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Mitarbeiter fehlenBornheim zahlt „Kopfgeld“ für Vermittlung von Rettungsschwimmern

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Im Hallenfreizeitbad in Bornheim ist das Personal dünn besetzt.

Bornheim – „Jetzt hat es uns auch erwischt“, zwinkert Ulrich Rehbann mit Blick auf das Hinweisschild vor dem Haupteingang des Bornheimer Hallenfreizeitbades. Dienstag und Mittwoch war das Freibad erst ab 15 Uhr geöffnet – immerhin, bei drei Krankmeldungen wegen Corona. „Der Mitarbeiterpool ist knapp gestrickt“, sagt Rehbann. Die gute Nachricht: Im Außenbereich sind wieder alle Becken nutzbar, Rutsche und Sprungturm bleiben allerdings geschlossen.

Seit Badleiter Michael Kleist im Mai dieses Jahres ging, wurde sein Aufgabenbereich auf drei Mitarbeiter verteilt: Maik Warnke hat die kaufmännische Leitung übernommen, Denis Klein leitet den Badbetrieb und Julia Pfeiffer ist für Personalplanung und Öffentlichkeitsarbeit zuständig, Ulrich Rehbann ist als Vorstand des Stadtbetriebs Bornheim Koordinator. 15 feste Mitarbeiter sind im Schwimmbad beschäftigt, davon sind drei Auszubildende und vier für Kasse und Reinigung zuständig.

„Wir haben intern abgestimmt und letztlich hat der Personalrat entschieden, es bei der Badleitung mit eigenen Leuten zu versuchen.“ Denn neue Leute zu finden ist beinahe aussichtslos. Not macht erfinderisch, und so geht Ulrich Rehbann schon mal ungewöhnliche Wege, um Fachpersonal anzulocken: Mit der Aktion „Finderlohn“ beispielsweise.

Es gibt ein „Kopfgeld“ von 1000 beziehungsweise 500 Euro, wenn jemand eine Person meldet, die am Ende tatsächlich eine Teilzeit- oder Vollzeitbeschäftigung im Bad aufnimmt. Gesucht werden vor allem Rettungsschwimmer, die noch eine 16-stündige Zusatzausbildung absolvieren und dann als Aufsicht eingesetzt werden können.

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„Früher hatten wir hier viele Studenten“, erinnert sich Rehbann, aber seit Corona, seit es keine Präsenzpflicht in der Uni gab, wurden es immer weniger. Einen Mitarbeiter hat Rehbann auf diese Weise gefunden, zwei andere haben sich gerade vorgestellt. Weil im Schwimmbad nach Tarif bezahlt wird, dürfen 450-Euro-Jobber auch nur 15 Stunden absolvieren, bei einem Drei-Schichten-Betrieb ist das letztlich nicht viel. Und das im ersten Sommer nach zwei Jahren, in dem keine Corona-Einschränkungen mehr gelten. Unter Pandemie-Regeln durften nur 420 Besucher ins Bad, jetzt waren am langen, heißen Pfingstwochenende in vier Tagen stattliche 3500 Schwimmer abgetaucht.

Wassertemperatur abgesenkt

Während das Wasser in den Außenbecken erfrischend unbeheizt ist, wird in der Halle schon Energie gespart: Um 2 Grad Celsius wurde die Wassertemperatur in den Becken abgesenkt, das spart Gas. „Im Kleinkinderbereich können wir das natürlich nicht machen“, schränkt Rehbann ein, „das wäre für die Kleinen zu kalt“. Und was geschieht, wenn kein Gas mehr nachkommt?

Rehbann: „Dann ist Feierabend.“ Ein Grund mehr, das vom Rat beschlossene neue Schwimmbad, das auf der Wiese gegenüber entstehen soll, klimaneutral und autark zu planen. Zwei Workshops mit den Ratsfraktionen haben bereits stattgefunden, der dritte ist für Anfang August geplant.

Moderator ist Roland Kettler, ehemaliger Geschäftsführer der Düsseldorfer Bädergesellschaft. Das Hallenfreizeitbad soll so lange betrieben werden, bis die neue Sportstätte zur Verfügung steht. Rehbann: „Allerdings hat sich die Materiallage drastisch verschlechtert. Ich rechne mit mindestens zwei Jahren Bauzeit.“