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Burg WindeckVergessene Ruine schlummert im Boden

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Windeck – Wer von der Burg Windeck hört oder liest, denkt an die Ruine auf dem Bergrücken zwischen Schladern und dem Dorf, das heute Altwindeck heißt. Sie gab dem einstigen Amt Windeck den Namen, aus dem die Franzosen vor rund 200 Jahren den Kreis Waldbröl bildeten. Nach ihr wurde die größte Flächengemeinde ganz im Osten des heutigen Rhein-Sieg-Kreises vor mehr als 40 Jahren benannt.

Dass es unterhalb dieser Burg Neu-Windeck eine viel ältere Burg Alt-Windeck gab, wissen nur noch wenige Einheimische. Mit Gleichaltrigen habe er in den 60er-Jahren dort oben gestöbert, erinnert sich Andreas Lutz vom Förderverein des Museumsdorfes Altwindeck. Er war auch dabei, als 300 Meter unterhalb der inzwischen restaurierten Ruine gegraben wurde. Reste der Burg Alt-Windeck wurden damals gefunden, Steinkugeln etwa und auch Fragmente alter Säulen.

Bodendenkmal ist geschützt

Das Denkmalamt beendete seinerzeit die Grabungen der historisch interessierten Windecker. 1978 wurde Alt-Windeck als Bodendenkmal unter Schutz gestellt. Während weiter oben inzwischen umfangreich gegraben und restauriert wurde, geriet die ältere Burg in Vergessenheit. Andreas Lutz hofft, dass sich in den Dörfern der Gegend noch der eine oder andere Stein findet, der damals als Souvenir den Standort wechselte.

Bevor Nachkommen der damaligen Burggräber steinerne Fundstücke womöglich unwissend entsorgen, möchte er sie für das Heimatmuseum sichern. „Vielleicht steht ja die eine oder andere Säule unerkannt in einem Garten zwischen Gerressen und Leuscheid“, vermutet Lutz.

In historischen Schriftenstücken wird die ältere Burg nur zweimal erwähnt, 1174 und 1188. Weil Anfang des 19. Jahrhunderts das Archiv des Amtes Windeck „unterschiedslos den Kaminen und Viehställen des Renteigutes Denklingen überliefert“ wurde, bleibt die Geschichte im Dunkeln.

Erwiesen scheint, dass die Landgrafen von Thüringen beide Burgen bauten, um ihren geerbten Streubesitz im Westerwald zu sichern. Die ältere Burg war als „Motte“ erbaut, eine der früh- und hochmittelalterlichen europäischen Adelsburgen in Form eines Erdhügels mit umzäuntem Wohnturm.

Über die Grafen zu Sayn und den Kölner Erzbischof gelangten beide Burgen Mitte des 13. Jahrhunderts in den Besitz der Grafen zu Berg. Neu-Windeck wurde Verwaltungssitz des Amtes Windeck. Alt-Windeck verlor seine Bedeutung als Wehrburg und wurde offenbar schon Ende des 13. Jahrhunderts aufgegeben. So beschrieb es jedenfalls der Historiker Jens Friedhoff in der Zeitschrift „Burgen und Schlösser“ im Februar 2006.

Dass die Geschichte der alten Windecker Burg in absehbarer Zeit durch Archäologen ein Stück weit „ausgegraben wird“, hält Andreas Lutz für unwahrscheinlich. Wenigstens einzelne Bruchstücke für das Museum zu retten, die seinerzeit ausbuddelt und privat gesichert wurden, wäre für ihn schon ein erster Erfolg. Wer Steine findet oder besitzt, die alten Abbildungen ähneln, kann sich bei Andreas Lutz melden unter 02292/25 61.