Kritik äußert der VBE an Unklarheiten wegen der Betreuung im Offenen Ganztag. Er sorgt sich zudem um ausreichende technische Unterstützung.
Lehrer in Rhein-Erft verteidigen Fellers Entscheidung für Distanzunterricht

Ein Schüler löst am Laptop zu Hause seine Schulaufgaben, die ihm seine Lehrer für den Tag über den Schulserver geschickt haben.
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Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) hält die Kritik an NRW-Schulministerin Dorothee Feller wegen des Distanzunterrichts am Montag (12. Januar) für unberechtigt. Er habe es genau richtig gefunden, dass die CDU-Politikerin eine verbindliche landesweite Regelung getroffen habe, sagte Johannes Schuck auf Anfrage dieser Redaktion. Er gehört dem Vorstand des VBE im Rhein-Erft-Kreis an. Schließlich habe die Unwetterwarnung für ganz NRW gegolten. Die Verantwortung für alle Entscheidungen und deren Kommunikation an jede einzelne Schule abzugeben, hätte indes gerade Grundschulen, deren Sekretariate nicht täglich besetzt seien, überfordert.
Dies bekräftigt Maria Petersen, Grundschullehrerin und Mutter aus Frechen: „Die Nachricht von Frau Feller ist bei mir als verantwortungsvolle Vorsichtsmaßnahme angekommen. Die Wetterlage mit angekündigtem Glatteis war durchaus unsicher, und in solchen Situationen ist es aus meiner Sicht richtig, frühzeitig zu reagieren.“
Das war deutlich sinnvoller als kurzfristige Entscheidungen ‚zu Unzeiten‘, wie wir sie in der Vergangenheit leider mehrfach erlebt haben
Gerade als Lehrerin und Mutter finde sie eine rechtzeitige Mitteilung sehr zielführend: Familien konnten verlässlich planen, Kinder mussten nicht bei potenziell gefährlichen Bedingungen losgeschickt werden, und auch der Schulweg blieb besser kalkulierbar. „Das war deutlich sinnvoller als kurzfristige Entscheidungen ‚zu Unzeiten‘, wie wir sie in der Vergangenheit leider mehrfach erlebt haben“, sagt Petersen. Natürlich sei es immer ein Abwägungsprozess – aber bei Glatteis gelte aus ihrer Sicht eindeutig: lieber einmal zu vorsichtig als zu spät.
Als „sehr vorausschauend und wertschätzend“ befand auch Judith Vogelsang, Grundschullehrerin an einer Hürther Schule und selbst Mutter, die Entscheidung des Ministeriums, die Schulen NRW-weit wegen einer Glatteiswarnung nicht zu öffnen. Bei einer solchen Wetterlage könne es punktuell vielleicht als übertrieben erscheinen, Kinder zu Hause zu lassen und Distanzunterricht abzuhalten. Aber es habe viele Bereiche in Nordrhein-Westfalen gegeben, wo es am Morgen spiegelglatt gewesen sei und es möglicherweise auch sehr gefährlich gewesen wäre, den Schulweg anzutreten, stellt Vogelsang fest.

Judith Vogelsang unterrichtet an einer Hürther Grundschule.
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Kritik kam von der FDP im Landtag. „Haben wir nicht aus der Pandemie gelernt? Was ist mit milderen Mitteln? Ausfall der ersten Stunde? Regulärer Unterricht ohne Präsenzpflicht statt Notbetreuung?“, schrieb FDP-Landeschef Henning Höne am Sonntagabend auf X (früher Twitter). Auch bei Eltern stieß Fellers Entscheidung auf Unverständnis. Wer nicht im Home-Office arbeiten oder sein Kind anderweitig betreuen lassen konnte, hatte mitunter ein Problem.
Petra Arndt, Schulleiterin der Carl-Sonnenschein-Schule in Bergheim, weist auf einen Mangel in der Kommunikation durch das Schulministerium hin. Von einer richtigen Notbetreuung sei in Fellers Schreiben nicht die Rede gewesen. Daher sei es an ihrer Schule neben der Organisation des Distanzunterrichts auch darum gegangen, Kinder aufzufangen, deren Eltern die Nachricht gegebenenfalls nicht erhalten hatten.
VBE vermisst klare Aussage zur Betreuung im Offenen Ganztag
Diesen Aspekt nennt auch Schuck, als VBE-Vorstandsmitglied für die Pressearbeit zuständig. Es sei unausgesprochen geblieben, ob es für Grundschulkinder, die im Offenen Ganztag angemeldet sind, eine verbindliche Notbetreuung geben solle. Er fragt: Mussten die Schulleitungen daher Schülerinnen und Schüler, deren Eltern die Schließung der Schulen nicht mehr rechtzeitig erreicht hat und die deshalb im Schulgebäude eintrafen, angemessen beaufsichtigen?
Eine klare Aussage vom Ministerium, dass „OGS-Kinder wie gewohnt bis zum Ende der normalen Betreuungszeit in der Schule beaufsichtigt werden“, wäre laut Schuck hilfreich gewesen. So hätte eine alleinerziehende OP-Schwester schon am Sonntag die Information gebraucht, ob ihr Kind am Montag von 8 bis 16 Uhr verlässlich betreut ist.
Als erschreckend habe er empfunden, dass mindestens ein schulischer IT-Dienstleister (citeq@school, der städtische IT-Dienstleister für die Stadt Münster) schon am Sonntag angekündigt hatte, dass seine Infrastruktur den Videokonferenzansturm nicht schaffen werde. Daher wäre es aus Sicht des VBE-Vorstandsmitglieds auch für die Zukunft wichtig zu wissen, wie netcologne und Aix-Concept als die beiden führenden IT-Dienstleister im Rhein-Erft-Kreis am Montag mit dem Ansturm auf die Videokonferenztools klargekommen sind und zukünftig klar kommen würden.
Wenn dauerhaft nicht die Serverkapazitäten für Distanzunterricht gegeben sind, wäre der Erlass zum Distanzunterricht „eine Lachnummer“, findet Schuck. Eine andere stelle sich darin, ob aktuell auch alle Schulen wieder über funktionstüchtige, gewartete Endgeräte verfügen. Seiner Kenntnis nach sei die erste Generation bereits überholt, das Ende des Supports von Windows 10 am Oktober 2025 werde dazu wohl auch einiges beigetragen haben.

Johannes Schuck ist Pressesprecher des VBE.
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Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) vertritt eigenen Angaben zufolge als parteipolitisch unabhängige Gewerkschaft die Interessen von ca. 164 000 Pädagoginnen und Pädagogen – aus dem frühkindlichen Bereich, Primarstufe, Sekundarstufen I und II und dem Bereich der Lehrkräftebildung – in allen Bundesländern. Vorsitzende im Rhein-Erft-Kreis ist Sandra Zieße-Junghans. (jtü)

