründe von Rassismus sind, sondern bietet Schülerinnen und Schülern, aber auch Lehrkräften eine Art Leitfaden, wie in bestimmten Situationen gehandelt werden kann und was sensible und diskriminierungsfreie Sprache ist. Sie dient auch dazu, nach diskriminierenden Vorfällen Schülerinnen und Schüler zu sensibilisieren. So können sie nach der Lektüre der Mappe unterschreiben, dass sie über antirassistisches Denken und Handeln informiert und belehrt wurden.
Ein besonderer Moment für Grâce und Jolina ergab sich, als sie Anfang Februar vor den gesamten Lehrkräften ihrer Schule ihre erarbeitete Mappe auf der großen Lehrerkonferenz vorstellen konnten: „Es war wie eine Belohnung für unsere monatelange Arbeit, denn das Feedback der anderen Lehrerinnen und Lehrer war echt gut“, erinnern sich die beiden. Sie haben selbst beobachtet, dass ihre Mappe vom Kollegium dankend als „Werkzeug“ angenommen wird.
Selbstbewusst erklärt Grâce: „Wir haben den Fuß im Thema, da wir als betroffene Schülerinnen unsere Erfahrungen teilen können.“ Die Fusion aus persönlichen Erfahrungswerten und Vermittlungs- und Lehrkompetenz zeigt, dass man gemeinsam durch offenes, respektvolles Zuhören und Selbstreflexion durchaus etwas bewirken kann. Zeit, der Unwissenheit zu trotzen und nicht zuletzt: zuhören, lesen und Solidarität zeigen!

