Der Wesselinger Kunstverein stellt die Arbeiten von Studierenden der Alanus-Hochschule im Schwingeler Hof aus.
AusstellungStudierende zeigen in Wesseling Werke unter dem Titel „Amalgam“

Zwischenmenschliche Beziehungen und soziale Umgebung sind die Themen von Ema Saracevic. Studierende der Alanus-Hochschule zeigten Werke unter dem Titel „Amalgam“.
Copyright: Hanna Styrie
Der Begriff Amalgam hat einen schlechten Beigeschmack. Sofort nämlich kommen einem die gesundheitsschädlichen Zahnfüllungen in den Sinn. Amalgam, die Bezeichnung für eine Legierung aus einem Metall und Quecksilber, ist aber nicht ausschließlich negativ besetzt, sondern steht auch für Mischungen und Verbindungen aus Elementen unterschiedlichster Herkunft und ist insofern ein passender Titel für eine Ausstellung von 23 Studierenden an der Alanus Hochschule in der Klasse von Professorin Ulrika Eller-Rüter.
Zehn Kulturkreise, unterschiedliche Sichtweisen, Themen und künstlerische Strategien sind das Amalgam der Nachwuchstalente, die auf Einladung des Kunstvereins Wesseling bereits zum dritten Mal in Folge sämtliche Räume des Kulturzentrums Schwingeler Hof bespielen. Zugleich zeigt die umfangreiche Schau, in der alle künstlerischen Medien vertreten sind, was die Studierenden bewegt, was sie erforschen und hinterfragen und was sie beeinflusst.
Wesseling: Zwischen Plakatästhetik und Natur in gläsernen Vitrinen
Eine besondere Rolle spielt in vielen Werken die Natur. Besonders aufsehenerregend sind die kunstvollen großformatigen Papierschnitte von Elisa Gabelli. Ausgangspunkt sind Flechten, eine Mischform aus Pilz und Algen, die die Künstlerin vielfach vergrößert und abstrahiert hat und über die Wände wuchern lässt. Eva Krain hat einen Maikäfer zerlegt und präsentiert die filigranen Einzelteile auf winzigen Sockeln in Form einer pseudo-wissenschaftlichen Präsentation in einer gläsernen Vitrine.
Um die Erforschung der eigenen Identität geht es Sol Kuhn, die in einer tönernen Skulptur ihren argentinischen Wurzeln nachspürt. Ihr „Altar an die Mutter Erde“ erinnert mit Puma, Schlange und Condor an die Kultur der Anden. Den weitaus größten Teil nimmt überraschenderweise die Malerei ein, der sich elf der Teilnehmenden verschrieben haben.
Zwischenmenschliche Beziehungen und soziale Umgebung sind Themen, die Ema Saracevic in farbenfrohen, detailreichen Darstellungen auslotet, die „viel mit dem Alltag zu tun haben“, wie die Künstlerin wissen lässt. Matti Püschel greift die sowjetische Plakatästhetik auf; Otis Tomasucci transferiert die Kurzlebigkeit der Internetwelt in zeitaufwendige Ölmalerei. In die Form der mittelalterlicher Buchmalerei verpackt Künstlerin Loppa politische Botschaften, die man den mit großer Kunstfertigkeit und Präzision angefertigten Miniaturen nicht auf den ersten Blick ansieht.
Die Scheunengalerie bietet reichlich Raum für die großformatigen, gelegentlich schockierenden Gemälde von Julia Engler. Die Komposition ihres 240 Zentimeter langen „Abendmahls“ ist an Leonardo da Vinci angelehnt, zeigt in altmeisterlicher Malerei aber zum Teil Menschen mit Tierköpfen und ist als Kritik am Fleischkonsum zu verstehen. „Sie entlarvt die Dekadenz unserer Zeit mit Ironie und Witz“, konstatierte Ulrika Eller-Rüter. Schwer auszuhalten ist auch das „Stadtbild“, das völlig enthemmte Menschen in einer Straßenbahn zeigt. „Manchmal muss man was riskieren“, findet die junge Malerin.

Gesellschaftliche Missstände nimmt Julia Engler in ihren Gemälden aufs Korn.
Copyright: Hanna Styrie
Große Seelendramen im Stil der Alten Meister entfaltet Sven-Manit Blass auf der Leinwand. Dem gegenüber steht die abstrakt-geometrische Komposition von Niko Reisich, die dystopisch-zerstörerische Anklänge aufweist.
Den Gegenwurf dazu bildet die quietschbunte, leuchtende und blinkende Spielzeugwelt, die Norma Rennel in einer Ecke des Raumes aufgebaut hat. Die Künstlerin, gekleidet in die Farben ihrer Werke, hat interaktive Elemente integriert, die Besucherinnen und Besucher mittels Fernbedienung in Gang setzen können. Zu den wenigen skulpturalen Werken der Schau gehört die Skulptur von Lavie Nguyen, für die er Metall und Elektroschrott verwendete.
Die Ausstellung im Kulturzentrum Schwingeler Hof, Schwingeler Weg 44-46, ist vom 25. Februar bis zum 1. März jeweils von 15 bis 18 Uhr zu sehen. Die ausstellenden Studierenden sind an allen Tagen anwesend.

