Fieber, Atemnot, Stürze, Vergiftungen: Kinderkrankenschwester Karla Mertes gibt Tipps bei Notfällen Rhein-Erft-Kreis.
Kinderkrankenschwester in Rhein-Erft:So können kleine Kinder vor Gefahren geschützt werden

Karla Mertes ist Familienkinderkrankenschwester im Gesundheitsamt des Rhein-Erft-Kreises.
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Wer ein kleines Kind hat oder gelegentlich betreut, weiß: Wenn es plötzlich hohes Fieber bekommt oder ein Stück Plastik im Hals stecken bleibt, muss schnell gehandelt werden. Karla Mertes, Familien-, Gesundheits- und Kinderkrankenschwester beim Rhein-Erft-Kreis, erläutert im Gespräch mit Beate Schwarz, was für Kinder bis zu sechs Jahren besonders gefährlich ist und wie man sie schützt.
Frau Mertes, in Deutschland sterben etwa vier von 1000 Kindern, bevor sie fünf Jahre alt werden. In Ländern südlich der Sahara sind es um die 100. Was sind die häufigsten Ursachen in Deutschland?
Karla Mertes: Die meisten Todesfälle treten bei Neugeborenen in den ersten vier Lebenswochen auf. Häufig sind Frühgeburt, Komplikationen bei der Geburt oder angeborene Erkrankungen der Grund. Bei Kindern bis drei Jahren sind es Hirnhautentzündungen, der plötzliche Kindstod, Unfälle oder seltene Erkrankungen. Ab dem ersten Lebensjahr sind Unfälle die häufigste Todesursache bei Kindern.
Worauf muss man bei Säuglingen achten?
Dem plötzlichen Kindstod können Sie zumindest teilweise vorbeugen – durch eine rauchfreie Umgebung, Schlafen in Rückenlage bei einer Raumtemperatur von 16 bis 18 °C und Stillen. Auch Fieber sollte bei kleinen Kindern ernst genommen werden: Ein Baby unter drei Monaten sollte bereits ab 38 Grad Celsius Fieber dem Kinderarzt vorgestellt werden. Bei Kindern unter einem Jahr gilt das ab 38,5 Grad Celsius – wenn mindestens ein zusätzliches Warnzeichen auftritt.
Was sind diese Warnzeichen?
Das Kind reagiert empfindlich auf Berührung, hat starke Schmerzen oder Luftnot, trinkt nicht oder das Fieber hält länger als drei Tage an. Diese Warnzeichen gelten für Kinder aller Altersstufen.
Was tue ich bei einem Fieberkrampf?
Ein Fieberkrampf kann auftreten, wenn die Temperatur sehr schnell steigt. Das Gehirn kleiner Kinder kann diesen Sprung noch nicht verarbeiten, deswegen krampft der Körper. Legen Sie das Kind auf einen sicheren Untergrund, damit es sich nicht verletzt. Nicht festhalten und den Notarzt rufen.
Kinder unter sechs Jahren haben häufig Pseudokrupp.
Pseudokrupp ist eine Erkrankung, die Eltern oft beunruhigt. Durch eine Atemwegsinfektion schwellen nachts plötzlich die Schleimhäute im Kehlkopfbereich an. Typische Symptome sind Atemnot, keuchende Geräusche beim Einatmen und ein bellender Husten. Wichtig ist, das Kind zu beruhigen, in eine aufrechte Position zu bringen und kühle Luft atmen zu lassen – zum Beispiel am offenen Fenster oder draußen. Ein Notarzt ist in der Regel nicht nötig, außer die Atemnot hält an oder die Lippen werden blau. Am nächsten Tag sollte das Kind aber dem Arzt vorgestellt werden.
Welche Notfälle kommen außerdem häufig vor?
Bei sehr kleinen Kindern sind es Stürze – zum Beispiel vom Wickeltisch oder wenn das Kind unangeschnallt in der Babyschale liegt oder wenn die Babyschale nicht auf dem Boden steht und das Kind sich so stark bewegt, dass es mit der Babyschale herunterfällt. Häufig sind auch Notfälle der Atmung.
Weil das Kind etwas verschluckt?
Ja. Kinder halten sich ja viel näher am Boden auf als Erwachsene. In meinen Kursen ist die am häufigsten gestellte Frage: Was tue ich, wenn das Kind eine Knopfbatterie verschluckt hat?
