Massenschlägerei in WesselingZwei Familien streiten um die Macht im Drogen-Milieu
Wesseling – Zwei Clans streiten in der Hochhaus-Gegend am Kronenweg Ecke Pingsdorfer Straße um die Macht im Milieu. Es soll um Drogen gehen. Am Wochenende eskalierte die Situation. Jetzt ermittelt die Mordkommission wegen versuchter Tötung.
Familien geraten mehrmals aneinander
Freitagabend kurz vor Mitternacht: Anrufer melden der Polizei eine Auseinandersetzung am Kronenweg. Als die Beamten eintreffen, sind alle Beteiligten schon verschwunden. „Nach Zeugenaussagen soll es sich um die zwei Familienclans handeln“, sagt ein Polizist.
Am Samstagnachmittag bricht der Streit erneut aus. Etwa 20 Männer, geschätztes Alter zwischen 20 und 40 Jahren, stehen sich vor Haus 87 gegenüber. Plötzlich fliegen die Fäuste. Dann kommen Waffen ins Spiel. Ein Polizeisprecher: „Mit Schlagstöcken, Messern und Eisenstangen gingen die Personen aufeinander los.“ Die Massenschlägerei zieht zahlreiche Schaulustige auf die Straße.
Schwerverletzte liegen auf dem Gehweg
Streifenwagen aus der Umgebung werden zusammengezogen. Aus den angrenzenden Orten eilen die Beamten zum Kronenweg. Als sie eintreffen liegen mehrere Menschen, teilweise schwer verletzt und blutend, auf dem Gehweg und auf einer angrenzenden Wiese.
Nach ersten Zeugenaussagen sollen kurz vor Eintreffen der ersten Polizeifahrzeuge einige Männer in einem Porsche und einem BMW geflüchtet sein. Fünf Verletzte werden in umliegende Krankenhäuser gebracht. Einer hat so schwere Verletzungen, dass er in Lebensgefahr schwebt. Auch am Sonntag ist sein Zustand noch kritisch, wie die Polizei berichtet. Jeder Verletzte wird von einem Beamten bewacht.
Vier Stunden nach dem Vorfall stoppt eine junge Frau in einem Auto am Tatort. Auf der Rücksitzbank sitzt ein kleines Kind. Die Frau gibt sich als Schwester eines der Opfer aus. Sie hat augenscheinlich Angst und verlangt Polizeischutz. Mit ihrem Kind verschwindet sie in einem der Wohnhäuser in der Umgebung.
Mordkommission ermittelt wegen versuchter Tötung
Nach Rücksprache mit dem Staatsanwalt wird eine Mordkommission eingerichtet, die wegen versuchter Tötung ermittelt. Der Kronenweg wird auf einer Länge von etwa 100 Metern abgesperrt. Die Suche nach Beweismaterial beginnt. An einer Hecke finden die Polizisten ein Klappmesser. Jede Kleinigkeit wird im Bild festgehalten. Vor dem Hochhauseingang sichern die Kripobeamten mehrere Spuren.
„Es geht hier einzig und allen um den Drogenhandel“, sagt ein Beamter. Das Hochhaus und das Umfeld, so heißt es, soll ein Umschlagplatz für Drogen sein. Die meisten der 40 überwiegend Ein-Zimmer-Wohnungen sind bewohnt. Das Treppenhaus stinkt nach Urin, die Wände sind mit Farbe beschmiert, der Zustand ist heruntergekommen.
Schon häufig musste die Polizei dort einschreiten. Doch immer, wenn die Betroffenen auf dem Verhörstuhl sitzen, schweigen sie. Für die Ermittler ist es schwierig, beweisfähiges Material, das für eine Anklage reicht, zusammenzustellen. Bei der Mordkommission laufen die Ermittlungen derweil auf Hochtouren. „Gegen einen Beschuldigten ist heute wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung Haftbefehl erlassen worden“ , teilt Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer auf Anfrage mit. Weitere Einzelheiten will die Polizei derzeit nicht mitteilen.
