Viel leichter als StahlUnternehmen aus Wesseling entwickelt Brücken aus Carbon-Beton

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Harald Nauroschat (v.l.) vom Forscherteam, Geschäftsführer Volker Salentin, Bürgermeister Ralph Manzke, Geschäftsführende Gesellschafterin Jutta Graf und Bauleiter Tim Hammitzsch stehen auf einer neuen Brücke.

Harald Nauroschat (v.l.), Volker Salentin, Ralph Manzke, Jutta Graf und Tim Hammitzsch präsentierten die neuen Brücken. Elefanten oder auch hochspringende Menschen sind für die neuen Fußbrücken im Wesselinger Gewerbegebiet kein Problem.

Brücken aus Carbon, statt aus Stahl: Dieses Konzept entwickelte die Firma Graf in Wesseling als erstes familiäres Unternehmen in NRW. 

Leicht und grazil schmiegen sich die beiden Fußgängerbrücken in die Landschaft im Wesselinger Gewerbegebiet an der Vorgebirgsstraße. Auffällig sind ihre elegante Bauweise und die verhältnismäßig dünne Bodenplatte. „Echt schick“, sagen die Passanten im Vorbeigehen. 

Dass diese Brücken aus Carbon-Beton bestehen und damit in Nordrhein-Westfalen bisher ziemlich einzigartig sind, ahnt jedoch kaum jemand. 2018 ist in der Firmenspitze des Bauunternehmens Graf in Wesseling die Idee gereift, Brücken aus Carbon-Beton herzustellen. 

Brücken aus Carbon-Beton: Firma Graf in Wesseling entwickelt besonderes Bauwerk

Im Januar 2019 ging das Brückenprojekt dann in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Chemnitz in die Entwicklung. Ende Dezember 2022 konnte die Firma Graf die in ihrem Unternehmen in Wesseling gefertigten Brückenbauteile dann mit dem Tieflader an ihre Bestimmungsorte transportieren und über zwei Regenwasserversickerungsgräben aufbauen.

„Als erste Firma in Nordrhein-Westfalen hat damit das familiengeführte Unternehmen Graf Brücken aus Carbon-Beton entwickelt, hergestellt und montiert“, sagt Harald Nauroschat vom Forschungsteam. „Das fühlt sich richtig gut an“, ergänzt die geschäftsführende Gesellschafterin des Unternehmens, Jutta Graf.

Stolz ist sie auch darauf, dass das Unternehmen ihre zukunftsweisende Idee in seiner Heimat Wesseling umsetzen durfte. Längst sind inzwischen aber auch andere Kommunen hellhörig geworden. So konnte die Firma Graf auch für den Landkreis Düren schon zwei weitere Fußbrücken gleicher Bauweise herstellen und montieren.

Brückenbau: Weshalb sich Kohlenstoff Carbon dafür besonders gut eignet 

Der witterungsunempfindliche und wesentlich leichtere Kohlenstoff Carbon ersetzt dabei den bisher für solche Bauwerke benötigten Stahl. Weil Carbon im Gegensatz zu Stahl auch völlig witterungsresistent sei, müsse nur etwa die Hälfe der Betonmenge verwendet werden. „Stahl muss wegen der Gefahr der Korrosion mit gut doppelt so viel Beton eingepackt werden“, erklärt Nauroschat.

„Beim Bau mit Carbon können wir deswegen erheblich an Material und somit auch an Energie und CO₂ sparen“, ergänzt Geschäftsführer Volker Sanlentin. Ein Geheimnis bleibt jedoch das Rezept des Carbon-Betons, der, wie Bauleiter Tim Hammitzsch erklärte, wesentlich feiner und dichter ist als herkömmliches Baumaterial.

Carbon ist deutlich teurer als Stahl

„Bauwerke aus Carbon-Beton sind quasi unkaputtbar, aktuell gehen wir von einer mindestens doppelt so langen Haltbarkeit aus“, betont Nauroschat. Allerdings: Noch sei Carbon teuer. So koste der Bau einer Brücke aus Carbon-Beton bis zu 20 Prozent mehr als eine Stahlbetonbrücke. „Aber genau darin steckt die Zukunft“, ist sich Bürgermeister Ralph Manzke sicher.

Er sei stolz darauf, dass diese zukunftsweisende Entwicklung in Wesseling vorangetrieben wurde. Mit zunehmendem Bedarf kann er sich gut vorstellen, dass die Preise für Carbon in den nächsten Jahren sinken werden. Manzke erinnerte er an die gerade in Wesseling an den Start gegangenen Wasserstoffbusse, die vor ein paar Jahren noch um ein Vielfaches teurer gewesen seien.

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