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Kein LuxusbauJugendzentrum Neunkirchen soll 7,5 Millionen Euro kosten

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Ansicht eines Jugendhilfezentrums mit Büroflächen, Tiefgarage und Laden auf dem Schulcampus in neunkirchen-Seelscheid

Das Jugendhilfezentrum auf dem Bildungscampus in Neunkirchen-Seelscheid soll auch Platz für das Stöberstübchen des Kinderschutzbundes bieten.

Auf dem Bildungscampus Neunkirchen soll ein Neubau für Jugendzentrum, Jugendhilfe und Kinderschutzbund entstehen. Offen ist die Parkplatzfrage.

Ein Jugendzentrum für siebeneinhalb Millionen Euro? In der Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid regiert nicht der Größenwahn, in dem zweigeschossigen Gebäude sollen vielmehr drei Einrichtungen unter einem Dach Platz finden. Architekt Matthias Eggemann stellte im Sozialausschuss die Pläne vor.   

Kurze Wege und eine gute Vernetzung biete der Neubau, in den neben dem kommunalen Jugendzentrum auch die Jugendhilfe des Rhein-Sieg-Kreises und der Kinderschutzbund einziehen sollten. Die Idee sei, die Jugendlichen dort abzuholen, wo sie sich ohnehin aufhalten, sagte der Architekt. 

Jugendzentrum und Kinderschutzbund erhalten in Neunkirchen eigene Eingänge

Der von Ehrenamtlern getragene Verein Kinderschutzbund, der seit langem händeringend neue Räume als Ersatz für den abrissreifen Altbau an der Walzenrather Straße sucht, könne hier sein Stöberstübchen betreiben. Der gut frequentierte Secondhand-Shop steht allen Kunden offen, nicht nur denen mit schmalen Geldbeutel.

Jugendzentrum und Kinderschutzbund erhalten in dieser Planung im Erdgeschoss getrennte Eingänge, es gibt Büros und Flächen für Technik, im Dachgeschoss sei die Jugendhilfe und ein mittiger Besprechungsraum vorgesehen. 67 Kreis-Beschäftigte sollen hier arbeiten.

Die Gestaltung mit Satteldächern sei an die Umgebung angepasst, der Entwurf zeige einen „ehrlichen und realisierbaren Verwaltungsbau“, so Eggemann, keine Luxus-Architektur.

Secondhand-Läden in Rhein-Sieg: Die Stöberstübchen in Neunkirchen und Seelscheid

Der Kinderschutzbund, der zwei Stöberstübchen betreibt, sucht für den Standort Neunkirchen seit Jahren eine Alternative.

Die finanzschwache Gemeinde muss die Kosten nicht komplett aus eigener Kraft stemmen. Der Rhein-Sieg-Kreis, bei dem das Kreisjugendamt angesiedelt ist, fördert den Bau des Jugendzentrums. Das Jugendhilfezentrum des Kreises und die Nutzung durch den Kinderschutzbund sollen über Baukostenzuschüsse und Mieteinnahmen finanziert werden. 

Derzeit nutzt der Rhein-Sieg-Kreis Räume im Rathaus. Dieser Platz aber werde laut einer Raumbedarfsermittlungsplanung für die Gemeindeverwaltung aus dem Jahr 2024 anderweitig benötigt. Ursache seien unter anderem „gesetzliche und arbeitsschutzrechtliche Anforderungen, der steigende Koordinierungsbedarf sowie die bislang noch nicht vollständig umgesetzte Digitalisierung“, heißt es aus dem Rathaus.

Ungeklärt ist das Problem Parkraum: In der Tiefgarage sollen Technik und Lager der Pellet-Heizung Platz finden, die in Kombination mit einer Wärmepumpe künftig den gesamten Bildungscampus mit Schulen und Sporthallen, das Rathaus sowie eventuell Mehrfamilienhäuser der Wohnungsbaugesellschaft versorgen wird. Bleiben lediglich elf Stellplätze für Kfz sowie einige weitere für Fahrräder.

Das reiche voraussichtlich nicht aus, gab Stefan Gerlach, Fraktionsvorsitzender der Grünen, zu bedenken. Bereits jetzt fehle Parkraum. Das bestätigte Bauamtsleiter Attila Kecskes. Man werde künftig verstärkt Flächen am Friedhof nutzen müssen.   

Der Ausschuss beauftragte einstimmig die Verwaltung, die Planung weiter voranzutreiben. Nächster Schritt: eine „belastbare Wirtschaftlichkeitsuntersuchung“, wozu auch erzielbare Mieteinnahmen gehören. Man bleibe stets auf der sicheren Seite, so Kecskes: „Wenn die Finanzierung nicht gesichert ist, wird das nicht umgesetzt.“