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Das lange Warten hat sich gelohntBrutplätze im Walberberger Hexenturm

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Tolle Aufnahmen gelangen beim An- und Abflug der Vögel am Nest in der Mauernische.

Bornheim – „Peter, da fliegen Falken um den Turm“, rief Jons Tück seinem Freund durch das Telefon ins Ohr. Für einen Moment glaubte Peter Leyendecker (70) sein Freund scherze. Dann jedoch sah ihn seine Frau Monika nur noch von hinten. Um das „Wunder“ mit eigenen Augen zu sehen, ließ er alles stehen und liegen und lief zum Hexenturm. Und tatsächlich: Mit eigenen Augen sah er ein Turmfalkenpärchen, dass sich draußen auf der Fensterbank vor einem der Fensterschächte in etwa 18 Metern Höhe angesiedelt hatte.

Das war am 3. Mai. Leyendecker und Tück (81) mussten damals „Weinen vor Freude“. Für sie war es der Lohn für Strapazen und die Arbeit, die sie sich in den vergangenen fast anderthalb Jahrzehnten gemacht hatten. Doch es sollte noch besser kommen: Die Turmfalken waren in diesem Sommer nicht die einzigen langersehnten Bewohner, die im Hexenturm ein neues Zuhause gefunden hatten. Denn auch Schleiereulen fanden die dort installierten Nistkästen. Auf diesen Moment hatten Leyendecker und Tück samt dem Förderkreis  Historisches Walberberg fast 15 Jahre hingearbeitet.

Ab 2004 blieben die Tiere einfach weg

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Glücklich über die erfolgreiche Wiederansiedlung: Peter Leyendecker und Jons Tück haben die Nistkästen im Hexenturm gebaut.

Zuletzt wurden Turmfalken und Schleiereulen 2003 im Hexenturm gesehen. Ein Jahr später begann die Bezirksregierung als Eigentümer mit den Sanierungsarbeiten. Damals wurde im Inneren des Turms ein Gerüst aufgestellt, um anschließend die ehemals drei Ebenen neu einzubauen. Der Zugang erfolgte über eine steinerne Wendeltreppe. Obwohl Eulen und Falken eigentlich schon immer im Hexenturm ihren Nachwuchs aufzogen, blieben sie ab 2004 einfach weg. Und sie kamen auch nicht zurück, nachdem im Januar 2008 endlich auch die Außensanierung des Turms inklusive Anstrichs erledigt war. Noch im selben Jahr hat der Förderkreis in Abstimmung mit der Bezirksregierung das Nutzungsrecht für den Hexenturm erhalten – mit der Auflage, in der oberen Etage  Eulen und Falken anzusiedeln, die von einer, maximal zwei Personen betreut werden sollten.

So kam der passionierte Tierliebhaber Peter Leyendecker ins Spiel, dem Jons Tück direkt seine uneingeschränkte Unterstützung zusicherte. Per Handschlag nahm die Bezirksregierung die beiden in die Pflicht. Und kaum, dass sie den  Schlüssel zum Turm erhalten hatten, fertigten sie auch bereits Nistkästen für Eulen und Falken an, die sie mit Hilfe von Schwiegersohn Markus Pütz die fast 60 Stufen hinauf ins Obergeschoss trugen und dort sachgerecht befestigten. „Danach begann das Warten“, erinnert sich Leyendecker. Eimerweise schafften sie oft unterstützt von fast allen Mitgliedern des Fördervereins in den darauffolgenden Jahren lediglich Unmengen von Taubendreck aus dem Turm – Falken und Eulen ließen sich nicht blicken – bis nun Mai.

Nachwuchs bei den Falken und Eulen

Leyendecker konnte das Glück kaum fassen, als er im Juni sogar Falken-Jungen und wenig später auch den Schleiereulen-Nachwuchs erspähte. Geradezu grausam schien es ihm, in der spannendsten Phase  als „Eulen- und Falken-Papa“ in Urlaub fahren zu müssen. „Die Falken werden längst flügge sein, wenn ich zurück bin“, ging ihm durch den Kopf. In diesem Moment fiel ihm sein Freund und Tierfotograf Helmut Nonn (66) aus Merten ein. Der sagte direkt zu und postierte sich mehrere Tage über Stunden auf dem Friedhof mit Blick auf den Hexenturm, während Leyendecker im Urlaub an nichts anderes als an seine Vögel im Turm denken konnte.

Die Bilder die ihm Nonn dann nach der Rückkehr vorlegte, entschädigten ihn um ein Vielfaches. Nonn ist es gelungen, die ganze Falkenfamilie vor sein Objektiv zu bekommen und einzufangen. Inzwischen ist es wieder ruhig im Turm. Die Schleiereulen sind gerade dabei, auszuziehen. Der Nachwuchs der Turmfalken ist längst in ein eigenständiges Leben gestartet. „Aber sie sind ganz in der Nähe“, weiß Tück. Eines der Jungtiere habe er auf dem Wetterhahn der Pfarrkirche sitzen sehen.