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SPD-Politiker Bernhard Hadel„Vor unserem Haus stehen sogar Palmen“

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Wesseling – Nach mehr als vier Jahrzehnten politischer Arbeit im Kreis wandern der langjährige Wesselinger Kämmerer und Beigeordnete Bernhard Hadel und seine Frau nach Meran in den Südtiroler Bergen aus. Donnerstagnacht soll es losgehen. Kurzfristig und zwei Tage vor dem großen Umzug nimmt sich der 67-Jährige noch Zeit, Fragen von Birgit Lehmann und Bernd Rupprecht zu beantworten. Ein etwas anderes Interview auf der Arbeitsleiter zwischen Kartons und Malerfolie.

Herr Hadel, Sie haben 43 Jahre in Wesseling und im Rhein-Erft-Kreis gearbeitet und gelebt. Jetzt siedeln Sie um. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Das war Zufall. Eigentlich wollten meine Frau und ich zu Beginn der Rente nach Bad Münstereifel ziehen. Dort hatten wir schon seit Jahren eine Zweitwohnung, die wir kaufen wollten. Das hat aber nicht geklappt. In Südtirol haben wir schon seit vielen Jahren immer gerne Urlaub gemacht.

War Ihre Frau die treibende Kraft für die Entscheidung oder Sie?

Der Anstoß kam von meiner Frau. Bei einem Spaziergang durch Meran, mitten durch Straßen mit diesen schönen alten herrschaftlichen Häusern aus der K.-u.-k-Zeit (Abk. für kaiserlich und königlich – die Red) sagte sie zu mir: Es wäre doch schön, hier zu wohnen. Daraufhin haben wir uns umgesehen. Vor einigen Monaten haben wir dann auch eine Erdgeschosswohnung in einem 120 alten Haus gefunden. Wunderschön, mit 60 Zentimeter dicken Mauern, verschnörkelten Metallgittern und riesigen Bäumen im Garten. Vor dem Haus stehen sogar Palmen. Da mussten wir uns schnell entscheiden.

´Seit 1970 sind Sie in der SPD, haben viele Funktionen und Ämter bekleidet. Können Sie wirklich ohne die SPD Wesseling und die SPD Rhein-Erft leben?

Meine Frau sagte einmal zu mir, durch den Weggang gelinge es ihr, mehr Zeit mit mir zu verbringen. Und ich muss sagen, innerlich bin ich inzwischen auch bereit für einen Abschied. Ich bleibe aber weiterhin Mitglied des Ortsvereins der SPD, aber ich werde keine Funktionen mehr ausüben.

Was waren Ihre schönsten Erfolge, was waren die schlimmsten Erfahrungen und Niederlagen?

Das Schönste war die Wiedererlangung der Selbstständigkeit Wesseling. Es war am Nikolaustag, der 6. Dezember 1975, als das Urteil des Verfassungsgerichtes fiel. Wir waren mit einer großen Delegation zur Urteilsverkündung gereist und auf dem Wesselinger Rathausplatz fand anschließend eine große Feier statt. Ich war damals Ortsvereinsvorsitzender und habe eine kleine Rede gehalten. (Er lacht.) Das kam nicht überall gut an, weil ich natürlich das Engagement der SPD besonders hervorgehoben habe.

Und die größte Niederlage?

Das war, als Klaus Lennartz nicht zum hauptamtlichen Landrat des Kreises gewählt wurde, obwohl die SPD hinter ihm stand. Wir hatten im Vorfeld ein faires Verfahren durchgeführt, am Ende ist es dann an einigen Abweichlern gescheitert. Das hat uns hart getroffen, in der Zeit danach hat es in der Partei viel Misstrauen gegeben. Das war für mich das Schlimmste in der ganzen Zeit.

Haben Sie keine Angst, jetzt durch den Umzug Freunde und Weggefährten zu verlieren?

(lacht) Nein, ich denke, wir werden dort oft Besuch bekommen. Hans Mauel, der langjährige SPD-Fraktionsvorsitzende, will nächsten Jahr zur Art Basel fahren und einen Abstecher nach Meran machen. Auch Dagmar Andres will uns besuchen kommen. Edgar Moron, der frühere SPD-Fraktionsvorsitzende im Landtag, ist oft in den Dolomiten zum Klettern und will uns besuchen kommen. Auch meine beiden Söhne wollen dort mit ihren Familien Urlaub machen.

Wie wird Ihr Leben aussehen. Im Sommer Bergwandern, im Winter Skifahren?

Ich bin früher Ski gefahren, meine Frau hat davon Abstand genommen. Mal sehen, ob ich mit meinen Enkeln (davon gibt es sechs) demnächst dazu komme. Generell haben wir uns vorgenommen, erst einmal Land und Leute richtig kennenzulernen. Wir wollen auch Italienisch lernen. Es gibt neben der Volkshochschule auch die Möglichkeit, Patenschaften einzugehen. Das heißt, wir bringen einem Italiener Deutsch bei und er uns im Gegenzug Italienisch. Außerdem werden wir tatsächlich viel draußen sein. Ich bin kein Stadtmensch. Das heißt wir werden schon morgens zu Wanderungen aufbrechen. Meine Frau hält immer Ausschau nach Pflanzen, aus denen sie dann Tee macht oder ein Likörchen.

Wollen Sie sich in Ihrer neuen Heimat Südtirol auch künftig sozial und politisch engagieren?

Ich habe dort unten keine SPD ausfindig machen können, dort gibt es eine Partei, SVP, die erinnert mich aber an die CSU in Bayern. Ich werde mal sehen.

Sie haben drei Wünsche frei für ihr neues Leben: War wäre das?

Glück, Gesundheit und dass meine Frau und ich von den Zielen, die wir uns vorgenommen haben, einige umsetzen können.

Was würden Sie den Genossen an Rhein und Erft wünschen?

Den Genossen wünsche ich, dass sie schnellstmöglich nachhaltig wieder stärkste Fraktion werden und es ihnen gelingt, mit nur einem Koalitionspartner wieder an die Macht zu gelangen.