BergbauGrößter Arbeitgeber unter Tage

Schon Jugendliche arbeiteten im Bergbau, wie dieses seltene Foto am Eingang eines Stollens bei Eitorf zeigt. Heute sind die Stollenmünder zugeschüttet – wie dieser der Grube Harmonie bei Bourauel.
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Eitorf – Wenn man genau hinschaut, dann findet man sie noch überall – die Zeugnisse des Bergbaus in und um Eitorf: Ein zugeschüttetes Stollenmundloch in Bourauel, das zur Grube Harmonie gehörte. Der Ort Hatzfeld, der seinen Namen der gleichnamigen Grube verdankt oder Schmelze, das an die 1750 urkundlich belegte Kupferhütte bei Hatzfeld erinnert, in der das Metall verarbeitet wurde. „In Eitorf war Bergbau ein bedeutender Wirtschaftszweig“, weiß Bernd Habel, der für eine Ausstellung in der Biologischen Station des Rhein-Sieg-Kreises verschiedenste Zeugnisse zusammengetragen hat. Die Schau ist bis zum 23. November am Robert-Rösgen-Platz 1 (in der Nähe des Eitorfer Bahnhof) zu sehen.
1830 führte Kreis-Physicus Anton Lohmann die Bergwerke in Harmonie und Silbersiefen in seiner Topographie auf. Doch tatsächlich geht die Geschichte des Bergbaus bis in die Eisenzeit zurück. Bereits vor mehr als 2000 Jahren wurde in Kircheip nach Eisenerz geschürft. Und als im Jahr 1122 Kaiser Heinrich V. den Mönchen von Siegburg die Genehmigung zur Erzgewinnung verlieh, könnte das sehr gut der Ursprung der Grube Hatzfeld gewesen sein.
„In den Jahren zwischen 1850 und 1890 boomte der Bergbau in Eitorf“, so Habel. „Die Bergwerke stellten den größten Arbeitgeber.“ Unter Tage verdiente man am meisten, wie Harald Patzke und Günther Brandt von der Grube Silberhardt erklären: „Ein richtiger Bergmann bekam mehr als der beste Handwerker.“ Doch hatte er auch harte Arbeit zu leisten, wie Habel schildert: „Bevor Sprengstoff und Dampfmaschinen eingesetzt wurden, kamen die Bergleute am Tag nur fünf Zentimeter voran – und das in Stollen, die gerade mal einen Meter hoch und eineinhalb Meter breit waren!“
Gefahren wie Wassereinbrüche, Verschüttungen, die bedrückende Arbeit allein im engen Schacht in 100 oder 200 Metern Tiefe, die schlechte Luft und Angst vor einer Staublunge hielt die Eitorfer nicht davon ab, ihr Glück im Bergwerk zu suchen. Auch viele Laien zog es in die Stollen: „Sie nutzten die Zeit nach der Ernte, um sich etwas dazu zu verdienen. In den meisten Familien arbeiteten drei Generationen in der Erzgewinnung. Kurioserweise hat sich in Eitorf dennoch nie eine Bergbautradition wie etwa im Ruhrgebiet entwickelt“, berichtet Habel. Eine Tradition vielleicht nicht. Aber eine Leidenschaft, wie Patzke und Brandt betonen, die zur Ausstellungseröffnung in fescher Steiger-Uniform erschienen: „Wer einmal unter Tage gearbeitet hat, den zieht es immer wieder ins Bergwerk zurück!“
