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Roisdorfer Kult-DiskothekErst zu Änni, dann ins Weekend

Lesezeit 4 Minuten
Für die Alfterer Band „Cortingas“ war das Weekend in den 60er Jahren ein wichtiger Auftrittsort.

Für die Alfterer Band „Cortingas“ war das Weekend in den 60er Jahren ein wichtiger Auftrittsort.

Bornheim-Roisdorf – Josef Mäsgen bedauert die Roisdorfer Jugend: „Wo gehen die denn heute hin?“ Als er noch jung war, in der „genialen Zeit“, war die Antwort auf diese Frage leicht: Ins Weekend an der Brunnenstraße. „Zuerst hat man nebenan bei Änni Frings in der Kneipe etwas getrunken, und dann ging es rüber.“

Im Weekend gab es seit Anfang der 60er Jahre jedes Wochenende Livemusik, dort gab es vor allem Auftritte von lokalen Bands aus Bonn, wie „Take 5“, oder aus dem Vorgebirge, wie den „Cortingas“ oder den „Cobras“. Diese Konzerte waren das Alleinstellungsmerkmal des Weekend, etwas ähnliches gab es in den 60er Jahren weit und breit nicht. „Das Weekend war für uns das Sprungbrett in die Großstadt“, erinnert sich Mäsgen. Wer mehr Aufregung wollte, musste nach Köln oder Bonn fahren.

„Da zu spielen hat immer richtig Spaß gemacht“, erinnert sich Walter Stremmel, ehemals Sänger von „Take 5“ aus Bonn. Das Weekend hatte den Vorteil, dass es eine richtige Bühne hatte, „nicht nur ein paar Euro-Paletten auf dem Boden.“ Allerdings sei es in der Diskothek auch rau zugegangen.

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„Es gab oft Kloppereien, kurz: Es war immer was los.“ Einmal habe es sogar eine Prügelei innerhalb seiner Band gegeben. Direkt vor einem Auftritt hätten sich der Keyboarder und der Schlagzeuger, ein Geschwisterpaar, gestritten.

„Wir standen hinter dem Vorhang und warteten auf den Auftritt, da gab der Niggi dem Edgar, wie er da hinter seinem Schlagzeug saß, einen mit. Und dann war hinter dem Vorhang ein Riesengerumpel.“ Warum die Brüder sich gestritten haben, weiß Stremmel nicht. Der Auftritt musste zwar um eine halbe Stunde verschoben werden, „aber gespielt haben wir trotzdem.“

Auf dem Land zwischen den beiden großen Städten war das Weekend der angesagteste Laden. Besonders toll waren, so Mäsgen, die Oldtimer, die in der umfunktionierten Scheune standen.

„Das waren alte Taxis, und die waren richtig gut zum Knutschen.“ Eins von Mäsgens Lieblingsliedern aus der Zeit ist „I put a spell on you“, von dem es unzählige Versionen gibt. Einige davon gehen vielleicht sogar auf Mäsgen zurück. Er habe damals mit den Bands immer einen Handel gemacht: „Wenn die das Lied gespielt haben, bekamen sie eine Runde Bier.“

Der Grund: „Meine damalige Freundin war eine richtig gute Tänzerin, und das war das einzige Stück, auf das wir zusammen tanzen konnten, ohne dass ich sie platt gewalzt habe.“

Bei einem dieser Abende sprach einer der Musiker Mäsgen an, ob er nicht Lust habe, mit seiner Freundin bei Filmaufnahmen zu tanzen. Es war 1969, der junge Sänger Marius Müller-Westernhagen hatte seine erste Filmrolle, und ein Teil des Streifens sollte im Weekend gedreht werden. „Ich sagte zu, aber ich glaubte nicht dran“, sagte Mäsgen grinsend.

Einige Zeit später war die Brunnenstraße gesperrt. „Da drehten die tatsächlich einen Film, und ich musste abends hin und tanzen.“ Der Film, „Harakiri Whoom“, wurde nur zweimal vom WDR ausgestrahlt und geriet in Vergessenheit. Beide Ausstrahlungen verpasste Mäsgen wegen des Wehrdienstes.

Ab 1974 ging es dann auch mit seiner Zeit im Weekend zu Ende. Für ihn war die Konzerthalle zwar der lustige Teil, aber die Seele war Änni Frings, „et Fringse Änn“, die nebenan in der Kneipe hinter der Theke stand. „Wir nannten sie nur Tante Änni“, sagt Mäsgen. Damals haben viele Wirte Langhaarige wie Mäsgen nicht haben wollen. „Aber bei Anna Frings durfte man alles machen.“ Das sagt er ganz feierlich und ohne die Koseform auf Platt zu benutzen. Wenn er von ihr erzählt, ist Mäsgen gerührt: „Sie hat immer gelacht.“

Irgendwann habe sie die Kneipe verkauft, und danach war es nicht mehr so wie vorher, sagt Mäsgen. Für ihn knüpft sich vieles an das Weekend. Wenn er erzählt, landet er auch mal beim Karneval ’91 oder bei den Gitarrensoli von Alvin Lee.

„Das kommt alles vom Weekend bei Tante Anna.“ Viele Freundschaften, die er heute noch pflege, seien damals entstanden. Das Weekend gibt es noch immer, etwa vier Mal im Jahr finden hier Revival-Parties statt.

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