ProjektDarum will eine Bürgerinitiative eine Seilbahn in Bonn verhindern

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Eine Seilbahn, die die Stadt mit Hängen in der Umgebung verbindet, gibt es beispielsweise in La Paz in Bolivien.

Eine Seilbahn, die die Stadt mit Hängen in der Umgebung verbindet, gibt es beispielsweise in La Paz in Bolivien.

Bonn – Gegen eine Seilbahn zum Venusberg regt sich Widerstand.

Eine neue Initiative mit dem Namen „Bonn bleibt seilbahnfrei“ will das Projekt im Keim ersticken. Auf der anderen Seite stehen unter anderem sieben Verkehrs- und Umweltverbände aus der Region, welche die Verknüpfung einer Seilbahn mit dem vorhandenen ÖPNV und dem Radverkehr als umweltverträglichste und kostengünstigste Variante im Vergleich „zu mehr Straßenbau oder neuen U-Bahn-Linien“ ansehen.

Der Landtagsabgeordnete der Grünen und Vorsitzende des Planungs- und Verkehrsausschusses der Stadt, Rolf Beu, warnt, dass ohne eine neue leistungsfähige ÖPNV-Trasse ein Straßenausbau mittelfristig wohl unvermeidlich sein wird, um zu verhindern, dass Rettungsfahrzeuge auf dem Weg zur Uniklinik im Stau hoch zum Venusberg stehen.

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„Seilbahn löst keine Verkehrsprobleme“

Für die Gegner des Projekts löst die Seilbahn keine Verkehrsprobleme, wenn durch sie lediglich 1000 bis 2000 von insgesamt 17 000 Autofahrten pro Tag auf den Venusberg eingespart werden.

Gut zu erkennen sind die Nord- und Südtrassen vom Venusberg zur anderen Rheinseite. Die Entlastung für den Verkehr ist beachtlich: Variante 2b mit 6060 oder 2a (beide Venusberg–UN-Campus–Beuel) mit 5880 Fahrgästen täglich liegen vorn, während für die Streckenführung 10 (Stadtbahnhaltestelle Ramersdorf– Rheinaue–Oscar-Romero-Allee) lediglich eine tägliche Fahrgastzahl von 3260 errechnet wurde.

Gut zu erkennen sind die Nord- und Südtrassen vom Venusberg zur anderen Rheinseite. Die Entlastung für den Verkehr ist beachtlich: Variante 2b mit 6060 oder 2a (beide Venusberg–UN-Campus–Beuel) mit 5880 Fahrgästen täglich liegen vorn, während für die Streckenführung 10 (Stadtbahnhaltestelle Ramersdorf– Rheinaue–Oscar-Romero-Allee) lediglich eine tägliche Fahrgastzahl von 3260 errechnet wurde.

Außerdem bezweifeln sie, dass der Bau und der Betrieb einer Seilbahn wirtschaftlich sind und sie einen nachhaltigen Beitrag zum Klimaschutz leistet. Vielmehr gehe es um das Gewinnstreben Einzelner und die massive Einschränkung der Grundrechte durch beispielsweise die Störung der Privatsphäre und die Auswirkungen auf die Wohnqualität der der Bahn wohnenden Bürger.

Weiter kritisiert die Initiative, dass Alternativen wie eine bessere Bus-Anbindung, Ausbau der Radwege und der Einsatz kleiner Elektrobusse auf anderen Zufahrtswegen nicht geprüft würden.

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub Bonn/Rhein-Sieg, der Verkehrsclub Deutschland Bonn/Rhein-Sieg/Ahr, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Kreisgruppe Bonn), die Anwohnerinitiative Venusberg, der Verein „Lebenswerte Siebengebirgsregion“ und der Allgemeine Studierenden Ausschuss der Universität begrüßen, dass die Stadt das Potenzial einer Seilbahn als Teil des öffentlichen Nahverkehrs prüfen lässt.

„Seilbahnen haben sich in einigen europäischen und außereuropäischen Städten zum Transport von Personen und Fahrrädern bewährt, sind im Vergleich zu Straßen billiger, umweltfreundlicher und wesentlich schneller gebaut – und abgebaut“, heißt es in einer Mitteilung.

Die Verbände sehen es als Fortschritt an, dass die Gegner des Projekts eine Initiative gegründet haben und es nun Ansprechpartner gibt. In den vergangenen Wochen habe es anonyme Angriffe mit Panikmache und unsachliche Behauptungen gegeben. „Erst auf der Grundlage der Ergebnisse der Machbarkeitsstudie, die voraussichtlich im März vorgestellt wird, lassen sich genaue Angaben über Energieverbrauch, CO2-Werte und letztendlich Nutzen und Kosten einer Seilbahn machen.“ Die von den Gegnern vorgebrachten Zahlen würden zum Teil auf Projekten basieren, die mit der Situation in Bonn nicht vergleichbar sei.

Entscheidend für Bonn sei vor allem, mit welchem System die innerstädtischen Verkehrsprobleme der Zukunft möglichst umweltgerecht gelöst werden können. Deshalb müsse auch geprüft werden, ob die Seilbahn über den Rhein mit einer Verbindung zu den Ortsteilen oberhalb des Ennerts verlängert werden könne, um auch den Einpendlern aus dem Siebengebirge, die derzeit meist mit dem Auto nach Bonn fahren, eine echte Alternative anbieten zu können.

Beu betont, dass ökonomische und ökologische Kriterien im Genehmigungsverfahren geprüft werden: „Nur Projekte mit einem positiven Kosten-Nutzen-Faktor können vom Land Nordrhein-Westfalen gefördert werden.“

Ängste von Seilbahn-Gegnern, dass Bahnen bis nach Mitternacht an ihren Häusern vorbei rauschen und die Fahrgäste auf ihre Grundstücke und in ihre Wohnungen schauen können und dadurch auch ein Wertverlust einhergehe, müssten beim Trassenverlauf berücksichtigt werden. Um den zusätzlichen Verkehr, den der vom Land beschlossene Ausbau des Uniklinikums mit zusätzlichen Arbeitsplätzen mit sich bringen werde, aufzufangen, reichen Beu die von den Seilbahn-Gegnern vorgeschlagenen E-Busse und Fahrradrouten aus.

„Die E-Busse ständen ohne Straßenausbau auch im Stau“. Und selbst ein kostenloses Fahrradverleihsystem mit gut ausgebauten und beleuchteten Radwegen werde wohl kaum dafür sorgen, dass „Tausende von Arbeitnehmern bei Regen oder sommerlicher Hitze komplett aufs Rad umsteigen“, um zum Uniklinikum zu radeln.

Die Kosten für einen Ausbau der Hausdorffstraße sowie der Eduard-Otto-, der Graf-Stauffenberg- und der Robert-Koch-Straße schätzt Beu auf ähnlich hoch wie für eine Seilbahn, betont aber, dass das ökologisch und stadtgestalterisch wohl keine verträglichere Alternative sei.

„Ein Straßenneubau aus Richtung Bad Godesberg zum Venusberg kann niemand, der Bonn und den Wald wertschätzt, ernsthaft erwägen“, so der Abgeordnete.

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