Was antworten Sie?
Einen Legostein oder eine Spielfigur hinunterzuschlucken, ist in der Regel nicht dramatisch. Bleibt der Gegenstand aber stecken oder hat das Kind eine Batterie verschluckt, muss man sofort handeln. Am besten legen Sie das Kind mit herunterhängendem Oberkörper auf den Unterarm oder über den Oberschenkel und klopfen mit der Hand auf den Rücken in Höhe der Schulterblätter. Bei einer heruntergeschluckten Batterie bringen Sie Ihr Kind sofort in die Notaufnahme oder rufen den Rettungsdienst. Ist das Kind älter als ein Jahr, können Sie ihm als Sofortmaßnahme zwei Teelöffel Honig geben.
Wie gefährlich sind Zigarettenkippen im Sandkasten?
Weniger gefährlich als viele Menschen meinen! Bei Kindern unter einem Jahr sollten Sie die Giftnotrufzentrale anrufen, wenn es drei Stummel oder eine ganze Zigarette gegessen hat. Das ist aber unwahrscheinlich. Gefährlicher ist ein voller Aschenbecher, der im Regen stand. Wenn ein Kind den Sud trinkt, sollte man den Mund ausspülen, aber kein Erbrechen herbeiführen, es Wasser trinken lassen und die Giftnotrufzentrale kontaktieren. Diese Maßnahmen gelten auch, wenn ein Kind Reinigungs- oder Waschmittel geschluckt hat.
Warum soll man das Kind nicht erbrechen lassen, wenn es Reinigungs- oder Waschmittel gegessen hat?
Sie enthalten ätzende Substanzen. Bei Erbrechen können sie die Speiseröhre ein zweites Mal verätzen.
Wie mache ich den Haushalt kindersicher?
Versetzen Sie sich in ein kleines Kind: Es ist neugierig und ständig auf Entdeckungstour. Alles, was greifbar ist, wird erkundet – ein Kabel, eine Tasse heißer Kaffee oder ein scharfes Messer auf dem Tisch. Besonders Kinder unter vier Jahren haben noch keinerlei Gefahrenbewusstsein. Sie können Risiken nicht einschätzen und handeln impulsiv. Auch ältere Kinder müssen das erst lernen.
Auf was muss ich bei Pflanzen achten?
Viele beliebte Garten- und Zimmerpflanzen, Beeren, Samen und Pflanzensäfte können gefährlich werden, wenn Kinder sie in den Mund nehmen oder verschlucken. Grundsätzlich sollten Kinder die Hände waschen, wenn sie vom Spielen ins Haus kommen.
Sollten Eltern, Großeltern und andere Betreuende spezielle Kindernothilfekurse belegen?
Das empfehle ich. Ein Kurs nimmt Unsicherheiten. Was man für den Führerschein in Erste-Hilfe-Kursen gelernt hat, bezieht sich meistens auf Verkehrsunfälle. Bei Kindern gibt es andere Ursachen für Notfälle und auch die Wiederbelebung hat etwas andere Regeln als für Erwachsene.
Kann ich einem Kind Nothilferegeln beibringen?
Drei- bis Fünfjährige sollten wissen, dass sie zum Beispiel bei Nachbarn klingeln können. Sechs- bis Neunjährigen kann man beibringen, den Notruf zu wählen und die Fragen zu beantworten, die gestellt werden. Ab etwa zehn Jahren sind Kinder außerdem in der Lage, andere zu beruhigen oder kleine Wunden zu versorgen.
Giftnotruf, Kurse und Informationen
Den Giftnotruf Nordrhein-Westfalen erreichen Sie unter: 0228/19240. Wichtige Notfallnummern sollten Sie gut sichtbar in der Wohnung aufhängen und im Handy speichern.
Kurse und Infoabende zur schnellen Hilfe bei Kindernotfällen werden häufig angeboten – in Kindergärten oder zum Beispiel beim Deutschen Roten Kreuz.
Folgende Infoquellen im Internet empfiehlt Karla Mertes:
Zum Plötzlichen Kindstod.
Zum Umgang mit Fieber.
Falls ein Kind Tabak oder Zigarettenfilter.
Notfallplan, Wiederbelebung, Maßnahmen bei Verschlucken, Vergiftung, Pseudokrupp, Fieberkrampf zum Aufhängen.