Heinrich Schmitz aus MuchAlles begann mit Mutters „Krippchen“
Much – Die schmale Metalltür führt in eine fantastische Welt: In unscheinbaren, früher einmal landwirtschaftlich genutzten Nebengebäuden hat Heinrich Schmitz Krippenlandschaften aufgebaut, die den Atem nehmen.
Ganz zuvorderst, in das beste Licht gerückt, eine großartige Marktszenerie von Angela Tripi. Die Figuren der Künstlerin aus Palermo werden weltweit als Kostbarkeit gehandelt. Hier in Much wird deutlich, warum: Jedes aus Terracotta gearbeitete Gesicht, jede Pose ist nuancenreich, jede der 30 Zentimeter großen Figuren für sich erzählt schon eine Geschichte. „Es ist meine Lieblingskrippe“, sagt Heinrich Schmitz mit Blick auf die arabischen Anklänge der Szenerie, „weil sie zeigt, wie es aussah, da wo der Heiland geboren ist.“
Berg aus Baumwurzeln
Gleich nebenan eine Version der Weihnachtsgeschichte, wie sie die Schnitzer aus dem Grödnertal gesehen haben: Statt der über den Markt wandernden Sklaven, der Bettler und Kamele, mit denen Angela Tripi ihre Bildgeschichten anreichert, geht es hier bäuerlich zu. Mit Gänsen und Hühnern, mit Menschen, die Holz hacken und das Feuer anpusten. Und die Heilige Familie findet in einer Grotte Unterschlupf, die Heinrich Schmitz für sie gebaut hat, in einen Berg hinein, den er aus verschlungenen Baumwurzeln aufgeschichtet hat. „Mit dem Hochdruckreiniger säubere ich die Fundstücke aus dem Wald und trockne sie“, erklärt der Krippenbauer.
Erst spät hat ihn das Krippenfieber gepackt. „Bau mir doch mal ein Krippchen“, hatte die Mutter ihm aufgetragen, da war er schon 50 Jahre alt. Nach diesem ersten, damals noch schlichtem kleinen Stall, den er während der Nachtschichten in einem Kölner Unternehmen baute, folgten weitere, „das wurde immer größer“, blickt der heute 80-Jährige zurück, der schließlich Figuren zu sammeln begann, sich Krippenbauvereinen anschloss.
Und bis heute Unterkünfte für Maria, Josef und das Kind bastelt. Große Gebäude inzwischen, voller Fantasie, mit Erkern und Balkonen oder einem „Backes“ voller Brote versehen, die hölzernen Stalltüren und das Mauerwerk aus Fugenmörtel kunstvoll verwittert. Vor acht Jahren zog Heinrich Schmitz von Neunkirchen-Seelscheid in das Mucher Örtchen Bröl, weil er dort Raum für seine Leidenschaft fand. Dort beginnt er schon im September mit dem Aufbau; Alois Kreuzer aus Bröl unterstützt ihn tatkräftig. Dutzende verschiedener Krippen sind hier zu sehen, darunter auch ein großartiges, historisches neapolitanisches Ensemble. Das fand bei ihm Obhut, als ein Sammlerfreund starb. Hier erfährt es Beachtung von den Gästen, die Heinrich Schmitz in seinem Krippenparadies besuchen.
