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Kinderherzchirurgie in EritreaChance auf ein gesundes Leben

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Karin Adams (l.) mit einem operierten Kind und Kollegin Annemarie Brecher aus Kerpen-Buir.

Wesseling/Kerpen – Der OP sieht aus, als stünde er in einem Krankenhaus in Deutschland. Herz-Lungen-Maschine, sterile Operationsinstrumente, ein gut ausgeleuchteter OP-Tisch. Und doch ist die Ausrüstung Tausende von Kilometern auf dem Land- und Seeweg transportiert worden bis in die eritreische Hauptstadt Asmara. Aber auch die Wesselingerin Karin Adam nimmt jedes Jahr zweimal die Reise in den Nordosten Afrikas auf sich, um dort herzkranken Kindern zu helfen. Sie arbeitet dort als Operationsschwester – unentgeltlich und das seit 14 Jahren.

„Viele Kinder hätten ohne diese Operation keine Chance und würden bald sterben“, sagt die 69-Jährige, die 25 Jahre lang leitende OP-Schwester in der Kinderherzchirurgie im Krankenhaus St. Augustin war. Irgendwann sei ihr damaliger Chef Dr. Andreas Urban, Leiter des Herzzentrums in St. Augustin, auf sie zugekommen und habe gefragt, ob sie sich vorstellen könne, kranken Kindern in Eritrea zu helfen und ihn zu begleiten. „Das weiß ich jetzt noch nicht“, habe sie damals geantwortet, sagt sie offen. Nach einiger Überlegung war sie dann aber bereit, die Aufgabe zu übernehmen und mit nach Afrika zu reisen.

„Kinderherzchirurgie gab es bis dahin in Ostafrika noch nicht“, sagt sie, und so musste vor der ersten Reise alles für die Operationen nötige Material von Deutschland mit nach Eritrea genommen werden. Wochen habe es gedauert, bis der Container mit medizinischem Gerät, Verbandsmaterialien und Medikamenten gepackt war. Das Team, rund 30 Leute, angefangen vom Operateur bis hin zu Techniker für die medizinischen Apparate, kommt aus ganz Deutschland. Eine Kollegin von Karin Adam, die auch hilft, ist Dr. Annemarie Brecher aus Kerpen-Buir, die ebenfalls zu dem deutschen Ärzteteam gehört. Daneben gibt es noch zwei Teams aus Italien und eines aus der Schweiz, die sich für die Organisation Archemed engagieren. Sie übernimmt die Reisekosten für die Helfer und sammelt Spenden, mit denen die Krankenstationen ausgerüstet werden. Seit 2002 wurde über 400 Kindern geholfen.

Die Familien der kranken Kinder nehmen oft tagelange Fußmärsche auf sich, in der Hoffnung, Hilfe zu bekommen. „Die meisten Kinder haben ein Loch im Herzen. Dadurch, dass der Kreislauf nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird, sind die Körper schwach“, erläutert sie. „Die Kinder haben nur eine geringe Lebenserwartung.“

Die Operation, die – würden die Kinder nach Deutschland gebracht und hier operiert, 20 000 Euro kosten würde – gibt den Kindern die Chance auf ein gesundes Leben. Zwei Kinder pro Tag werden in der Regel bei dem bis zu vier Stunden dauernden Eingriff operiert – bei besonders schwierigen Fällen dauert es auch länger.

Strom in Eritrea ein Luxusgut

Das Wichtigste sei gewesen, erstmals ein Gebäude zu finden und eine sichere Stromversorgung aufzubauen, denn Stromversorgung sei in Eritrea ein Luxusgut. Es gibt auch ein Notstromaggregat für den Fall, dass der Strom ausfällt, was relativ häufig geschehe, „Wir haben auch schon im Schein der Taschenlampe operiert“, sagt Karin Adam. Dann ging es daran, auch die Schwestern und Ärzte in Asmara zu schulen, denn die werden bei der Versorgung der Kranken ebenfalls gebraucht, da die Familien in der Regel kein Wort Englisch sprechen.

„Jerusalem“, Karin Adam erinnert sich noch gut an das erste Kind, bei dessen OP sie half. Ein Mädchen mit einem besonderen Namen. Die Familien seien immer unendlich dankbar, wenn eine Operation geglückt und das Kind gesund sei. Die Familien bleiben in der Regel auch die ganze Zeit während des Aufenthaltes bei ihren Kindern. Sie schlafen neben den Betten auf dem Boden und versorgen ihre Kinder mit Nahrung. „Das ist in Krankenhäusern in Afrika ganz normal“, sagt Karin Adam, die neben der Dankbarkeit der Afrikaner nach jeder Reise noch für sich etwas ganz Persönliches mit nach Hauses nimmt. „Eine andere Einstellung den Dingen gegenüber, die für uns so selbstverständlich sind: Strom, sauberes Wasser und ein großes Angebot an Lebensmitteln.“

www.archemed.org