Ängste verschiedener Art können den Alltag von Betroffenen stark beeinflussen. In einer Selbsthilfegruppe stärken sich Frauen mit Ängsten gegenseitig.
Austausch, Akzeptanz, SelbstwertIm Bad Honnefer Frauenzentrum sprechen Betroffene über ihre Ängste

Ob Hypochondrie oder Angst, die Wohnung zu verlassen: In Bad Honnef können betroffene Frauen offen über ihre Ängste sprechen.
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Sozialphobie, Hypochondrie, Angst vor Beziehungen, Angst, die Wohnung zu verlassen, Angst vorm Autofahren. Es gibt zahlreiche Formen von Ängsten, die die Betroffenen in ihrem Alltag und ihrer Lebensqualität stark einschränken können. In einer Selbsthilfegruppe im Bad Honnefer Frauenzentrum können Frauen mit Ängsten egal welcher Art zusammenkommen, offen über ihre Schwierigkeiten sprechen und gemeinsam zu mehr Akzeptanz finden.
Von welcher Art von Angst eine Frau betroffen ist, ob beispielsweise eine diagnostizierte Angststörung vorliegt oder nicht, ist für die Teilnahme an der Selbsthilfegruppe nicht relevant. „Jede, die sich angesprochen fühlt, kann sich gerne an uns wenden“, sagt Lisa Schulte, Traumapädagogin und Sozialarbeiterin beim Bad Honnefer Frauenzentrum.
Die Initiative zur Selbsthilfegruppe für Frauen mit Ängsten kam von einer Betroffenen
Die Selbsthilfegruppe trifft sich alle zwei Wochen, immer am ersten und dritten Freitag des Monats, von 18 bis 20 Uhr. Die Teilnahme ist kostenfrei. Frauen sollten mindestens zwanzig Jahre alt sein, nach oben hin gibt es keine Altersbegrenzung.
Vor etwa acht Jahren sei eine von Ängsten betroffene Frau auf das Frauenzentrum zugekommen, mit der Idee, eine Selbsthilfegruppe zu gründen, berichtet Lisa Schulte. Sie hatte den Wunsch, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und auch diesen die Möglichkeit zu geben, gemeinsam an ihren Ängsten zu arbeiten.
„Ziel der Gruppe ist es nicht, dass die Teilnehmerinnen ihre Ängste komplett bewältigen, das kann eher im therapeutischen Kontext stattfinden“, sagt Schulte. Vielmehr gehe es darum, sich austauschen zu können, angenommen zu werden und sich verstanden zu fühlen. „Vielen fällt es nicht leicht, offen über ihre Ängste zu sprechen“, so Schulte. „Daher ist es schon ein Erfolg für sich, wenn die betroffenen Frauen den Schritt machen und Kontakt zur Selbsthilfegruppe aufnehmen.“
Nicht selten ist sexuelle Gewalt die Ursache
In einem vertraulichen Rahmen können die Frauen offen über ihre mit Ängsten verbundenen Schwierigkeiten sprechen. Oft können die Gruppenmitglieder in diesem geschützten Raum Themen ansprechen, über die sie vorher noch nie gesprochen haben. Auch, wenn sich die Ängste sehr unterschiedlich äußern, verbinde die Betroffenen vieles: „Eigentlich haben alle eine Selbstwertproblematik“, sagt Schulte. Der Austausch mit Menschen, denen es ähnlich geht, könne zu mehr Akzeptanz der eigenen Ängste und damit verbunden zu einer Steigerung des Selbstwerts führen.
Nicht selten seien Traumatisierungen aus der Kindheit oder sexuelle Gewalt Ursachen für Ängste, die die Frauen aus der Gruppe in ihrem Leben einschränken. „Das ist nicht bei allen Gruppenteilnehmerinnen der Fall“, sagt Lisa Schulte, „aber wir hören oft von Frauen, dass sie diese Themen lieber in einer rein weiblichen Gruppe besprechen.“
Zu Beginn eines Treffens erzählt jede Teilnehmerin der Gruppe, wie es ihr geht und was sie aktuell beschäftigt. Dann besprechen die Frauen gemeinsam, welche Themen beim heutigen Treffen vertieft werden sollen. Bei einer Abschiedsrunde reflektieren die Gruppenmitglieder dann gemeinsam, was das Besprochene in ihnen ausgelöst hat und wie sie sich nach Abschluss des Treffens fühlen. Eine Moderation gebe es nicht, da alle gemeinsam an ihren Themen arbeiten und dabei auf die Struktur der Treffen achten, so Lisa Schulte.
Ein Baustein im Heilungsprozess: Selbsthilfegruppen können Therapie nicht ersetzen
„Die Selbsthilfegruppe kann immer ein Baustein im Heilungsprozess sein“, so Schulte; eine Therapie könne die Gruppe aber nicht ersetzen. Die Gruppe wird nicht von einer Psychologin geleitet, alle aufkommenden Themen fangen die Teilnehmerinnen selbst auf. Viele der Frauen haben bereits Therapieerfahrungen gemacht, das sei aber keine Voraussetzung für die Teilnahme. „Wenn zum Beispiel einzelne Teilnehmerinnen ein so großes Bedürfnis haben, von sich zu erzählen, das andere gar nicht mehr zu Wort kommen, dann sollte man sich vielleicht überlegen: Ist eine Selbsthilfegruppe aktuell das Richtige für mich oder sollte ich erst einmal eine Beratungsstelle aufsuchen oder zur Psychotherapie gehen?“ sagt Lisa Schulte.
Aktuell umfasse die Selbsthilfegruppe sieben Mitglieder, ein Kern von etwa vier Frauen arbeite schon sehr lange zusammen, sagt Schulte. Neue Mitglieder seien jederzeit herzlich willkommen. Interessierte sollen sich hierzu bei dem Frauenzentrum melden, das dann den Kontakt mit der Koordinatorin der Gruppe herstellt. Diese führe dann ein telefonisches Erstgespräch mit dem potenziellen neuen Gruppenmitglied, bevor es zum ersten gemeinsamen Treffen kommt.
Sie freue sich über die Initiative der selbst von Ängsten betroffenen Koordinatorin der Gruppe, dank der das Bad Honnefer Frauenzentrum die Selbsthilfegruppe anbieten könne, sagt Lisa Schulte: „Ich habe großen Respekt davor, wenn Frauen sich zusammentun und schauen, wie sie sich gegenseitig unterstützen können.“ Bei oft langen Wartezeiten für Therapieplätze seien Gruppen wie diese wichtige Anlaufstellen.
Die Selbsthilfegruppe für Frauen mit Ängsten trifft sich immer am ersten und dritten Freitag im Monat von 18 bis 20 Uhr im Bad Honnefer Frauenzentrum, Hauptstraße 20a. Interessierte können sich unter 02224/10548 oder per E-Mail an info@frauenzentrum-badhonnef.de an das Frauenzentrum wenden.
