Der Vorstand schickt Plonsker, Okos und Golland ins Landtagswahl-Rennen. Kein Wunder: Die drei stehen an der Spitze ihrer Partei.
Viele Ämter für wenigeAn diesem CDU-Trio aus Rhein-Erft führt kein Weg vorbei


Thomas Okos (l.), Romina Plonsker (2.v.r.) und Gregor Golland (r.) möchten auch nach der Landtagswahl 2027 Seite an Seite mit Hendrik Wüst Politik machen.
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Möglicherweise findet Dr. Marc Prokop bei einem guten Abendessen die Antwort auf die Frage, die er sich als Brühler Bürgermeister seit Wochen stellt: Wie kann die empfindliche Schieflage der Finanzen in der Schlossstadt behoben werden? Bei dieser Gelegenheit muss er sich um sein eigenes Portemonnaie jedenfalls keine Gedanken machen. Grundsätzlich verdient Prokop als Bürgermeister eh nicht schlecht, aber diese Rechnung geht aufs Haus, genauer: auf seine Partei.
Hürther CDU hat 2025 die meisten neuen Mitglieder gewonnen
Die CDU hat dem 57-Jährigen einen Restaurantgutschein spendiert, weil er 2025 neben Elisabeth Buchholz, Rolf Elsen und Birgitt Baus die meisten neuen Mitglieder geworben hatte. Über die Höhe gaben die Christdemokraten nichts bekannt. Es dürfte aber über den Wert der einzelnen Gutscheine hinausgehen, die Prokop im Wahlkampf für den Besuch eines Dönerladens lockergemacht hatte.
Gleichwohl hat sein Werben um neue Mitglieder nicht ausgereicht, damit die Brühler Christdemokraten den imaginären Titel als erfolgreichster Stadtverband einheimsen konnten. Den schnappten ihnen die Nachbarn aus Hürth weg, auch Pulheim war einen Ticken erfolgreicher bei der Rekrutierung neuer Mitglieder. Deren Zahl beträgt derweil zwischen Wesseling und Bedburg mehr als 3000, ließ eine Sprecherin der Kreispartei diese Tage wissen.
Rhein-Erft: Frauen sind bei der CDU unterrepräsentiert
Was dann auch der stellvertretende Leiter der Hauptabteilung Mitglieder- und Parteiservice in der CDU-Bundesgeschäftsstelle, Frank Niebuhr, bei einer Feier im Helmut-Kohl-Haus in Frechen anerkennend bemerkte. Er habe zudem „wertvolle Hinweise und Strategien für die Gewinnung neuer Mitglieder und ihre Einbindung in die aktive Parteiarbeit“ gegeben, heißt es in einer Mitteilung aus der CDU-Parteizentrale im Rhein-Erft-Kreis weiter.
Inwieweit Niebuhrs Empfehlungen auf offene Ohren gestoßen sind, ist nicht bekannt. Denn zum einen krankt die CDU daran, dass es ihr im Jahr 2026 immer noch nicht gelungen ist, auf breiter Basis Frauen in relevante politische Positionen einzubinden: Bei der Besetzung der 33 Bezirke für die Kreistagswahl fanden sich im vorigen Herbst gerade einmal acht Frauen. Das gelingt anderen, deutlich kleineren Parteien erheblich besser.
Es spricht einiges dafür, dass dieser Umstand hausgemacht ist. Denn in keiner anderen Partei im Kreis ist eine derartige Ämterhäufung zu beobachten wie bei den Christdemokraten. Das wurde in dieser Woche erneut sichtbar: Da hieß es in einer weiteren Mitteilung der Partei, dass sich der CDU-Parteivorstand geschlossen für eine erneute Kandidatur der Landtagsabgeordneten Romina Plonsker, Gregor Golland und Thomas Okos ausgesprochen habe.
Das liest sich nicht ganz ohne Amüsement. Schließlich ist die Pulheimerin Vorsitzende, und die beiden Männer sind ihre Stellvertreter. Schwer vorstellbar, dass da jemand der 14 übrigen Mitglieder im Vorstandsteam widersprechen wollte, als die Amtierenden kund taten, wieder antreten wollen.
Rhein-Erft: Anreize schafft die CDU mit ihrer Art der Ämterhäufung nicht
Erstaunlich ist zudem auch, dass diese drei weitere maßgebliche Schlüsselpositionen besetzen: Auch im Kreistag führt an ihnen kein Weg vorbei, wenn auch in anderer Rollenverteilung: Da ist Golland die Nummer 1. Okos steht zudem an der Spitze der CDU in Frechen, Plonsker sitzt im Landesvorstand.
Nun strebt gewiss nicht jedes der 3000 Mitglieder nach einer politischen Karriere – aber Anreize schafft die CDU mit ihrer Art der Ämterhäufung gewiss nicht.
