C4-EnergiepflanzePflanze liefert Energie für die Heizung

Seit dem Jahr 2008 baut Heinz-Josef Gräfrath in Much-Henningen die asiatische Pflanze „Miscanthus x giganteus“ an. Ausgewachsen misst sie vier Meter in der Höhe und ein Feld von einem Hektar Größe liefert genau so viel Energie wie 6000 Liter Öl.
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Much – An Heinz-Josef Gräfraths Feld in Henningen bleiben viele Spaziergänger stehen. Sie bestaunen die mehr als zwei Meter hohen Pflanzen, die dort wachsen. Es ist kein Mais, kein Raps und kein Getreide. „Miscanthus x giganteus“ steht auf einer Informationstafel, die Gräfrath am Rand des Feldes aufgestellt hat, um über die aus Asien stammende so genannte C4-Energiepflanze aufzuklären. Als C4-Pflanzen werden spezielle Arten von Grün bezeichnet, die besonders schnell wachsen und viel Biomasse erzeugen. Gräfrath ist Heizungsbauer und Nebenerwerbslandwirt. „Bei einem Kesselbauer in Österreich habe ich ein Miscanthus-Feld gesehen“, schildert der Mucher, dessen Betrieb auf Pellet- und Holzhackschnitzel-Anlagen spezialisiert ist. Die Idee, die Pflanze als Rohstoff anzubauen, gefiel ihm gleich. Sie werde rund 20 Jahre alt, benötige keine Düngung, erklärt Gräfrath. „Und ein Hektar Miscanthus entspricht einer Heizleistung von rund 6000 Litern Öl. Das wollte ich auch ausprobieren.“
Er informierte sich bei Experten der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn und der Landwirtschaftskammer und erfuhr von den Vorteilen der Pflanze, die im Herbst ihre Blätter verliert. „So führt sie die Nährstoffe, die sie dem Boden beim Wachsen entzieht, auch wieder dorthin zurück.“ Die trockenen Halme werden im Frühjahr geerntet und wachsen schnell nach. „So finden viele Vögel und andere Tiere nahezu das ganze Jahr über Deckung“, sagt Gräfrath. „Eine Futterpflanze ist sie aber nicht.“
2008 legte er das ein Hektar große Miscanthus-Feld an. Zunächst sei seine Begeisterung allerdings schnell gedämpft worden, räumt Gräfrath ein. „Die ersten Jahre waren sehr mühsam. Weil der erste Sommer trocken war, starben ungefähr 1000 Wurzeln ab. Wir haben alle per Hand nachgesetzt.“ Auch müsse jeder, der Miscanthus anbaut, Geduld haben, weil das Gras erst nach einigen Jahren seine volle Höhe von etwa vier Metern erreicht. „In diesem Frühjahr hatten wir die erste größere Ernte. Sie wird als Einstreu verwendet.“ Mit der ersten Nutzung in der Heizanlage seines Betriebs rechnet er für 2013 oder 2014. „Wir wollen Heizöl einsparen“, betont Gräfrath. Das Projekt habe aber auch viel mit Idealismus zu tun: „Für einen Hektar kostet die Anpflanzung etwa 3500 bis 4000 Euro. Doch man hat dann mindestens 20 Jahre etwas davon.“ Und es bereite Spaß, die Pflanze wachsen zu sehen. „Das geht so schnell, da können Sie zugucken.“ Das fasziniert auch die Spaziergänger. Heinz-Josef Gräfrath: „Ich werde oft auf das Feld angesprochen.“
